Warum sich spät im Leben für einen sozialen Beruf entscheiden?

Warum sollte man sich spät im Leben zum Beispiel als Wiedereinstieg nach der Familienphase für einen sozialen Beruf entscheiden und eine Umschulung anpacken? Zwei, die es im Bereich der Heilerziehungspflege/ Heilerziehungspflegehilfe gewagt haben, erzählen von ihren Erfahrungen:
Für Dietmar M. ist sich sicher: „Ich habe meinen Traumberuf gefunden und mache genau das, was ich immer machen wollte.“

Umschüler zum Heilerziehungspflegehelfer
"Ich habe meinen Traumberuf gefunden", sagt Dietmar M. © Hiessleitner


Der gelernte Koch musste aus gesundheitlichen Gründen umschulen und hat sich für eine Ausbildung als Heilerziehungspflegehelfer entschieden. Mittlerweile absolviert er die Ausbildung zum Heilerziehungspfleger.

In der Großküche, in der beschäftigt war, kam der 52-Jährige in Kontakt mit Menschen mit einer Behinderung, die dort Praktika absolvierten. Die Arbeit mit den Menschen mit Behinderung faszinierte ihn. „Ich habe mich schon immer für Berufe mit Menschen interessiert, wollte eigentlich Erzieher lernen“, sagt er. „Den Beruf des Heilerziehungspflegers kannte ich vorher gar nicht.“ Seine Anerkennungszeit absolvierte er im Bundesfreiwilligendienst in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung.
Bei Petra V. war der Impuls zur Umschulung der Wunsch nach einer Arbeit, „bei der ich mein eigenes Menschenbild einbringen und speziell auf einzelne Menschen eingehen kann.“

Umschülerin in der Heilerziehungspflege
Petra V. hat ihre Berufswahl nicht bereut. © Hiessleitner


Die 49-Jährige ist gelernte Bürokauffrau und hat lange Zeit als selbständige Mediengestalterin gearbeitet. Über die Arbeit als Hauswirtschaftskraft in einem Wohnheim der Lebenshilfe kam die Mutter von drei Kindern in Kontakt mit Menschen mit Behinderung. „Ich habe viel mit den Menschen dort gemacht, war mit ihnen einkaufen und habe mit ihnen gespielt“, erzählt sie. „Ich war schon immer sehr neugierig, habe die Mitarbeitenden im Wohnheim viel gefragt und mich dann entschieden, die Ausbildung zu machen, um mit Menschen mit Behinderung arbeiten zu können.“



Was sind die Vorteile einer Umschulung zum Heilerziehungspflegehelfer?

Das muss Dietmar M. nicht lange überlegen: „Die Berufsaussichten sind sehr gut. Auch mit 45 oder 50 Jahren hat man keine Schwierigkeiten, einen Arbeitsplatz zu finden.“ Aus Dietmar M.s Kurs hat sich der Großteil der Teilnehmer dafür entscheiden, nach der Ausbildung gleich zu arbeiten.
Ergänzend dazu nennt Petra V. die vielen Möglichkeiten zur Weiterbildung: „Man kann sich zum Beispiel in Erlebnis- oder Sportpädagogik weiterbilden oder auch im Bereich Erwachsenenbildung.“ Gerade der letzte Bereich ist in den Einrichtungen der Diakonie Neuendettelsau stark vertreten.

Welche Voraussetzungen muss man für die Ausbildung mitbringen?

Für die Ausbildung in der Heilerziehungspflegehilfe benötigt man neben der gesundheitlichen Eignung:
  • Einen bestandenen Hauptschulabschluss oder einen gleichwertigen Abschluss
  • Und:
    • Entweder eine abgeschlossene, mindestens zweijährige einschlägige Berufsausbildung (z.B. Kinder- oder Sozialpflege)
    • Oder eine mindestens zweijährige einschlägige Berufstätigkeit (z.B. Freiwilliges soziales Jahr oder Bundesfreiwilligendienst)
    • Oder eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem staatlich anerkannten Ausbildungsberuf und eine mindestens einjährige Berufstätigkeit in einem Bereich der Behindertenhilfe
    • Oder die mindestens vierjährige Führung eines Mehrpersonenhaushaltes

Wie lange dauert die Ausbildung?

Die Ausbildung dauert ein Jahr. Die Ausbildung findet im wöchentlichen Wechsel an zwei Lernorten statt: Schule und Praxisstelle. Die Praxisstelle muss man bei Schuleintritt nachweisen können. Die Schule hilft bei der Suche.


Was kostet die Ausbildung bzw. verdient man in dieser Zeit etwas?

In den Schulen für Heilerziehungspflege bzw. Heilerziehungspflegehilfe der Diakonie Neuendettelsau wird kein Schulgeld erhoben. Für die Arbeit an den Praxisstellen bekommt man ein Ausbildungsgehalt von unterschiedlicher Höhe.


Gibt es bei der Umschulung zum Heilerziehungspflegehelfer Unterstützung durch die Arbeitsagentur?

Die Umschulung zum Heilerziehungspfleghelfer wird durch das Arbeitsamt unterstützt, ebenso wie die zweijährige Ausbildung zum Heilerziehungspfleger.


Arbeit mit Menschen mit Behinderung
Die Arbeit mit Menschen mit Behinderung prägt das Berufsbild des Heilerziehungspflegers. © Niklas


Wo kann man die Ausbildung in der Diakonie Neuendettelsau absolvieren?

Die Diakonie Neuendettelsau führt drei Schulen für Heilerziehungspflege und Heilerziehungspflegehilfe in Neuendettelsau, Nürnberg und Himmelkron (bei Bayreuth). Wenn die Zugangsvoraussetzungen gegeben sind (zum Beispiel über die Führung eines Mehrpersonenhaushaltes) sind Bewerbungen jetzt noch möglich:



Wo kann man nach Abschluss der Ausbildung arbeiten?

In der Diakonie Neuendettelsau kann man als Heilerziehungspflegehelfer in vielen verschiedenen Bereichen arbeiten:

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