Predigt zu Johannes 1, 1-14, 1. Weihnachtsfeiertag, 25.12.2018, 9.30 Uhr, St. Laurentius, Neuendettelsau, Pfr.in Karin Lefèvre

Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.

Johannes, Kapitel 1

1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. 2 Dasselbe war im Anfang bei Gott. 3 Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.

4 In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. 5 Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht ergriffen. 6 Es war ein Mensch, von Gott gesandt, der hieß Johannes. 7Der kam zum Zeugnis, damit er von dem Licht zeuge, auf dass alle durch ihn glaubten. 8 Er war nicht das Licht, sondern er sollte zeugen von dem Licht. 9 Das war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen.

10 Es war in der Welt, und die Welt ist durch dasselbe gemacht; und die Welt erkannte es nicht. 11 Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf. 12 Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden: denen, die an seinen Namen glauben, 13 die nicht aus menschlichem Geblüt noch aus dem Willen des Fleisches noch aus dem Willen eines Mannes, sondern aus Gott geboren sind.

14Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.

Liebe Gemeinde,

Am Anfang – so beginnt das Johannes-Evangelium.  Am Anfang – so beginnt auch das 1. Buch der Bibel. Und das ist kein Zufall!

Weihnachten, das Fest, an dem die Menschen, die alleine sind, sich oft auch schmerzlich einsam fühlen. Kein Wunder, weil das mit dem Anfang zu tun hat. Denn Gott war nicht allein, als er die Welt erschuf. Johannes schreibt, der 'Logos' war bei Gott, ja Gott und der Logos sind eins. Martin Luther hat 'Logos' mit 'Wort' übersetzt. Und dieses 'Wort' war ganz am Anfang – vor der Erschaffung der Welt – schon bei Gott. Im Buch der Sprüche heißt es im 8. Kapitel, dass die Weisheit seit aller Ewigkeit bei Gott ist und bei allem dabei war, als Gott die Welt schuf und zwar – jetzt zitiere ich wörtlich: „Da war ich als Liebling ihm zur Seite; war lauter Entzücken Tag für Tag und spielte vor ihm allezeit; spielte auf seinem Erdenrund und hatte mein Ergötzen an den Menschenkindern … wer mich findet, der findet das Leben und erlangt Wohlgefallen bei Gott. Wer mich aber verfehlt, schädigt sich selbst.“

Mit dieser vor Gott spielenden Weisheit wird Christus identifiziert. Hier am Anfang des Johannesevangeliums und bei Paulus im Brief an die Kolosser (2,3).

Wenn die christliche Theologie über Gott als einen dreieinigen Gott spricht, dann, weil sie aus der Bibel gelernt hat, dass Einsamkeit dem Willen Gottes widerspricht, weil Gott nämlich selbst Beziehung ist.

Dies hat Gott in uns Menschen hineingelegt. Es ist nicht gut, dass der Mensch alleine sei, heißt es dazu im Schöpfungsbericht.

Wohl deshalb ist das Weihnachtsfest mehr als jedes andere christliche Fest eine Zeit geworden, in der wir uns besonders auf die Menschen besinnen, die uns wichtig sind. Darum laden auch viele christliche Gemeinden zum Weihnachtsfest all die Menschen zum Feiern ein, die sonst niemanden mehr haben. Einsame Menschen zusammenzuführen, ist ein Werk der Barmherzigkeit und gehört zum gelebten christlichen Glauben.

Kommen wir zurück zum Logos, dem Wort, der Weisheit Gottes, ohne welches Leben nicht denkbar ist. „Und in allem Leben war der Logos und für die Menschen war er das Licht. Das Licht strahlt in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht ergriffen.“ In mancher Übersetzung steht da: Die Finsternis hat es nicht auslöschen können.

Mit der Finsternis ist das ja so eine Sache: Sie ist nämlich äußerst selten. Nicht nur, weil wir mit der künstlichen Beleuchtung so übertreiben, dass sogar schon das Wort von der Lichtverschmutzung geprägt wurde. Nein, Finsternis ist selten, weil nur ein winzig kleines Licht genügt, um die Finsternis zu beenden. Von Finsternis sprechen wir nur, wenn gar kein Licht da ist. Alles andere ist Dunkelheit. Und die gibt es in vielen abgestuften Formen. Aber Finsternis ist immer nur finster. Es genügt, ein kleines Streichholz in einem großen, finsteren Saal anzuzünden, und es vertreibt die Finsternis! Das heißt, Finsternis ist ein extremer Zustand. Und von diesem Zustand ist nicht nur bei Johannes in seinem ersten Kapitel die Rede, sondern - genauso wie beim Logos - im ersten Kapitel der Bibel. Und was da zu Licht und Finsternis steht, ist äußerst bemerkenswert:

Gott sprach: es werde Licht! Und es war Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht.

Das Licht wurde also von Gott durch den Logos, das Wort, geschaffen und von Gott für gut befunden. Die Finsternis aber entstand nur durch einen Prozess der Trennung vom Licht – und Gott nennt dies nicht gut! Alles, was Gott durch sein Wort wirkt, nennt er gut. Aber nichts, was durch Trennung entsteht, wird gut genannt. Auch nicht die Trennung von Licht und Finsternis.

Das Mensch gewordene Wort Gottes, Jesus, wird es auch so halten. Ja, er wird sogar noch weitergehen. Denn das wohl bekannteste Bild von Mensch gewordenem Logos ist wahrscheinlich das des guten Hirten. Und der sucht und sammelt, was verloren gegangen ist, was sich abgetrennt hat oder aussortiert wurde. Jesus erzählt vom Hirten, der die 99 Schafe zurücklässt, um das eine Verlorene zu suchen und zu finden. Jesus lässt den verlorenen Sohn zu seinem Vater heimkehren, der ihn mit offenen Armen wieder aufnimmt. Bei dem älteren Sohn, der die Trennung aufrechterhalten möchte, wirbt er mit den Worten um Versöhnung: Dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden. (Lukas 15,32)

Und im Johannesevangelium, sucht Jesus nicht nur das Gespräch mit Frauen, was damals völlig unmöglich war, er spricht sogar mit einer Samariterin, die zu einer verhassten „Sekte“ gehörte. Selbst Petrus, der ihn dreimal verleugnet hatte, wird er wieder in die Schar seiner Jünger einfügen und ins Hirtenamt einsetzen.

Warum ich das alles so ausführlich darlege, werden Sie jetzt vielleicht fragen.

Weil dies eine Auslegung des feierlichen Liedes am Anfang des Johannesevangeliums ist. Und weil wir darin einen Auftrag bekommen.

Es ist viel Dunkelheit in unserer Welt. Es wird so viel getrennt und verurteilt. Und es scheint so, als würde dies immer mehr zunehmen. Da sollen wir heute ermutigt werden: Die Finsternis hat das Licht nicht überwältigt. Der Finsternis wird dies auch niemals gelingen!

Christus ist das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, der in diese Welt kommt.

Das heißt, kein einziger Mensch kommt finster oder böse auf diese Welt. Jeder Mensch, der geboren wird, wo auch immer, wie auch immer, wird vom wahrhaftigen Licht Gottes erleuchtet. Viele Menschen lassen dieses Licht fallen, weisen es im Laufe ihres Lebens ab, trennen sich davon. Die Gründe dafür dürften so vielfältig sein wie es die Menschen sind.

Doch eines sollten wir uns täglich neu ins Gedächtnis rufen: Jesus hat dies nicht bejammert oder beklagt. Sondern er hat sich aufgemacht und die Verlorengegangenen gesucht. Sollten wir nicht dem Beispiel Jesu folgen?

Allen, die ihn aufgenommen haben, hat er die Macht gegeben, Kinder Gottes zu werden.

Also das, wo sie ursprünglich herkommen, wieder anzunehmen – so wie der verlorene Sohn, der nochmals in sein gesamtes verspieltes Erbe neu eingesetzt wird.

Wir, die wir so gerne trennen und zu wissen meinen, wer dazugehört und wer nicht, wer gut ist und wer böse, übersehen, dass Jesus dies nie so von uns wollte. Als Gott das Licht von der Finsternis schied, hat er so zwar Leben auf unserer Welt ermöglicht, diese Trennung von Licht und Finsternis aber niemals gut genannt.

Und als Jesus, wie es Johannes in seinem Evangelium genau beschreibt, sich von seinen Jüngern verabschiedet, da gibt er ihnen in einer langen Rede mit auf den Weg, dass sie lieben sollen und dass sie eins sein sollen.

Weihnachten, das Fest der Lichter in der dunkelsten Jahreszeit, will uns daran erinnern, dass auch wir Licht in einer dunklen Welt sein sollen. Wenn in uns nur ein ganz klein wenig vom Licht Gottes durchscheint, so wird es nicht zu übersehen sein. Schon ein winziges Licht vermag die Finsternis zu vertreiben.

Lasst uns darum durch unser Leben Zeugnis geben vom Licht Gottes, lasst uns den Verlorenen nachgehen, die Erschöpften unterstützen und denen, in deren Leben es dunkel oder gar finster geworden ist, in Liebe zur Seite stehen. Lasst uns widersprechen, wenn Menschen einsortiert und ausgesondert werden sollen. Lasst uns leben wie Kinder Gottes, denn das waren wir vor unserer Geburt und das sollen wir auch in unserem ganzen Leben sein. Die Finsternis kann das Licht nicht überwältigen.

Amen

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