Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.
Liebe Gemeinde!
Was machen Sie, wenn Sie etwas besonders Schönes erlebt haben? Was machen Sie, wenn sich vielleicht ein Traum erfüllt, den sie schon lange haben, oder unerwartet einem lieben Menschen begegnen, den sie schon lange nicht mehr gesehen haben. Vielleicht greifen Sie zuerst zum Telefon, um einem anderen Menschen davon zu erzählen. Vielleicht reden Sie mit jedem, den Sie treffen darüber. So nach dem Motto: „Weißt du, was ich gerade erlebt habe…“. Oder Sie zücken ihre Kamera oder ihr Handy und machen ein Foto, dass sie danach herumzeigen können oder über WhatsApp, Facebook oder Instagram in die Sozialen Netzwerke posten. Mancher, der künstlerisch angehaucht ist, schreibt vielleicht einen besonderen Text oder ein Gedicht. Ja, und ein Musiker oder eine Musikerin schreibt nach ganz besonderen Erfahrungen ein Lied. Viele Lieder, die heute in den Medien auftauchen, sind aus einer besonderen Situation heraus entstanden. Ob Volksmusik, Schlager, Pop- oder Rockmusik, ob HipHop, R&B oder Soul - der Musikstil ist da ganz egal. Lieder reflektieren das Leben und berichten oft von besonderen Erlebnissen und Erfahrungen. Die Liebe zu einem anderen Menschen oder die Geburt eines Kindes sind zum Beispiel Erfahrungen, über die in vielen Liedern gesungen wird.
Unser heutiger Predigttext ist auch so ein Lied, das aus einer besonderen Situation heraus entstanden ist. Hanna, eine Frau aus dem Volk Israel, lebte vor etwa dreitausend Jahren. Von ihr wird berichtet, dass sie aus Dankbarkeit über die Geburt ihres Sohnes Samuel das folgende Loblied sang.
-> Predigttext lesen 1Samuel 2,1-2.6-8a
Vielleicht wundern Sie sich jetzt ein bisschen. Man spürt dem „Lobgesang der Hanna“ – wie dieser Abschnitt aus dem Alten Testament genannt wird – so gar nicht ab, dass der Anlass die Geburt eines Kindes ist. Das Lied lobt ganz allgemein das Ein-greifen Gottes im Leben von Menschen. Und es beschreibt, dass Gottes Handeln für Menschen geradezu umwälzende Bedeutung haben kann. „Der Herr macht arm und macht reich; er erniedrigt und erhöht.“ singt Hanna. Das klingt als wäre die Geburt ihres Sohnes für Hanna sehr bedeutend gewesen.
Und das stimmt auch, wenn wir uns ihre Lebensgeschichte etwas genauer anschauen. Hanna war mit Elkana verheiratet, einem gläubigen Israeliten, der neben Hanna noch eine weitere Frau hatte. Das war zur damaligen Zeit in Israel durchaus üblich, weil es existentiell wichtig war, viele Kinder zu haben. Die Kinder sorgten für den Unterhalt ihrer Eltern, wenn diese alt wurden und nicht mehr für sich selbst sorgen konnten. Eine große Zahl von Kindern war also eine gute Absicherung gegen Armut im Alter. Und obwohl Hanna und Elkana sich sehr liebten, hatte Hanna jahrelang auf die Geburt eines Kindes warten müssen. Immer wieder ging sie zum Tempel und betete zu Gott um ein Kind. Und Jahr um Jahr hoffte sie vergebens und musste außerdem noch den Spott der anderen ertragen. Doch schließlich erhörte Gott ihr Gebet – so interpretiert sie ihre Erfahrung. Hanna wird schwanger und bekommt einen Sohn: Samuel der in der Geschichte des Volkes Israel später als Prophet eine wichtige Rolle spielen wird. Diese Geburt verändert ihr Leben und bringt sie dazu, Gott mit den bedeutsamen Worten zu loben, die wir gerade gehört
haben.

Es ist ein kraftvolles und herausragendes Loblied, deswegen wurde es über die Jahrhunderte weiter überliefert. Und es diente als Vorlage für ein weiteres Lied, das über eintausend Jahre nach Hanna entstanden ist: für den Lobgesang der Maria, der Mutter Jesu, das so genannte „Magnificat“. Die beiden Lieder sprechen in besonderer Weise von den großen Taten Gottes, sie loben ihn für das was er tut. Sie preisen ihn für das, was er durch seine Kraft im Leben von Menschen bewirken kann.
Und deswegen passt dieses Loblied der Hanna auch so gut zum Ostermorgen, an dem wir darüber nachdenken – ja, an dem wir feiern, dass Gott selbst den Tod besiegen kann. Um mit den Worten von Hanna zu sprechen: „Der Herr tötet und macht lebendig, führt hinab zu den Toten und wieder herauf.“
Über zwei Gedanken aus dem Lobgesang der Hanna möchte ich noch einmal etwas genauer mit Ihnen nachdenken:
1. Glauben heißt: Hoffnung haben in hoffnungslosen Situationen Von Hanna wird erzählt, dass sie zwar über ihre Situation verzweifelt
war – sie gab die Hoffnung aber nicht auf und betete eindringlich für eine Veränderung. Sie traute Gott zu, ihr Leben zu verändern. Und in ihrem Lied lobt sie Gott für seine lebensverändernde Macht. Sie bringt ihre Freude darüber zum Ausdruck, dass Gott in ihrem Leben eingegriffen hat. Und sie bringt ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass er das auch im Leben anderer Menschen tut.
Was prägt unsere Sicht auf unser Leben und auf unsere Welt, heute? Ist sie von Hoffnung oder von Hoffnungslosigkeit geprägt? Ich gebe zu: Beim Blick auf die Nachrichten des Tages könnte man tatsächlich eher verzweifeln. Krieg, Mord und Totschlag in vielen Teilen unserer Erde, wenig vertrauenswürdige Machthaber mit viel zu viel Macht in zahlreichen Ländern, wachsende Konflikte und Probleme in unserem eigenen Land. Wo soll das alles noch hinführen?
Und der eine oder die andere von uns könnte vielleicht die Herausforderungen aus dem eigenen persönlichen Leben noch dazu legen: die Probleme aus der Schule, im Studium, auf der Arbeit, in der Familie. Die angegriffene Gesundheit, der schleichende Verlust der Kraft im Alter, die fehlende persönliche Perspektive, die Einsamkeit nach dem Tod lieber Menschen. Welche Herausforderungen prägen ihr Leben? Glauben heißt, in all diesen Situationen Hoffnung zu haben. Nicht in Hoffnungslosigkeit zu versinken, weil wir daran glauben, dass Gott die Macht hat, alle Situationen zum Guten zu verändern. Wir trauen Gott zu, dass er eingreift und unsere Welt und unser Leben positiv verändert. Nun wäre es unrealistisch zu glauben, dass sich durch unsere Hoffnung auf Gottes Eingreifen alle Probleme und Herausforderungen unseres Alltags zum Guten wenden und verschwinden. Die Freude über die Auferstehung Jesu und der Glaube an Gottes Sieg über den Tod bedeuten schließlich auch nicht, dass der Tod in unserem Leben keine Bedeutung mehr hat. Doch die Hoffnung verändert unsere Einstellung zu den Herausforderungen unseres Lebens. Sie haben nicht mehr das letzte Wort über uns. Weil Gott die Macht hat, hat er das letzte Wort. Nicht Fatalismus ist also angesagt sondern beherztes Angreifen unserer Lebensthemen, weil wir nicht alleine auf unsere Kraft vertrauen sondern auf Gottes Macht. Genauso ist es wenn wir auf die Herausforderungen unserer globalen Gesellschaft schauen. Nicht Resignation ist angesagt, sondern Hoffnung für diese Welt, weil Gott die Macht hat. Deswegen können wir uns als Christen für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung einsetzen – auch wenn Unfrieden, Ungerechtigkeit und Raubbau an der Natur überhand zu nehmen scheinen. Wir dürfen Hoffnung haben, weil wir Gott um Hilfe für unsere Welt bitten können. Und wir können die Erfahrung machen, dass wir vielleicht sogar selbst ein Teil der Antwort Gottes auf unser Gebet sind. Weil er uns Kraft gibt, die Welt zum Guten zu verändern. Hanna lehrt uns: Glauben heißt, Hoffnung haben in hoffnungslosen Situationen. Und der zweite Gedanke:
2. Gott loben bedeutet, von den Erfahrungen mit seinem Eingreifen erzählen Der Lobgesang der Hanna ist ein ganz persönliches Lied. Es beginnt
mit den Worten: „Mein Herz ist fröhlich in dem Herrn, mein Haupt ist erhöht in dem Herrn.“ Hanna erzählt sehr persönlich was die Erfahrung von Gottes Eingreifen bei ihr ausgelöst hat. Genauso persönlich können auch wir von Gott und seinem Ein-greifen in unserem Leben erzählen. Was habe ich an guten Ver-änderungen in meinem Leben erlebt? Was bedeuten diese Er-lebnisse für mich? Manchmal erlebe ich, dass wir sehr zurückhal-tend sind damit von Gottes Eingreifen in unserem Leben zu er-zählen. Wir reden lieber davon, dass wir Glück gehabt haben o-der etwas selbst geschafft oder erreicht haben, was wir zuvor nur schwer für möglich gehalten haben. Auch wenn wir selbst viel-leicht ein leises Dankgebet formulieren, tun wir uns oft schwer damit, unser „Gott sei Dank“ etwas lauter zu sagen oder mit an-deren darüber zu reden.
Der Lobgesang der Hanna kann uns anregen, genau das zu tun. Wenn wir nach einer schweren Erkrankung wieder gesund geworden sind, wenn wir in der Familie unsere Probleme miteinander besprochen und gelöst haben, wenn wir in einer gefährlichen Situation vor Schlimmeren verschont geblieben sind. Alles Gründe Gott zu loben.

In der Diakonie kennen wir noch viel mehr solche Geschichten, wie Menschen trotz schwieriger Situationen, trotz Krankheit, Behinderung, Pflegebedürftigkeit, nicht nur mit ihrem Leben zurechtkommen sondern ein lebenswertes Leben führen. Diese Menschen begleiten wir, von diesen Menschen erzählen wir. Vor drei Monaten haben wir auf der neuen Website der Diakonie Neuendettelsau im Internet einen Bereich eingerichtet, der „Magazin“ heißt. In diesem elektronischen Magazin erzählen wir aus unseren Arbeitsbereichen und zwar nicht nur von den Highlights, nicht von den Festen, Jubiläen und Veranstaltungen. Sondern wir erzählen von Menschen, die in unsere Einrichtungen kommen, die dort leben oder dort arbeiten. Wir erzählen von Menschen, die andere Menschen in besonderen Situationen ihres Lebens begleiten, und wir erzählen von Menschen, die von anderen begleitet werden, damit sie ein gelingendes, lebenswertes Leben führen können.
In der Diakonie kennen wir noch viel mehr solche Geschichten, wie Menschen trotz schwieriger Situationen, trotz Krankheit, Behinderung, Pflegebedürftigkeit, nicht nur mit ihrem Leben zurechtkommen sondern ein lebenswertes Leben führen. Diese Menschen begleiten wir, von diesen Menschen erzählen wir. Vor drei Monaten haben wir auf der neuen Website der Diakonie Neuendettelsau im Internet einen Bereich eingerichtet, der „Magazin“ heißt. In diesem elektronischen Magazin erzählen wir aus unseren Arbeitsbereichen und zwar nicht nur von den Highlights, nicht von den Festen, Jubiläen und Veranstaltungen. Sondern wir erzählen von Menschen, die in unsere Einrichtungen kommen, die dort leben oder dort arbeiten. Wir erzählen von Menschen, die andere Menschen in besonderen Situationen ihres Lebens begleiten, und wir erzählen von Menschen, die von anderen begleitet werden, damit sie ein gelingendes, lebenswertes Leben führen können.
Da wird zum Beispiel vom fünfjährigen Nico erzählt, der trotz seiner Behinderung sich mit seinem Rollstuhl gut in der Integrativen Kindertagesstätte „Bunte Oase“ hier in Neuendettelsau eingelebt hat. Die Kinder haben ihn schnell akzeptiert, weil er so selbstbewusst ist und ganz selbstverständlich bei allen Aktivitäten dabei ist. Oder es wird von Frau Gerber und Herrn Schmidt berichtet, die eigentlich ganz anders heißen. Mit einer Gruppe anderer an Demenz erkrankter Senioren aus unserem Kompetenzzentrum in Nürnberg erinnern sie sich mithilfe von Spielzeug an ihre Kindertage. Sie berichten sich gegenseitig von ihren Erinnerungen und bereiten sich so auf einen gemeinsamen Besuch im Spielzeugmuseum vor.
Diakonische Arbeit ist für mich ein gutes Beispiel, wie man die Anregungen von Hanna aus ihrem Lobgesang in unserer heutigen Zeit aufnehmen kann: Indem wir Hoffnung haben in hoffnungslosen Situationen und aus der Osterhoffnung auf die Auferstehung heraus, dafür arbeiten, dass Leben gelingt. Ich wünsche Ihnen allen ein frohes Osterfest, das ganz von dieser Hoffnung geprägt ist.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus.
Amen.
Vorstandsvorsitzender Dr. Mathias Hartmann, St. Laurentius Neuendettelsau

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