Sonderinvestitionsprogramm zum Abbau des Antragsstaus im Wohnungsbau für Menschen mit Behinderung angestrebt


Bei einem Rundgang in Polsingen machte sich die bayerische Sozialministerin Kerstin Schreyer (2. v. rechts) gemeinsam mit Vertretern der Diakonie Neuendettelsau, der Bewohner und ihrer Angehörigen sowie weiteren Kommunal- und Landespolitikern ein Bild von der Arbeit für Menschen mit Behinderung. © Diakonie Neuendettelsau/Thomas Schaller


Die bayerische Sozialministerin Kerstin Schreyer will sich bei ihren Kabinettskollegen für ein Sonderinvestitionsprogramm des Freistaats einsetzen. Das sagte die Landespolitikerin bei einem Besuch der Einrichtungen für Menschen mit Behinderung der Diakonie Neuendettelsau in Polsingen. So soll der Antragsstau bei der Förderung des Wohnungsbaus für Menschen mit Behinderung verringert werden.

Mit einer Entscheidung ist vor der Landtagswahl allerdings nicht mehr zu rechnen, meinte Ministerin Schreyer weiter, da der nächste Doppelhaushalt erst danach aufgestellt werde. Bei der so genannten Konversion der Einrichtungen von Menschen mit Behinderung geht es zum einen darum, kleinere Wohneinheiten in größeren Orten zu bauen, um die Möglichkeiten zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu verbessern. Zum anderen müssen auch an den traditionellen ländlichen Standorten wie Polsingen, wo häufig relativ viele Menschen mit Behinderung leben, Ersatzbauten errichtet werden, um die aktuellen Anforderungen an die Wohn- und Pflegequalität erfüllen zu können. Diese historischen Standorte bieten gerade für Menschen mit stärkeren Einschränkungen ein gutes Lebensumfeld mit Freiräumen, betonte Roswitha Fingerhut, die für die Wohnangebote der Diakonie Neuendettelsau in der Region Polsingen-Oettingen-Gunzenhausen verantwortlich ist.

Der Vorstandsvorsitzende der Diakonie Neuendettelsau, Dr. Mathias Hartmann, wies auf die Bedeutung des Komplexstandorts Polsingen für die Region hin. Aus den bestehenden Einrichtungen solle ein vielfältiges Angebot für Menschen mit Behinderung in der Region entwickelt werden, das den individuell unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht wird. Mit einem neuen Wohnhaus mit Seniorentagesstätte in Gunzenhausen wurde dafür schon ein erster Schritt getan. Ein zweites Haus ist in Oettingen in Bau.

Allerdings wurde heuer von drei eingereichten Anträgen der Diakonie Neuendettelsau, unter anderem für ein weiteres Haus in Gunzenhausen sowie einen Standort in Merkendorf, kein einziger genehmigt, beklagte Jürgen Zenker (Vorstand Dienste für Menschen).

Vertreterinnen der Bewohner und ihrer Angehörigen unterstrichen, wie wichtig die Bauvorhaben für die Betroffenen sind. Bei einem Rundgang konnte sich die Ministerin persönlich davon überzeugen, dass die Mitarbeitenden der Diakonie Neuendettelsau in Polsingen mit viel Engagement, aber in teilweise nicht mehr zeitgemäßen Räumlichkeiten arbeiten.

Kerstin Schreyer, selbst gelernte Sozialpädagogin mit einschlägiger Berufserfahrung, versicherte, sie habe „finanzintensive Vorlagen“ für ein Kabinettstreffen zum Thema Menschen mit Behinderung in der kommenden Woche entwickelt.

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