Ja und Amen

Bei Paulus klingt das auftrumpfend, fast trotzig: Gott ist das Ja und Amen. So ist es, und damit Schluss. So kennen wir ich, den streitbaren Apostel. Immer ist er bereit, ein klares Wort zu sprechen und klare Ansagen zu machen. JA und AMEN. Gott hat das Ja gesagt in seinem Sohn Christus und unsere Antwort soll AMEN sein.

Auch Maria sagt JA – aber ihr JA klingt anders: offen, erwartungsvoll. Sie ist bereit, Ja zu sagen zu dem Wunder, das Gott an ihr geschehen lassen will. An der Schwelle von Weihnachten erinnert uns dieser Morgen daran: es geht um das JA: Um das Ja, Gottes, das Gott zu uns spricht und es geht um unser Ja.

Das Ja hat seine Wurzel in Gott selbst: Er überlässt diese Welt und unser Leben nicht dem Schicksal, dem selbst auferlegten oder dem sog. blinden Schicksal. Er steht zu seiner Schöpfung und damit zu dem Ja, das Er ganz am Anfang einmal gesprochen hat bei der Schöpfung: Ich will, das ihr mein Ebenbild seid. Und er sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe es war sehr gut. Das ist das JA und AMEN Gottes zu seiner Schöpfung. Im Kalender ist heute, am 24. Dezember, der Gedenktag Adams und Evas. Der Gedenktag an das JA und AMEN Gottes zu uns Menschen und zur Welt.

Das JA Gottes hat eine menschliche Gestalt: Der Sohn Gottes, Jesus Christus, ist nicht Ja und Nein, sondern es ist das Ja Gottes in ihm leibhaftig gegenwärtig. „Auf alle Gottesverheißungen ist in ihm das JA“. Gott lässt sich ein auf unsere Welt. Wir können das nicht groß und tief genug denken: Gott lässt sich ein. Er macht sich abhängig vom Menschen. Es ist ihm nicht gleich, wie wir zu ihm stehen und wie wir ihn sehen. Er macht sich abhängig von Maria, von Josef, von dem Ort Bethlehem, von dem Land Israel. Gott, der so ganz anders und groß ist, er macht sich abhängig vom JA des Menschen.

Wie kein anderer hat der Hl. Bernhard von Clairvaux dieses JA meditiert: „ Du hast es gehört, Jungfrau, dass du empfangen und einen Sohn zur Welt bringen wirst, nicht von einem Mann – du hast es gehört – sondern vom Heiligen Geist. Der Engel erwartet deine Antwort: Denn er muss zu dem zurückkehren, der ihn gesandt hat. Auch wir warten, warten auf ein Wort des Erbarmens. Doch das ist es ja: Dieses Wort wurde dir zugesagt als Lösepreis unseres Heils. Stimme zu: Wir werden frei sein. Im ewigen Wort Gottes sind wir alle geschaffen worden; doch welch eine Schmach: Der Tod hat in uns ganze Arbeit geleistet. Eine kurze Antwort von dir wird ausreichen, um uns neu zu schaffen, damit wir ins Leben zurückgerufen werden... . Zögere nicht länger, Jungfrau Maria, antworte! sprich dieses Wort, dass die Erde, die Hölle, ja selbst die Himmel erwarten. Denn siehe: Den König und Herrn des Alls verlangt nicht weniger heftig nach dem Ja deiner Antwort. Von deiner Zustimmung hat er das Heil der Welt abhängig gemacht. … Gib mit einem Wort Antwort und empfange das Wort; sprich dein eigenes Wort und empfange das göttliche Wort; sprich ein flüchtiges Wort und umarme das ewige Wort... „Ich bin die Magd des Herrn, so sagt sie. Mir geschehe, wie du gesagt hast.“

Mir geschehe, wie du gesagt hast- davon macht Gott sich abhängig. Ein Ja das Leben schafft; in Maria schafft es Leben und in uns kann es Leben schaffen. Das JA in uns, wenn es ein ehrliches ist und nicht ein erzwungenes.

So ein JA in uns kann nur vom Geist Gottes kommen. Er hat in unsre Herzen als Unterpfand den Geist gegeben. Dieser Geist schafft Leben und bewirkt, dass wir JA sagen können. Gottes Ja wirkt in uns Vertrauen. JA und AMEN. So wie Gott sich auf die Erde und auf uns Menschen einlässt, so macht uns sein geist fähig, dass wir uns auf Ihn einlassen können, Ja sagen können. Vielleicht ist es anfangs nur ein zögerndes JA. Bedeutet es doch, dass ich mein Leben annehme mit all seinen Licht- und Schattenseiten. Doch auch ein zögerndes und tastendes JA hat seine Verheißung: Gott nimmt es an und fortan gehe ich meinen Weg durchs Leben nicht allein, Gott geht ihn an meiner Seite. Hier sind wir schon ganz nahe an Weihnachten und am Geheimnis des Kindes in der Krippe: „Steht auch mir zu Seite – still und erkannt, dass es treu ich leite an der lieben Hand“

Ob mit diesem schlichten und gefühligen Lied oder mit den gewaltigen und gewichtigen Worten des Apostels. Unsre Antwort ist das JA und AMEN. Das Amen, das wir am Ende jedes Gebets sprechen, Ja, so soll es sei. Ja, ich will es wagen und mich einlassen auf diesen Weg Gottes. „Durch Christus sprechen wir auch das Amen, Gott zum Lobe“.

Pfarrer Peter Schwarz, 24.12.2017, St. Laurentius Neuendettelsau

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