Predigt zu Matthäus 16, 13-19; Pfingstmontag, 10. Juni 2019, 9.30 Uhr; St. Laurentius, Neuendettelsau; Georg Jakobsche

Liebe Gemeinde,

in den vergangenen Jahren ist mir recht häufig etwa folgende Szene begegnet: Jemand bekommt mit, dass ich Theologe bin, und er oder sie nutzt die Gelegenheit, so etwas wie ein „Glaubensbekenntnis“ los zu werden. Und diese Glaubensbekenntnisse, ich möchte sie bewusst so nennen, ähneln sich dann immer sehr und lauten etwa wie folgt: „Evangelisch, katholisch, Christentum, Islam oder Buddhismus, es ist alles gleich!“ - Ich weiß nicht, ob Ihnen auch schon solche Glaubensbekenntnisse begegnet sind. Vielleicht lag es bei mir daran, dass ich in den letzten 15 Jahren sehr viel außerhalb christlicher Kerngemeinden gearbeitet habe, dort, wo sich Dinge verselbständigt und vom christlichen Glaubensverständnis abgenabelt haben.

„Evangelisch, katholisch, Christentum, Islam oder Buddhismus, es ist alles gleich!“ - Ich habe lange darüber nachgedacht, ob diese Form des Verständnisses von Glauben denn etwas Positives hat? Es muss ja zunächst einmal etwas Positives haben, sonst würden nicht so viele Menschen einer solchen Haltung anhangen.

Wie die meisten von Ihnen wissen, bin ich katholisch sozialisiert worden und darüber hinaus auch noch sehr konservativ und streng. Wohltuend vor diesem meinem Hintergrund ist die Tatsache, dass dieses Glaubensbekenntnis, wenn man es denn so bezeichnen mag, keine Vorherrschaft einer Religion über die anderen zulässt. Hier wird niemand als allein seligmachend hingestellt.

Hier gibt es keinen Universalitätsanspruch, so wie ich ihn in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts noch im Religionsunterricht als Glaubenswahrheit vorgesetzt bekommen habe: „Extra ecclesiam nulla salus est“, außerhalb der Kirche gibt es kein Heil, und das meinte damals natürlich, außerhalb der katholischen Kirche, ja selbst die evangelischen Kirchen waren von einer Heilszusage ausgenommen.

Die Freiheit, die in einem solchen Glaubensbekenntnis steckt, wie es die Menschen mir entgegenbrachten, ist schon sehr attraktiv, und doch muss man genauer hinschauen und fragen, was denn da passiert, wo alle Konfessionen und Religionen über einen Kamm geschoren werden, wo kein Unterschied mehr gemacht wird. Was passiert denn, wenn man, wie es eine Erzieherin mir einmal in einer Teamsitzung vorgeschlagen hat, nur noch Religion allgemein lehrt und dabei alle Religionen ohne Gewichtung nebeneinander darstellt?

Vor allem, so denke ich, geht die Identität für mich als Glaubenden verloren, alles bleibt im Letzten existentiell bedeutungslos für mich! Es gibt natürlich Menschen, die kommen mit solchen Situationen zurecht, aber das sind wohl wenige.

Kinder zum Beispiel wollen wissen: „Was ist denn deine Religion, wie stellst du dir denn Gott vor?“ Kinder stellen solche Fragen aber nur dann, wenn sie in einem Umfeld aufwachsen, in dem der Glaube auch eine Rolle spielt. Dort, wo Glaube nicht mehr relevant ist, verschwindet die Kirche als Großkirche, als Massenkirche ganz. Aber sie entsteht auch neu als so etwas wie eine Bekenntniskirche, ganz neu und zumeist in sehr bescheidenem Rahmen.

Hören wir jetzt den Predigttext zum Pfingstmontag:

Matthäus 16,13-19

13 Da kam Jesus in die Gegend von Cäsarea Philippi und fragte seine Jünger und sprach: Wer sagen die Leute, dass der Menschensohn sei?

14 Sie sprachen: Einige sagen, du seist Johannes der Täufer, andere, du seist Elia, wieder andere, du seist Jeremia oder einer der Propheten.

15 Er sprach zu ihnen: Wer sagt denn ihr, dass ich sei?

16 Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist der Christus, des lebendigen Gottes Sohn!

17 Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel.

18 Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.

19 Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben: Was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein.

Liebe Gemeinde,

das Bekenntnis des Petrus „Du bist der Christus, des lebendigen Gottes Sohn!“, es steht für mich ganz massiv in Kontrast zum „Alles ist gleich“ vom Anfang der Predigt. Ich bin überzeugt davon - und es scheint auch religionspädagogisch so nachweisbar zu sein - dass ein Glaube ohne ein klares Bekenntnis keine existentielle Bedeutung hat. Ohne einen existentiellen Bezug ist er nicht wesentlicher als die Beschreibung einer Spülmaschine: Ob ich sie kenne oder nicht, das Leben funktioniert schon irgendwie. Das Bekenntnis des Petrus könnte man als Kernsatz unseres christlichen Glaubensbekenntnisses bezeichnen, und für mich persönlich würde dieser Satz auch als Glaubensbekenntnis ausreichen.

„Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn“.

Heute, am Geburtstagsfest der Kirche, fordert das Evangelium mehr von uns ein als ein: „Es ist doch alles gleich“. Es fordert eine Entscheidung von jedem, der ein Christ sein will, dass er sich zu diesem Christus, der Sohn des lebendigen Gottes ist, bekennt. Es lädt ein, in diesem Jesus Christus das greifbar gewordene Wort Gottes, das christliche Gesicht - um es mit Luthers Worten zu sagen - des Verborgenen Gottes, des „deus absconditus“, wahrzunehmen und zu bekennen. Wir Menschen brauchen eine Vorstellung von Gott, auch wenn wir uns natürlich immer wieder klar machen müssen, dass wir damit nie das Geheimnis Gottes als Ganzes erfassen. In Jesus Christus ist dieser Gott für uns Christen Gestalt geworden, damit wir mehr Mensch werden können, wie es die Weihnachtsgeschichte impliziert, oder - um es mit Paulus zu sagen - zu unserem Heil. Das ist die christliche Botschaft, die wir verkündigen. Wer sie annimmt, das liegt nicht in unserer Hand, und wie Menschen, die diese Botschaft nicht annehmen, Heil finden können, liegt nicht im Bereich meiner Urteilskompetenz.

Ein Zwang - und sei er auch noch so unterschwelliger Art - verbietet sich dabei für mich, und ich denke, er verbietet sich in jedem Fall. Zwang ist ein Weg, der dem Evangelium im Innersten widerspricht.

Auf dieses Bekenntnis und auf Petrus, der ein Prototyp des christlichen Menschen geworden ist, will Gott seine Kirche bauen. Gott baut diese Kirche, nicht wir. Wir dürfen mitwirken, wir dürfen in der Nachfolge des Petrus mitwirken, festhalten, was bleiben will und lösen, was gehen will.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen bei diesem Satz geht. Gott baut die Kirche auf Petrus und damit auf uns Menschen, wenn wir es zulassen. Ich als Mensch muss sie nicht bauen, ich könnte es auch nicht, ich kann es aber zulassen. Ich finde das wahnsinnig entlastend, und es setzt bei mir Kreativität frei, Kirche neu entstehen zu lassen, heute am Fest des Geburtstags der Kirche.

Liebe Gemeinde, wo können Sie Kreativität entwickeln? Wo können Sie Gott seine Kirche auch in Ihrem Leben bauen lassen, wo können Sie es zulassen, vielleicht schaut sie ja ganz anders aus als Sie sich vorstellen können?

Amen 

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