Predigt über 1. Timotheus 1, 12-17, Reihe I (neu); 3. Sonntag nach Trinitatis, 07. Juli 2019, 9.30 Uhr; St. Laurentius, Neuendettelsau; Pfarrer Peter Schwarz

Wir hören in diesen Versen ein Selbstzeugnis des Apostels. Er erzählt in Kurzform von seinem Leben: Er dankt für die Aufgabe, die Gott ihm anvertraut hat, und er blickt zurück in eine wenig glanzvolle Vergangenheit.

Wo wir von uns selbst reden, da begeben wir uns auf eine Gratwanderung zwischen Eitelkeit und falscher Bescheidenheit. Der Apostel wagt diese Gratwanderung: Er redet von seinem „Amt“, von der wichtigen Aufgabe, die Christus ihm anvertraut hat. Aber er verschweigt auch nicht die dunklen Seiten seiner Vergangenheit, die Zeiten, in denen er die Gemeinde verfolgt hat.

Nehmen wir diese Sätze aus dem 1. Timotheusbrief heute als eine Hilfe, wie wir unser eigenes Leben anschauen und angemessen darüber sprechen können. Denn da, wo wir uns selbst anschauen und von uns erzählen, begeben auch wir uns auf eine Gratwanderung, noch vielmehr dann, wenn wir auf das Leben anderer blicken und über sie reden.

Weil es gut biblisch ist, dass wir bei uns selbst anfangen, suchen wir also zuerst nicht nach Splittern im Auge der anderen, sondern schauen in den Spiegel und blicken uns dabei sozusagen selbst in die Augen. Wen sehe ich? Wen möchte ich sehen?

Das Evangelium vom verlorenen Sohn macht uns Mut dazu, dass wir genau hinschauen und nicht den Kopf wegdrehen. Es kann uns davor bewahren, dass wir uns vorschnell festlegen oder gar ein Urteil über uns sprechen. Da blickt ein junger Mensch trauriger zurück und sieht, welche Chancen er in seinem Leben verpasst und welches Erbe er buchstäblich verspielt hat.

Aber daneben ist in ihm auch ein Vertrauen: Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen. Der Blick zurück allein hilft nicht und bringt nicht weiter. Wo wir uns an der Vergangenheit festkrallen, verpassen wir die Gegenwart und verspielen unter Umständen die Zukunft. Was wirklich hilft, ist der Blick nach vorne: Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen. Das bringt auf die Füße - innerlich und äußerlich.

Doch wie ist das mit unserem Blick auf die anderen, die Nachbarin, den Kollegen, die Mitschwester, den Mitarbeiter? Wie sehe ich sie angemessen an, wie rede ich angemessen über sie? Darf nur das Gute und Schöne wahrgenommen werden, während vor dem Problematischen und Anstößigen die Augen verschlossen werden müssen?

„Suche den Frieden und jage ihm nach“ - meint dieses Wort das wirklich, dass wir 2019 ein ganzes Jahr lang die Augen zudrücken müssen vor menschlichen Macken und offensichtlichen Fehlern, die uns das Leben sauer machen? Wahrscheinlich geht das nicht, oder es tun uns am Ende die Augen weh vor lauter Krampf beim Zudrücken.

Im Kleinen Katechismus gibt Luther einen sehr klugen Rat: Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unsern Nächsten nicht belügen, verraten, verleumden oder seinen Ruf verderben, sondern ihn entschuldigen, Gutes von ihm reden und alles zum Besten kehren. So die Auslegung zum achten Gebot „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten“. Zum Besten kehren, das kann bedeuten, dass man einen Fehler beim Namen nennt, aber eben nicht, um damit jemanden niederzumachen oder kleinzuhalten. Es geht immer um den Weg nach vorn, um den Schritt in die Zukunft.

„Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen. Wenn wir das für uns selbst und mit unseren Fehlern tun, dann muss es doch auch möglich sein, dass wir andere mitnehmen auf diesem Weg nach vorn, zur Versöhnung und zum Vater.

Dazu gehört ein doppelter Mut: Mut zur Wahrheit und Mut zum Vertrauen. Der Mut zur Wahrheit hilft, das Verkehrte zu sehen, es beim Namen zu nennen und sich davon entschlossen abzuwenden. Und der Mut zum Vertrauen setzt auf die Liebe, die Gott jedem und jeder entgegenbringt. Mit dieser Liebe läuft er nicht nur dem verlorenen Sohn, sondern uns allen entgegen, und schenkt einen neuen Anfang.

Diakoneo hat in dieser Woche einen grandiosen Neustart gefeiert. Meine Hoffnung ist, dass das auch ein Auslöser für viele andere Neustarts wird: Dass wir mit dem Blick auf Gott den Mut zur Wahrheit finden, untereinander und im Blick auf unseren Dienst. Und das wir Mut finden zu einem Vertrauen, das barmherzig macht, barmherzig mit uns selbst und in unserem Miteinander.

Denn das ist gewisslich wahr und ein Wort des Glaubens wert: Seit Christus Jesus in ist die Welt gekommen ist, ist uns allen Barmherzigkeit widerfahren.

Pfr. Peter Schwarz, Diakoneo

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