1. Kor. 15, 50 -57

50 Eins steht fest, liebe Geschwister, Fleisch und Blut kann man für das Reich Gottes nicht aufbewahren. Was der Verwesung verfallen ist, kann sich nicht hinüberretten, um Gottes Lebenskraft an sich zu reißen. 51 Ich sage euch ein Geheimnis: wir werden nicht alle gestorben sein, wenn Christus kommt, aber wir werden alle verwandelt werden 52 und zwar in einem sehr kurzen Augenblick wie bei einem Wimpernschlag, wenn das Reich Gottes ausgerufen wird. Dann wird die Posaune erschallen, und die Toten werden auferstehen und einen neuen, unzerstörbaren Leib tragen. Und auch wir, die Lebendigen, werden verwandelt. 53 Denn es ist absolut nötig, dass das Verwesliche, das wir mit diesem Leib an uns tragen, umgestaltet wird und Unverweslichkeit annimmt, und das Sterbliche Unsterblichkeit. 54 wenn sich aber das Verwesliche verwandeln wird in das Unverwesliche und das Sterbliche in das Unsterbliche, dann wird sich das Wort erfüllen, das Jesaja geschrieben hat: „Der Tod ist verschlungen vom Sieg. 55 Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?“ 56 Der Stachel, mit dem der Tod uns dahin treibt, bis wir sterben, ist unser von Gott abgetrenntes Leben, die Sünde. Die Sünde aber gewinnt ihre Kraft aus dem Gesetz. 57 Wir aber danken Gott, der uns Anteil an dem Sieg schenkt, den Jesus Christus, unser Herr, errungen hat.



Liebe Gemeinde,

worauf vertrauen wir? Dem, was wir lesen, vor allem, wenn schlaue oder sehr gelehrte Leute es geschrieben haben? Oder dem, was uns durch exakte Wissenschaften gut bewiesen scheint? Oder den Erfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens gewonnen haben?


Dazu habe ich vor kurzem etwas sehr Interessantes gelesen:

„Wenn du Gott wärst, würdest du zulassen, dass zum Beispiel Hunde oder Katzen oder Menschen sterben? Denke einmal darüber nach. Würdest du es zulassen?

Nun, gewiss würdest du doch deinem Hund, deiner Katze, deinen Verwandten, deinen Freunden ein viel längeres Leben gönnen, ganz klar. Es steht zwar nicht in deiner Macht, aber wenn du es könntest, würdest du es auch tun. Und das eben heißt: Du hast in dir das Vertrauen, dass du so lieb und nett bist und Leben schenken würdest. Du tätest es schon – Gott aber scheint es nicht zu schenken. Er lässt den Hund, die Katze, Freunde und Verwandte sterben. Du also tätest es wohl, Gott aber nicht?"

So fängt eine alte Geschichte an, die vom Vertrauen, vom Glauben an Gott handelt. (Nach F. Weinreb, Das Ende der Zeit)


Ist es nicht Nachdenkenswert, dass wir so leicht mit Gott hadern, weil er nicht nur geliebten Wesen sterben lässt, sondern darüber hinaus das grausame Töten in den vielen Kriegen zulässt und auch, dass dabei Kinder sterben oder traumatisiert werden. Und dass wir auf der anderen Seite überzeugt sind, wir täten das nie.

Damit ist unser Vertrauen in uns sehr viel größer als in Gott.

Kein Wunder, wenn wir den Wissenschaften, der Technik, den Ingenieuren und allem Möglichen vertrauen, aber nicht Gott. Unsere Beziehung zu Gott ist also ziemlich gestört, auch wenn wir die vielen Male, die wir im Gottesdienst mit Amen geantwortet haben, dem hebräischen Wort für „Gott, dir vertraue ich“, kaum zählen können.


Was wiegt schwerer?

Unsere Zweifel oder unser Vertrauen, trotz aller Zweifel?


Paulus jedenfalls gibt sich große Mühe, unser Vertrauen in Gott zu stärken. Und nach ihm die Evangelisten nicht minder. Versuchen wir also ein wenig besser zu verstehen, was wir so oft mit unserem Amen, ja ich glaube, ich vertraue darauf, bekräftigen.

Als die Frauen, die um Jesus trauerten, zu seinem Grab kamen, wurden sie von den Engeln gefragt: „Was sucht ihr den Lebendigen bei den Toten?“ Ja, für die Engel ist die Auferstehung Jesu, die ihn nicht bei den Toten bleiben lässt, eine Tatsache.

Gilt das auch für alle, die wir ins Grab gelegt haben? Wird das auch für uns gelten, wenn man uns ins Grab gelegt hat? Sind auch wir dann Lebende, die man bei den Toten vergeblich sucht?


Erinnern Sie sich noch an das erste Mal, als Sie – wahrscheinlich als Kind – die Ostergeschichte um das leere Grab gehört haben? Ich war da schon etwas älter. Und ich war teils verblüfft, teils empört: Wie konnte Maria nur so blind sein und Jesus für den Gärtner halten? Ich würde einen geliebten Menschen sofort erkennen, selbst in einer großen Menschenmenge. Und Maria steht da ganz allein vor Jesus! Wie kann sie nur so blind sein! Paulus hätte mir da weitergeholfen, wenn ich seine Worte gekannt hätte:

Wir werden in einem kurzen Augenblick von der Länge eines Wimpernschlages verwandelt werden und einen neuen unzerstörbaren Leib an uns tragen. Denn es ist absolut nötig, dass dieses Vergängliche und Verwesliche anzieht Unvergänglichkeit und Unsterblichkeit.

Das, was ich versucht habe mit „es ist absolut nötig“ zu übersetzen, müsste eigentlich, um Paulus gerecht zu werden, mit viel mehr Worten in unsere Sprache hinüber getragen werden. Denn Paulus redet da von einer göttlichen Gesetzmäßigkeit, die zuverlässiger ist als die uns bekannten Naturgesetze. Wenn Gott sein Reich, das ein Reich der Liebe und des Lebens ist, ausruft, dann hat nichts Sterbliches und Verwesliches darin Platz.


In der geschriebenen hebräischen Sprache gab es ursprünglich nur Konsonanten, in unserem Fall für das Wort 'Leben' also nur L-b-n. Und nur in der gesprochenen Sprache oder wenn aus den heiligen Schriften laut vorgelesen wurde, dann wurden natürlich die Vokale eingefügt. Das hatte einen großen Vorteil: sprachliche Verwandtschaft sprang einem sofort ins Auge.

L-b-n: daraus kann ich mit den entsprechenden Vokalen ganz nahe verwandte Begriffe bilden: 2 mal 'e' ergibt: Leben. Ein 'ie' und ein 'e' ergeben: Lieben. Ein 'o' und ein 'e' ergeben: Loben. Ich kann sogar eine etwas weiter abgestufte Verwandtschaft erkennen, wenn ich ein 'g' da- vorstelle: Glauben.


Ja, ich glaube, dass Gott Liebe ist und dass er deshalb weder mich noch irgend ein anderes Wesen, das er ins Leben gerufen hat, der Verwesung preisgibt. Es ist eine göttliche Notwendigkeit seiner Liebe, dass dies Sterbliche und Verwesliche nicht so bleibt, sondern in einem ganz kurzen Augenblick verwandelt werden wird und überkleidet werden wird mit Unverweslichkeit und Unsterblichkeit.


So wie wir uns in den vergangenen kalten Monaten einen warmen Mantel übergezogen haben, wenn wir das Haus verlassen haben, so wird Gott uns einen neuen unverweslichen und unsterblichen Leib über streifen, wenn wir diese Welt verlassen. Doch Paulus ist Realist. Er weiß, dass jedes geliebte Wesen, das vor uns stirbt, dass jedes Grab eine schmerzhafte Wunde in uns aufreißt – wie ein Stock mit einem langen Widerhaken. Und dass dies so weh tut, weil der Zweifel in uns in diesen Augenblicken so groß sein kann wie sonst kaum. Der Zweifel, der uns fragt: Und wenn Gott doch weniger liebt als du? Wenn der Tod doch das große Aus, das Nichts bringt? Wenn niemand danach auf uns wartet? Diese schmerzhafte Trennung, dieses Herausfallen aus dem großen Vertrauen zu einem liebenden Gott, der doch den Tod besiegt hat und uns Leben schenken will, das nennen Paulus und die Bibel: „Sünde“. Doch auch sie, die Sünde, hat nicht das letzte Wort, ebenso wenig wie der Tod.


Wir aber danken und loben den liebenden Gott, der uns Anteil an dem Sieg schenkt, den Jesus Christus, der das Leben selbst ist, uns geschenkt hat.

Ja, darauf vertraue ich, Amen

Und der Friede Gottes, welcher höher ist, als alles, was unsere Vernunft denken und sagen kann, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Ostermontag (02.04.2018) Pfarrerin Karin Lefèvre

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