Die blonde Winni, der braune Okie und die gescheckte Milka helfen Kindern mit Behinderung, zu entspannen. Die drei Pferde tragen aber auch dazu bei, Stabilität, Koordination und Gleichgewicht zu fördern, denn bei der Reittherapie ist Abwechslung wichtig.

Alle drei sind „American Quarter Horses“, weil diese Züchtung sich durch ihren Körperbau und Charakter für die therapeutische Arbeit besonders gut eignet. Die kleine Herde lebt gemeinsam in einem neuen Offenstall in Neuendettelsau, der aus Eigenmitteln und Spenden bezahlt wurde. Diese Art der Haltung ist wichtig, weil die Tiere so ausgeglichener und leistungsfähiger sind. Die Diakonie Neuendettelsau ermöglicht das heilpädagogische Reiten im Rahmen der tiergestützten Therapie. Dabei kommen nicht nur das Pferde-Trio zum Einsatz, sondern auch Hunde und einmal sogar ein Delphin – dieser allerdings nicht in Neuendettelsau. „Wir gehen neue Wege mit“, sagen die Reitpädagoginnen Meike Stroh und Simone Ströfer. Zwei diakonische Helfer, die ein Freiwilliges Soziales Jahr ableisten, unterstützen sie zum Beispiel bei der Versorgung der Pferde und assistieren bei den therapeutischen Einheiten.

Der Kontakt zu den Pferden beruhigt und stärkt die emotionale und soziale Entwicklung

Kunststückchen probieren

Ziel der Therapie ist es einerseits, die Koordination und das körperliche Gleichgewicht von Kindern und Jugendlichen zu stärken. Konkret werden zum Beispiel Ringe oder Bälle hin und her geworfen, aber auch mit Eiern balanciert oder ein Ausflug in den Wald unternommen. Selbst kleine Kunststückchen probieren die jungen Reiter.

Rollstuhlfahrer wie der 16-jährige Gino profitieren durch eine Muskelstabilisierung. Gino kann nicht laufen, aber auf dem Pferd sitzt er allein. Mit einem speziellen Lifter wird er hochgezogen.

Der zweite Schwerpunkt ist die emotionale und soziale Förderung. So können zum Beispiel Kinder mit Autismus im Kontakt mit den Pferden gut entspannen, wenn sie die Bewegung des Pferdes spüren - was ihnen sonst oft schwerfällt.

"Schon der Atem des Pferdes und die Nähe zum Tier wirken beruhigend."

René Reinelt, Leitung Wohnen

Die Pferde haben offenbar auch ein offenes Ohr: Selbst Kinder mit herausfordernden Verhaltensweisen singen ihnen ein Lied und erzählen „ihrem“ Pferd ihre Sorgen.

An der Reittherapie können Kinder ab drei Jahren mit ganz unterschiedlichen Behinderungen und psychischen Erkrankungen teilnehmen. Dabei wird bei labilen Mädchen und Jungen auch das Selbstbewusstsein gestärkt. Insgesamt nutzen etwa 50 Teilnehmer das Angebot. Begleitet werden sie immer von zwei Personen, was zum Beispiel bei Epilepsie wichtig ist, um im Ernstfall schnell reagieren zu können.

Körperliche Übungen fördern Koordination und Gleichgewicht

Kind und Pferd passen zusammen

Wie die Kinder, haben auch die Pferde unterschiedliche Eigenschaften. Damit sie zueinander passen, suchen sich die Kinder „ihr“ Pferd aus. „Aggressive Jungs fühlen sich zum jungen Okie hingezogen. Das sagt auch viel aus“, meint Simone Ströfer. Aktive Kinder entscheiden sich oft für die Stute Winni.

Zwei Pferde sind jeweils im Einsatz, während eines Pause hat. Meistens gehen die Vierbeiner im Schritt, aber auch Trab und Galopp sind möglich. Eine Einheit dauert etwa 20 bis 25 Minuten, dazu kommt ein wenig Zeit, um den Helm aufzusetzen und das Pferd zu belohnen.

Unterstützt wird die erlebnisorientierte Reitpädagogik vom Freundeskreis für Menschen mit Behinderung, der unter anderem den Kauf des vier Jahre alten Wallachs „Okie“ finanziert hat. Das war wichtig, weil Winni mit 23 Jahren und Milka mit 19 Jahren für die Verhältnisse von Reitpferden schon in einem reifen Alter sind. Wichtig ist für die Reittherapie auch die Zusammenarbeit mit dem Reit- und Fahrverein Neuendettelsau, dessen Gelände zweimal in der Woche dafür genutzt werden darf.


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