Sieben Mitarbeiter des Nkoaranga-Hospitals in Tansania hospitierten in der Klinik Hallerwiese/Cnopfschen Kinderklinik

Die Ehrenamtlichen des Projekts „Feuerkinder“ reisen regelmäßig nach Tansania, um dort Kinder mit angeborenen Beinfehlstellungen oder massiven Brandverletzungen ehrenamtlich zu behandeln. Nun waren sieben Mitarbeitende des tansanischen Nkoaranga-Hospitals in der Nürnberger Klinik Hallerwiese/Cnopfschen Kinderklinik für eine dreiwöchige Hospitation zu Gast. Finanziert wurde der Aufenthalt durch die staatliche Initiative „Klinikpartnerschaften“.

Drei Wochen intensiver Erlebnisse und Eindrücke liegen hinter den sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Nkoaranga-Krankenhauses im Norden Tansanias. Die Männer und Frauen haben während ihres Aufenthalts in der Nürnberger Klinik Hallerwiese/Cnopfschen Kinderklinik hospitiert und nehmen nun einen prallgefüllten Sack an Wissen und Erfahrungen wieder zurück in das kleine Krankenhaus am Fuße des Mount Meru.

„Wir werden einiges davon, was wir hier gesehen und gelernt haben, versuchen, zu Hause umzusetzen“, erklärt Dereck Mungure. Er nennt als Beispiel die Arbeitsabläufe, die nötig sind, um eine Operation vorzubereiten. Oder auch die Sterilisation der medizinischen Instrumente, die hier hochtechnisiert, im Nkoaranga-Hospital aber in der Regel noch mit bloßen Händen erfolgt. Beeindruckt hat die Gruppe auch die Disziplin und Sorgfalt, mit der die Patienten in Deutschland versorgt werden. „Alle arbeiten hier wirklich hart“, sagt Frank Akyoo. „Und der Patient kommt immer zuerst.“

Interner Auswahlprozess
Die sieben Männer und Frauen wurden in einem klinikinternen Bewerbungs- und Auswahlverfahren im Nkoaranga-Hospital ausgewählt und für die Hospitation nach Deutschland in die Klinik Hallerwiese/Cnopfschen Kinderklinik eingeladen. Hier konnten sie nun den Nürnberger Kollegen über die Schulter schauen. Frank Akyoo, der im Nkoaranga-Krankenhaus als Dentist die Röntgenbilder fertigt, hospitierte in der Röntgenabteilung. Dereck Mungure und Emmanuel Matulu, die in Tansania im Operationssaal als Instrumenteur und Anästhesist arbeiten, gingen in die Operationsabteilung. Magreth Thomas, Adeline Nnko und Mary Manda arbeiteten auf der kinderchirurgischen und kinderorthopädischen Station Garten mit und Pendaeli Sikawa, Krankenpfleger und männliche Hebamme im Nkoaranga-Hospital, hospitierte auf der geburtshilflichen Station.

Dereck Mungure, Pendaeli Sikawa, Magreth Thomas, Frank Akyoo, Emmanuel Matulu, Adeline Nnko und Mary Manda (von links) aus dem tansanischen Nkoranga-Krankenhaus hospitierten drei Wochen in der Klinik Hallerwiese/Cnopfschen Kinderklinik. Begleitet wurden sie von der ehemaligen Chefärztin Dr. Annemarie Schraml der Kinderorthopädie (dritte von links), die sich seit vielen Jahren ehrenamtlich im Nkoaranga-Krankenhaus engagiert.


Begleitet wurden die sieben Tansanier in Nürnberg von Dr. Annemarie Schraml, ehemalige Chefärztin der Kinderorthopädie der Klinik Hallerwiese/Cnopfschen Kinderklinik und Mitbegründerin des Projekts „Feuerkinder“. Sie behandelt seit vielen Jahren ehrenamtlich im Nkoaranga-Hospital Kinder und Jugendliche, die an Fehlstellungen der Gliedmaßen leiden. Gleichzeitig kümmert sich das Projektteam aber auch um die Ausbildung von einheimischen Ärzten, Krankenschwestern und Orthopädietechnikern. „Wir wollen unsere tansanischen Kollegen dazu befähigen, die Behandlungen und Versorgung der Kinder selbst durchzuführen“, erläutert Dr. Annemarie Schraml. Mit dem Aufenthalt in Deutschland können die Männer und Frauen in einer modernen Klinik lernen und Erfahrungen sammeln. „Gleichzeitig soll die Reise aber auch ein Dankeschön sein für die engagierte Arbeit, die unsere tansanischen Kollegen bisher im Nkoaranga-Hospital geleistet haben“, sagt Dr. Schraml.

Die Fortbildung der tansanischen Mitarbeiter sei auch deshalb so wichtig, betont die Kinderorthopädin, da die beiden tansanischen Ärzte, denen die Spezialweiterbildung in Unfallchirurgie und Allgemeinchirurgie durch das Feuerkinder-Projekt finanziert wurde, im Nkoaranga-Krankenhaus zwar sehr viel operieren, in der Nachbehandlung und postoperativen Versorgung orthopädischer Patienten seien die Mitarbeiter aber noch nicht geübt. Das sollte nun in Nürnberg intensiv nachgeholt werden.

Finanziert durch staatliche Förderung
Möglich wurde die Hospitation der Nkoaranga-Mitarbeiter durch eine Förderung des Feuerkind-Projekts durch die Initiative „Klinikpartnerschaften“ des deutschen Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und der Fresenius-Stiftung. Aus diesem Fördertopf erhielt das Feuerkinder-Team 50.000 Euro zugesagt. Die staatliche Initiative unterstützt Kooperationen zwischen Gesundheitsorganisationen in Deutschland und in Ländern mit mittlerem und niedrigem Einkommen.

Erste Auslandsreise überhaupt
Für die sieben Tansanier war die Reise nach Nürnberg die erste Auslands- und Flugreise überhaupt. Dementsprechend war schon der Nachtflug vom Kilimanjaro Airport über Amsterdam nach Nürnberg eine aufregende Angelegenheit. Hier in Nürnberg organisierte das Feuerkinder-Team um Annemarie Schraml ein abwechslungsreiches Ausflugsprogramm, das neben der Hospitation im Krankenhaus die Tage füllte. So ließ sich die Gruppe Nürnberg zeigen, besuchte das Germanische Nationalmuseum sowie Freunde und Unterstützer des Feuerkind-Projekts in der Region. Besonders aufregend war auch die Zugfahrt nach München und dort eine Tour mit der U-Bahn. „Für unsere Gäste aus Tansania war es unvorstellbar, dass wir nun unter Häusern hindurchfahren“, schmunzelt Annemarie Schraml. Mit einem afrikanischen „Asante sana!“ („Vielen Dank“ auf Kisuaheli) bedankten sich nun die sieben Tansanier bei allen, die sie an der Klinik Hallerwiese/Cnopfschen Kinderklinik herzlich aufgenommen haben.

Frank Akyoo ist im Nkoaranga-Hospital für das Anfertigen der Röntgen-Aufnahmen zuständig. Deshalb hospitierte er in der Röntgenabteilung der Klinik Hallerwiese/Cnopfschen Kinderklinik. Dank Spendengelder, unter anderem des Rotaryclubs Nürnberg, konnte für das Nkoaranga-Hospital dasselbe Röntgengerät angeschafft werden, das auch in der Nürnberger Klinik zum Einsatz kommt.


Hintergrund „Feuerkinder“
Knapp dreißig Mal war Dr. Annemarie Schraml mit ihrem Team seit dem Jahr 2000 im Rahmen des Projekts „Feuerkinder“ in Tansania, um dort Kinder mit angeborenen Beinfehlstellungen oder massiven Brandverletzungen ehrenamtlich zu behandeln. Was ursprünglich als einmaliger Hilfseinsatz gedacht war, hat sich mittlerweile zur Passion und Lebensaufgabe der inzwischen pensionierten Kinderorthopädin entwickelt. Mehrmals im Jahr reist sie ins Nkoaranga-Hospital in der Region Arusha im Norden Tansanias. Dort behandelt sie mit einem Team aus weiteren Ehrenamtlichen Kinder und Jugendliche, die an angeborenen Klumpfüßen, Knochenverbiegungen oder Fehlstellungen durch massive Brandverletzungen (daher der Name „Feuerkinder“) leiden. Neben der Behandlung liegt ein weiterer Schwerpunkt des Projekts Feuerkinder auf der Hilfe zur Selbsthilfe: Einen Teil der Spendengelder wird dazu verwendet, die Ausbildung von einheimischen Ärzten, Krankenschwestern und Orthopädietechnikern zu finanzieren.


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