Die Entwicklung unserer Arbeit für Menschen mit Behinderung

Seit ihrer Gründung im Jahr 1854 durch Pfarrer Wilhelm Löhe setzt sich die Diakonie Neuendettelsau für Menschen mit Behinderung ein. Zeitgleich mit den ersten Diakonissen zogen Menschen mit Behinderung in das neu erbaute Mutterhaus ein.

Seitdem waren und bleiben die Dienste für Menschen mit Behinderung einer der Schwerpunkte unserer diakonischen Arbeit.

Derzeit nutzen über 2.000 Menschen mit Behinderung unsere vielfältigen Angebote in Schwaben, Mittel- und Oberfranken.

Kontakt

Direktion Dienste für Menschen mit Behinderung
Wilhelm-Löhe-Str. 23
91564 Neuendettelsau

Tel.: +49 (0) 98 74 / 8 - 34 77
Fax: +49 (0) 98 74 / 8 - 34 30

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Gründung durch Wilhelm Löhe

In einer Rückschau sah es Wilhelm Löhe "als göttliche Fügung" an, dass er sich der Arbeit mit Menschen mit Behinderungen gewidmet hatte. Trotz dieser Überzeugung ging er diese Arbeit sehr strukturiert an.

Noch vor der Gründung der „Diakonissenanstalt“ veranlasste er eine Erhebung in den benachbarten Dekanaten über die Zahl der „Behinderten“, die in den einzelnen Gemeinden lebten. Auch seine persönliche Bekanntschaft zu dem behinderten Sohn des Neuendettelsauer Dorfvorstehers hatte ihn auf diese soziale Notlage aufmerksam gemacht.

Durch die Auflösung des Dreigenerationenhaushalts in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde eine Betreuung der Menschen mit Behinderung, die zuvor von den Familien geleistet worden war, notwendig. Zudem lebten diese Menschen damals vielfach unter unmenschlichen Bedingungen.

Die Aufnahme der Behindertenarbeit war keine spontane Idee Löhes. Ihm waren auch die verschiedenen Vorläufer-Einrichtungen bekannt: Karl Georg Haldenwang betrieb in Wildberg im Schwarzwald (1838) eine „Rettungsanstalt für schwachsinnige Kinder“ und Johann Guggenbühl eine „Heilanstalt auf dem Abendberg“ bei Interlaken in der Schweiz (1841).

Anfänge in Neuendettelsau

In das neu erbaute Mutterhaus in Neuendettelsau zog im Oktober 1854 der erste Mensch mit Behinderung ein.

Damals war die Nachfrage nach geeigneten Plätzen sehr groß, so dass Wilhelm Löhe bereits 1855 im Dorf zwei Häuser anmietete und dort ein „Behindertenheim“ eröffnete.

1864 wurde dann ein weiterer Neubau eingeweiht und mit der Eröffnung der Filiale im Schloss Polsingen erfuhr der Bereich der Dienste für Menschen mit Behinderung nochmals eine Expansion.

Große Einrichtungen folgten später in Bruckberg (1891) und in Himmelkron (1892).

Um das Jahr 1900 wurden bereits mehr als 700 Menschen mit Behinderung in den verschiedenen Einrichtungen der „Diakonissenanstalt“ Neuendettelsau betreut.

Zeit des Nationalsozialismus

Während der nationalsozialistischen Herrschaft kam es zu massiven Eingriffen in die Arbeit der Neuendettelsauer Einrichtungen. In den Jahren 1940/41 wurden mehr als 1.200 (von über 1.700) Menschen mit Behinderungen aus den Einrichtungen der Diakonie Neuendettelsau im Rahmen der "Euthanasie"-Aktion T4 in staatliche Heil- und Pflegeanstalten verlegt. Über 400 Personen wurden in die Tötungsanstalt Hartheim bei Linz weiterverlegt und dort vergast, fast 400 fanden den Tod in den staatlichen Heil- und Pflegeanstalten (Luminal-Spritzen oder Verhungern).

Die Geschehnisse der damaligen Zeit wurden 1991 wissenschaftlich aufgearbeitet (Christine-Ruth Müller/Hans-Ludwig Siemen, Warum sie sterben mußten. Leidensweg und Vernichtung von Behinderten aus den Neuendettelsauer Pflegeanstalten im "Dritten Reich", Neustadt/A. 1991).

Aus Anlass des 60. Jahrestages der so genannten "Euthanasie"-Maßnahmen der Nationalsozialisten im Jahr 2001, initiierte die Diakonie Neuendettelsau die Ausstellung "einzigartig". Neben geschichtlichen Themen zeigte die Ausstellung Werke von jungen Menschen aus den Leistungskursen des Laurentius-Gymnasiums und Werke von Menschen mit Behinderungen. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.

Weitere Entwicklung - heute

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Arbeit mit den Menschen mit Behinderung fortgesetzt und ausgebaut. Heute nutzen weit über 2.000 Menschen mit Behinderungen unser vielfältiges Wohnangebot in Verbindung mit den zahlreichen Arbeits- und Beschäftigungsmöglichkeiten in unseren Förderstätten und Werkstätten sowie unsere ambulanten Dienste.

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