Für die optimale Förderung am Arbeitsplatz: Werkstattleiter Hartmut Assel setzt auf Bildungsmodule

  • Wie können sich Menschen mit einer Behinderung im Beruf weiterbilden?
  • Was können sie erreichen?
  • Wer hilft ihnen dabei?

Fernando Buzek erzählt in diesem Text von seinem Job im Green-Team und davon, wie er nicht nur den Führerschein für Landwirtschaftsfahrzeuge gemacht hat, sondern durch das Angebot von Bildungsmodulen nun auch zur "Assistenz der Fachkraft" ausgebildet wird.
Von seinen Erfahrungen berichtet auch ein Video des Bayerischen Rundfunks am Ende des Artikels.

Von Amanda Müller

Es ist früh am Morgen auf einer Wiese etwas außerhalb des Städtchens Rothenburg. Bald lockt das beliebte Taubertal-Festival wieder 19.000 Besucher auf die große Grünfläche, die von hohen Bäumen umgeben ist. Zelte, Bühnen, Stände und viele Leute werden diesen Ort dann für drei Tage in ein Fleckchen verwandeln, das zum gemeinsamen Feiern, Campen und Musikhören einlädt.

Fernando Buzek freut sich über die vielen Möglichkeiten, die ihm sein Beruf bietet.

Davon ist heute - zwei Wochen vorher - noch nichts zu sehen. Das Gras ist noch nicht gemäht, die Büsche, Bäume und Sträucher sind wild gewachsen. Mittendrin steht Fernando Buzek. Er hebt seine Hand und schirmt die Augen vor der Sonne ab. Dann setzt er seine Sonnenbrille auf, damit er besser sehen kann. Er trägt eine orangefarbene Hose mit Leuchtstreifen und ein grünes T-Shirt. Auf dem Shirt steht „Green Team – Fernando Buzek“. Zusammen mit seinen Kollegen bereitet er mittlerweile zum sechsten Mal die Wiese für das Taubertal-Festival vor. Sie mähen das wild gewachsene Gras, schneiden und trimmen die Sträucher, räumen auf und pflegen die Landschaft.

„Seit ich vor einigen Jahren mein erstes Praktikum draußen in der Natur gemacht habe, wollte ich ins Green-Team“, erzählt der 30-Jährige. Er fühlt sich wohl hier, versteht sich super mit seinen Kolleginnen und Kollegen und kann vor allem eins: seine Stärken und Fähigkeiten optimal fördern.

„Mit 16 bin ich nach meinem Abschluss beim Förderzentrum Rothenburg in die Werkstatt“, erzählt der aufgeweckte junge Mann, der aus Gebsattel kommt. Dort blieb er dann, bis er sich dazu entschied ein Praktikum im Grünen zu machen. Das Außenpraktikum hat ihm so gut gefallen, dass er dann ins Rothenburger Green-Team aufgenommen wurde. Seitdem ist Teamleiterin Claudia Zeisel für ihn zuständig. Sie weist ihn nicht nur in neue Aufgabenfelder und Tätigkeiten ein, sondern hilft ihm auch dabei, sich beruflich und persönlich weiterzuentwickeln.

„Eine Anstellung auf dem normalen Arbeitsmarkt ist in Fernandos Fall nicht ganz einfach“, erklärt Claudia Zeisel. 

Green-Team-Leiterin Claudia Zeisel unterstützt Fernando Buzek von Anfang an.

Gerade im Umgang mit Vorgesetzten und Kunden weiß der 30-Jährige manchmal nicht, wie er sich verhalten soll. „Wenn er unterfordert ist, kann er seine Emotionen nicht richtig kontrollieren. Da können auf dem ersten Arbeitsmarkt schnell Konflikte entstehen“, erklärt auch Hartmut Assel. Er leitet die Werkstatt für Menschen mit Behinderung der Diakonie Neuendettelsau in Rothenburg, zu der auch das Green-Team gehört. Es besteht seit mehr als zehn Jahren und wurde unter seiner Leitung aufgebaut.

Bildungsmodule bieten die Chance, Ziele und Träume zu verwirklichen

Fernando Buzek pflegt mit seinem Team kommunale und gewerbliche Grünflächen in der Region Rothenburg.

Mobilität und Eigenverantwortung mitten in der Gesellschaft zählen zu den täglichen Aufgaben unserer Beschäftigten im Green-Team“, erklärt Werkstattleiter Assel. Mit zu den Bildungsmodulen zählt zum Beispiel, dass Beschäftigte die Möglichkeit erhalten, einen Führerschein für Rasentraktoren und andere landwirtschaftliche Fahrzeuge zu machen.

„Herr Assel hat mich gefragt, ob ich den Führerschein für Landwirtschaftsfahrzeuge machen möchte“, erzählt Fernando Buzek. „Ich habe sofort zugesagt und finde es toll, wie ich hier gefördert und unterstützt werde“, freut er sich. Der 30-Jährige wohnt seit zwei Jahren alleine. In seiner Freizeit trifft er sich gern mit Freunden und unternimmt viel draußen. Weil er gern aktiv ist, sind ihm auch das Green-Team und seine Aufgaben dort ans Herz gewachsen. Fernando Buzek kennt seine Stärken ganz genau. Vor allem die Bewegung im Grünen liebt er an seinem Beruf.

Aufgrund seiner Kenntnisse wird er in das Bildungsmodul zur „Assistenz der Fachkraft“ wechseln. „Ich assistiere jetzt Claudia Zeisel“, sagt er und erklärt, dass er sobald er das Modul erfolgreich abgeschlossen hat, eine Vorarbeiterfunktion übernimmt und nach der Teamleiterin der erste Ansprechpartner für seine Kollegen ist.

„Der optimale Arbeitsplatz für mich ist einfach draußen“, betont er. Damit auch Akquise, Kundengespräche und Abrechnungen reibungslos ablaufen, ist Claudia Zeisel als Ansprechpartnerin immer für ihn da.

Qualifikationen der Menschen mit Behinderung fördern

Claudia Zeisel und Hartmut Assel setzen sich dafür ein, dass die unterschiedlichen Qualifikationen der Beschäftigten gefördert werden. Aufgenommen werden können Menschen mit Behinderungen direkt aus Rothenburg, aber auch aus den angrenzenden Landkreisen von Uffenheim bis Schillingsfürst.

„Wenn jemand auf den ersten Arbeitsmarkt möchte, helfen wir ihm dabei“, betont Assel. Wenn die Menschen – wie beispielsweise Fernando Buzek – aber in der WfbM bleiben wollen, können sie durch entsprechende Bildungsmodule neue Tätigkeiten ausüben.

Werkstattleiter Hartmut Assel setzt sich für die optimale Förderung der Beschäftigten in Rothenburg und Obernzenn ein.

Hartmut Assel hat deswegen auch die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt, der Industrie und der Produktnachfrage der Gesellschaft ständig im Blick. „Seit kurzem gibt es in unserer Werkstatt beispielsweise eine Stickmaschine und eine Maschine für Textildruck. Bei unseren Kunden sehr beliebt ist auch ein Gravur-Laser mit dem verschiedene Materialien wie beispielsweise Metall, Kunststoff oder Glas individuell graviert werden können. Dadurch haben wir die Möglichkeit viele Aufträge für den Handel oder Privatpersonen zu übernehmen“, erzählt Assel.

„Wir achten sehr darauf, dass unsere Arbeitsplätze immer auf den individuellen Hilfebedarf zugeschnitten werden“, betont der Werkstattleiter. Das reicht von Angeboten für Menschen mit hohem Hilfebedarf bis hin zu Angeboten von Außenarbeitsplätzen in Betrieben in der gesamten Region. „Ein gutes Beispiel ist eine unserer beschäftigten Damen, die Schwierigkeiten im Umgang mit der Nähmaschine hatte. Durch unsere enge Zusammenarbeit haben wir aber herausgefunden, dass sie sehr gern Mützen häkelt. Seitdem beinhaltet unser Sortiment bunte Häkelmützen“, erzählt Assel.

Wenn Sie Kontakt mit der Werkstatt in Rothenburg aufnehmen möchten, sind Sie hier richtig.

Fernando und sein Kollege Daniel erzählen im Video des Bayerischen Rundfunks von ihren Erfahrungen (ab Minute 8:13):


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