Predigt zu Jesaja 9, 1-6, Heiliger Abend, Christvesper, 17.30 Uhr, St. Laurentius, Neuendettelsau, Rektor Pfr. Dr. Mathias Hartmann

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde!

Was erwarten Sie vom Weihnachtsfest in diesem Jahr? Wie läuft bei Ihnen das Weihnachten-Feiern ab, wenn Sie nach dieser Christvesper nach Hause kommen? Für viele ist das Zusammensein mit der Familie wichtig. Friedlich und fröhlich soll es sein. Man bereitet sich gegenseitig Freude mit Geschenken, isst und trinkt gut und verbringt feiernd Zeit miteinander. Wenn unser Weihnachtsfest so abläuft, dann teilen wir dies mit vielen anderen auf der Welt, die die Weihnachtstage so oder so ähnlich verbringen. Auf der anderen Seite wissen wir auch, dass es vielen Menschen an Weihnachten anders geht – sie können kein harmonisches, friedliches Weihnachtsfest feiern, weil sie finanzielle Probleme haben und sich Sorgen um die Zukunft machen, weil sie oder ein Angehöriger schwer erkrankt sind und sie nicht wissen, wie es weitergeht, weil sie einen lieben Menschen verloren haben und sie sich einsam fühlen, weil sie in der Familie zerstritten sind und eigentlich nur darauf warten, dass die Feiertage endlich vorbei sind. Andere Menschen müssen um ihre Existenz kämpfen und können deswegen nicht wirklich Weihnachten feiern. Sie haben kein Dach über dem Kopf, sie haben ihre Heimat verlassen müssen, sie wissen nicht, wie sie ihre Familie ernähren sollen, sie fürchten sich vor Krieg in ihrem Land und ihrer Stadt. Ja, wir wissen das: Es gibt viel Dunkel und viele Probleme in dieser Welt. Wenn wir in diesen Tagen ein harmonisches und friedliches Weihnachtsfest feiern, dann fragt sich mancher: Gibt es denn wirklich einen Grund, Weihnachten zu feiern und von Frieden und Hoffnung zu reden? Oder gibt es nicht viel mehr Grund zur Resignation angesichts der Probleme in unserer Welt?

Die Menschen in Israel zur Zeit des Propheten Jesaja vor etwa zweieinhalbtausend Jahren standen vor ganz ähnlichen Fragen. Es war eine schwierige Zeit. Die Chancen und Lebensmöglichkeiten waren unterschiedlich verteilt. Politische Großmächte führten Machtspiele um Einfluss auf verschiedenen Gebieten. Es kam zu blutige Auseinandersetzungen zwischen den Völkern und Bürgerkriegen. In Israel hat die Großmacht Assyrien den ganzen Norden erobert und die Hauptstadt Samaria zerstört. Im Süden, in Jerusalem, geht die Angst um. Jeder spürt Unsicherheit. Das Gefühl beherrscht alles: Wir leben in finsteren Zeiten!

Und in diese Situation hinein sagt der Prophet Jesaja seine Botschaft. Ich lese den Predigttext für diesen Gottesdienst aus dem Buch des Propheten Jesaja im neunten Kapitel.

è Jesaja 9,1-6 lesen

Der Prophet Jesaja redet von Hoffnung, von Licht angesichts einer wirklich finsteren Situation. Die äußeren Umstände widersprechen ihm und doch entfaltet seine Botschaft eine ungeheure Kraft. Eine Kraft, die seine Zeitgenossen ergreift und ihnen Hoffnung gibt. Eine Kraft, die über die Jahrhunderte weitere Menschen ergreift, die die Botschaft des Jesaja immer wieder aufschreiben und auf ihre Situation beziehen. Eine Kraft, die auch Lukas spürt, als er etwa 50 Jahre nach dem Tod Jesu dessen Lebensgeschichte in seinem Evangelium aufschreibt. Er beginnt mit der Geburt Jesu, der Erzählung, die wir auch heute Abend wieder gehört haben und die eine ähnliche Faszination über die Jahrhunderte entfaltet hat. In dunklen, schwierigen Situationen reden Menschen von Licht und Hoffnung, weil Gott sich uns Menschen zuwendet und weil er uns Grund zur Hoffnung gibt.

Jesaja selbst hatte die Hoffnung, dass in nicht zu ferner Zeit Gott dafür sorgt, dass in Israel ein König geboren wird, der ganz anders regiert – der für Frieden, Recht und Gerechtigkeit im Land sorgen wird. Und ja: Israel hat das einige Jahre später erlebt, immer wieder einmal für einige Jahre. Aber es hat auch erlebt, dass das kein Dauerzustand geworden ist. Immer wieder gab es Rückschläge und weitere finstere Zeiten. Und auch mit der Geburt Jesu - vor über 2000 Jahren - ist nicht schlagartig alles gut geworden. Die Schreckensherrschaft des Herodes, die Besatzung der Römer – all das hat sich für die damalige Zeit durch die Geburt Jesu und auch durch sein Leben nicht verändert. Und wenn wir auf unsere heutige Welt schauen, dann fragen wir uns heute eher, was in unserer globalen Gesellschaft noch alles an schwierigen Entwicklungen auf uns zukommt. Frieden auf Erden? Das schaut anders aus…

Warum also reden wir an Weihnachten von der Hoffnung auf Frieden und Gerechtigkeit für alle Menschen? Ist das nicht realitätsfern? Ich möchte auf diese Frage zwei Antworten geben.

Die erste: (1) Wir reden von der Hoffnung auf Frieden und Gerechtigkeit für alle Menschen, weil wir Grund zur Hoffnung haben!

Als die Menschen im alten Israel die Botschaft des Jesaja aufgeschrieben und für die Nachwelt aufbewahrt haben, wussten sie schon, wie die Geschichte weitergegangen ist. Über die Jahrhunderte wurden die Worte des Jesaja weiter überliefert und immer wieder auf neue Situationen bezogen, obwohl alle Menschen wussten, dass ihre Welt nicht perfekt geworden ist. Der Evangelist Lukas hat sein Evangelium und damit auch die Geburtsgeschichte Jesu etwa 50 Jahre nach Jesu Tod geschrieben – zu einer Zeit, als klar war, dass der Friede auf Erden nicht eingezogen war. Im Gegenteil: Jerusalem war inzwischen von den Römern zerstört worden. Und doch bezeugen Menschen aller Zeiten unter Bezug auf Jesajas und Lukas Worte gerade angesichts von Unfrieden und Ungerechtigkeit, dass Gott uns Menschen nahe kommt und uns hilft, Frieden und Gerechtigkeit zu verbreiten. Weil das nicht eine ferne Hoffnung ist, sondern weil wir das heute erleben können. Gott wendet sich uns Menschen zu. Er kommt uns in Jesus ganz nah und gibt uns die Kraft, damit wir Frieden und Gerechtigkeit verbreiten können – in unseren Familien, in unseren Gemeinden und Regionen, auf der ganzen Welt. Wir stehen in einer Tradition von Menschen, die über die Jahrhunderte immer wieder bezeugt haben: Auch wenn es viel Dunkel in der Welt gibt – Gott macht es hell! Er ist bei uns und lässt uns nicht allein. Er gibt uns Kraft und Hoffnung!

Und die zweite Antwort: (2) Wir reden von der Hoffnung auf Frieden und Gerechtigkeit für alle Menschen, weil es uns in Bewegung bringt!

Die Hoffnung, von der Jesaja und Lukas gesprochen haben, hat seither viele Menschen ergriffen. Sie haben gespürt, welche Kraft in dieser Hoffnung steckt. Es ist eine lebensverändernde Kraft, die Menschen in Bewegung bringt. Menschen, die diese Hoffnung in sich tragen, finden sich nicht ab mit Unfrieden und Ungerechtigkeit in ihrer Umgebung und in der Welt. Nein, sie finden Möglichkeiten, ihr Leben, das Leben anderer Menschen, unsere Welt zum Positiven zu verändern. Sie resignieren nicht angesichts des Dunkels in der Welt, sondern setzen das Licht der Hoffnung dagegen. Sie wissen: Sie können das Dunkel zwar nicht komplett beseitigen. Aber sie können ein Licht anzünden, um das Dunkel zurückzudrängen und es für viele Menschen hell werden zu lassen. Dafür gibt es viele Beispiele: Es gibt Menschen, die sich ehren- oder hauptamtlich für geflüchtete Menschen engagieren, ihnen erste Schritte in unserer Gesellschaft ermöglichen und durch ihre Unterstützung ein neues Zuhause geben. Es gibt Menschen, die Kinder und Jugendliche, die besondere Herausforderungen haben, auf ihrem Weg ins Leben begleiten – oft mit enormem Einsatz und großer Frustrationstoleranz. Und so könnte ich noch vieles aufzählen. Manchmal empfinde ich die ganze Palette unserer Arbeit in der Diakonie – von der Betreuung und Assistenz, über Therapie und Pflege bis zu Förderung und Bildung - als Hoffnungszeichen gegen die Dunkelheit unserer Welt. Wir haben unzählige Möglichkeiten, Licht in diese Welt zu bringen. Lassen wir uns von der Weihnachtshoffnung in Bewegung bringen!

Ich wünsche Ihnen heute am Heiligen Abend und an den Weihnachtstagen, dass Sie die Kraft der Hoffnung des Jesaja und des Lukas neu erleben und Ideen dafür bekommen, wie wir alle für mehr Frieden und Gerechtigkeit sorgen können, weil Gott Mensch geworden ist. Ihnen und Ihren Lieben wünsche ich von Herzen ein gesegnetes Weihnachtsfest!

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

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