Begrüßung durch Rektor Dr. Mathias Hartmann

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Der Herr sei mit Euch… und mit Deinem Geist.

Liebe Gemeinde!

Ich begrüße Sie herzlich zu unserem Gottesdienst am 2. Advent – Sie alle hier in der Laurentiuskirche und auch Sie, die Sie den Gottesdienst über die Übertragungsanlage in den Häusern der Diakonie mitverfolgen. Es ist in mehrfacher Hinsicht ein besonderer Gottesdienst:

Zuerst, weil ihn die Augustana-Hochschule gemeinsam mit der Diakoniegemeinde St. Laurentius feiert – die Kooperation von Augustana und Diakonie Neuendettelsau hat eine lange Tradition und findet in jüngster Zeit wieder verstärkt ihren Ausdruck.

Als nächstes haben wir zwei besondere Anlässe für diesen Gottesdienst – die Diakoniegemeinde nimmt an diesem 2. Advent die durch die Paramentenwerkstatt der Diakonie neu gestalteten und gefertigten Paramente in Gebrauch und weiht sie für diese Aufgabe. Die Augustana-Hochschule führt Ihre neue Rektorin ein – Frau Professorin Dr. Heike Walz – und eine neue Assistentin – Frau Pfarrerin Dr. Simone Ziermann - und bittet für ihren Dienst um den Segen Gottes. Herzlich Willkommen, liebe Frau Professorin Walz, liebe Frau Dr. Ziermann! Schön, dass wir den für Sie auch persönlich wichtigen Gottesdienst gemeinsam feiern.

Und als Drittes ist dieser Gottesdienst besonders, weil wir aufgrund dieser Anlässe besondere Gäste haben, von denen ich jetzt nur einige wenige namentlich begrüßen möchte. Herzlich Willkommen heiße ich den Landesbischof der ELKB und Ratsvorsitzenden der EKD, Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm. Schön, dass Sie, lieber Bruder Bedford-Strohm, heute einmal wieder bei uns sind, predigen und bei der Einweihung der Paramente und den Einführungen der beiden Theologinnen mitwirken. Weiter heiße ich Herrn OKR Stefan Reimers, die Assistenten von Frau Walz und Frau Ziermann, die zum Teil von weither angereisten Gäste und alle Angehörigen der Augustana-Hochschule und der Diakonie Neuendettelsau willkommen – insbesondere die Mitglieder unserer Diakonischen Gemeinschaften. Herzlich danke ich für die Vorbereitung und Mitwirkung in diesem Gottesdienst Oberin Erna Biewald, Frau Beate Baberske, Pfarrer Dr. Peter Munzert, Pfarrer Janning Hoenen, unseren Kantoren Martin Peiffer und Andreas Schmidt und allen beteiligten Sängerinnen und Sängern der verschiedenen Chöre und den Musikerinnen und Musikern. Ich betone es noch einmal: Es ist uns eine Freude und Ehre, dass Sie alle – und damit meine ich ausnahmslos jeden – mit uns Gottesdienst feiern.

Der Wochenspruch für den 2. Advent steht im Lukasevangelium und lautet: „Wenn aber dies anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“ (Lukas 21,28) Lassen Sie uns nun einen festlichen und fröhlichen Adventsgottesdienst miteinander feiern. Gott segne uns und er segne diesen Gottesdienst.


Predigt – Jesaja 35, 3-10

(2. Advent, 9. Dezember 2018, um 10.00 Uhr in St. Laurentius, Neuendettelsau; Augustanatag mit Einführung von Prof. Dr. Heike Walz zur neuen Rektorin der Augustana-Hochschule und von Dr. Simone Ziermann als Assistentin am Lehrstuhl für Praktische Theologie sowie Einweihung der neuen Paramente

Jesaja 35,3-10:

Stärkt die müden Hände und macht fest die wankenden Knie! Sagt den verzagten Herzen: »Seid getrost, fürchtet euch nicht! Seht, da ist euer Gott! Er kommt zur Rache; Gott, der da vergilt, kommt und wird euch helfen.« Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet werden. Dann wird der Lahme springen wie ein Hirsch, und die Zunge des Stummen wird frohlocken. Denn es werden Wasser in der Wüste hervorbrechen und Ströme im dürren Lande. Und wo es zuvor trocken gewesen ist, sollen Teiche stehen, und wo es dürre gewesen ist, sollen Brunnquellen sein. Wo zuvor die Schakale gelegen haben, soll Gras und Rohr und Schilf stehen. Und es wird dort eine Bahn sein und ein Weg, der der heilige Weg heißen wird. Kein Unreiner darf ihn betreten; nur sie werden auf ihm gehen; auch die Toren dürfen nicht darauf umherirren. Es wird da kein Löwe sein und kein reißendes Tier darauf gehen; sie sind dort nicht zu finden, sondern die Erlösten werden dort gehen. Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen.

Liebe Gemeinde,

„Stärkt die müden Hände und macht fest die wankenden Knie! Sagt den verzagten Herzen: »Seid getrost, fürchtet euch nicht! Seht, da ist euer Gott!“ - Was für eine Vision an diesem Tag heute! An diesem für die Augustana-Hochschule und die Neuendettelsauer Diakonie so besonderen Tag! Ein Tag, an dem wir die neuen Paramente einweihen - sinnlich erfahrbarer Ausdruck der geistlichen Stärkung, die wir jedes Mal erfahren, wenn wir Gottesdienst feiern! Ein Tag, an dem wir Prof. Dr. Heike Walz als neue Rektorin der Augustana-Hochschule und Dr. Simone Ziermann als Assistentin am Lehrstuhl für Praktische Theologie einführen dürfen und ihnen nun diese Worte mit auf den Weg geben können: Die müden Hände werden gestärkt. Die wankenden Knie werden festgemacht. Die verzagten Herzen werden mit Kraft und Zuversicht erfüllt.

Liebe Heike, liebe Frau Ziermann, was soll da noch passieren? Mit dieser Zusage im Rücken in ein neues Amt zu gehen, das ist die beste Grundlage für ein fruchtbares Wirken, die ich mir vorstellen kann. Jesaja spricht heute zu uns in einer anderen Situation als er vor rund 2500 Jahren zu den Israeliten gesprochen hat. Die Rückkehr aus einem zermürbenden Exil ist es nicht, vor die sich die Augustana-Hochschule im nun schon angebrochenen neuen Semester sieht. Im Gegenteil: die Hochschule hat Kraft und steht bestens da. Nach wie vor entscheiden sich viele Menschen, hier zu studieren, weil sie an der Augustana eine einzigartige Verbindung von hochkarätiger Forschung, guter Lehre und einer Form von Gemeinschaft finden, zu der ganz selbstverständlich auch die geistliche Dimension gehört. Die Augustana-Hochschule hat gerade als kirchliche Hochschule ein besonderes Profil. Dazu gehört der Lehrstuhl für feministische Theologie und Gender Studies ebenso wie das Institut für Christlich-Jüdische Studien und Beziehungen, das zugleich Sitz des Landeskirchlichen Beauftragten für christlich-jüdischen Dialog in der ELKB ist. Auch die „klassischen Studienfächer“ sind profiliert besetzt. Die Augustana hat große Bauprojekte wie den Bibliotheksneubau erfolgreich abgeschlossen und ist nun bestens gerüstet für die Zukunft. Nein, aus dem Exil kommt sie nicht, die Augustana.

Aber die Stärkung durch den Gott, der die Augen der Blinden auftut und die Ohren der Tauben öffnet, die braucht die Augustana, die brauchen wir alle. Die Kraft unseres Gottes, die den Lahmen springen lässt wie einen Hirsch, die die Zunge des Stummen frohlocken und Wasser in der Wüste hervorbrechen lässt und Ströme im dürren Lande, auf die ist die Augustana-Gemeinschaft angewiesen. Es sind große Herausforderungen, denen sie sich zu stellen hat. Wie kann sie jungen Menschen heute das Rüstzeug dazu vermitteln, in einer pluralistischen Welt mit einer unübersehbaren Fülle von Angeboten und Impulsen die wunderbare Botschaft des Evangeliums weiterzugeben und selbst auszustrahlen? Wie können junge Menschen hier das Brennen für diese Botschaft verbinden mit den bewährten Methoden und Denkweisen unserer akademischen Theologie? Wie können die jungen Menschen das eigene Glaubensleben und ihre Glaubenszweifel im Kontext unserer Traditionen kritisch reflektieren und bei der Selbstreflexion gut begleitet werden? Wie können die Theologie und der Glaube, die sie hier entwickeln, zugleich leidenschaftlich und aufgeklärt sein? Und wie können Sie, die für die Augustana Verantwortlichen, sich positionieren in einer Hochschullandschaft, in der man bei dem Wort “König“ nicht an einen Mann denkt, der auf dem Esel in Jerusalem eingezogen ist, sondern an Drittmittelkönige, die neben ihrer akademischen Exzellenz besondere Exzellenz im Verfassen von Anträgen für Forschungsgelder zu beweisen haben?

All diese Herausforderungen – so die wunderbare Vision des Jesaja - sind zu bewältigen, wenn wir auf den Gott vertrauen, der zu uns spricht und Zuversicht schenkt. Was für die Hochschullandschaft gilt, gilt auch für die Diakonie, die zweite prägende Kraft hier in Neuendettelsau: die Herausforderungen sind groß!

Die großen Traditionen der Neuendettelsauer Diakonie müssen sich in einer völlig veränderten Welt bewähren. Wie steuert man eine Institution, die sich aus christlicher Liebe die Hilfe für die Schwachen und Verletzlichen zu ihrer Lebensaufgabe gemacht hat, durch die Tiefen und Untiefen eines Sozialmarktes? Ein Raum, in dem nicht kontrollierbare äußere Faktoren der Refinanzierung über Sein oder Nichtsein entscheiden können? Wie lässt sich die notwendige ökonomische Nachhaltigkeit verbinden mit dem Anspruch, Zeit zu haben für die Menschen, die der Diakonie anvertraut sind? Zeit, die über das finanziell Abrechenbare hinausgeht.

Für beide Bereiche, die Hochschule wie die Diakonie gilt: wir können uns nicht abschotten gegenüber der Welt, wenn wir wirklich Salz der Erde und Licht der Welt sein wollen. Wir sind gerufen, uns ganz auf die Welt einlassen, die Gott so sehr geliebt hat, dass er in Gestalt eines kleinen verletzlichen Kindes selbst in sie eingegangen ist. In eine Welt, in der geliebt und gelacht wird und zu der zugleich Leid und Schmerz gehören. Gott hat dieses intensive Leben und auch den Schmerz in der Gestalt Jesu Christi erlebt und der Welt durch den Weg Jesu eine neue, eine nie mehr auszulöschende Hoffnung gegeben. Er ist das Licht, das in der Finsternis scheint. Er hat die Liebe spürbar gemacht. Er richtet uns aus auf einen neuen Himmel und eine neue Erde, in der alle Tränen abgewischt sind.

Was Jesaja dem Volk Israel verheißt, darauf dürfen alle Menschen hoffen, jeder und jede einzelne von uns, und auch die Institutionen, in denen wir die Welt gestalten und ihr zu dienen versuchen: „Wo es zuvor trocken gewesen ist, sollen Teiche stehen, und wo es dürre gewesen ist, sollen Brunnquellen sein. Wo zuvor die Schakale gelegen haben, soll Gras und Rohr und Schilf stehen. Und es wird dort eine Bahn sein und ein Weg, der der heilige Weg heißen wird. Kein Unreiner darf ihn betreten; nur sie werden auf ihm gehen; auch die Toren dürfen nicht darauf umherirren. Es wird da kein Löwe sein und kein reißendes Tier darauf gehen; sie sind dort nicht zu finden, sondern die Erlösten werden dort gehen.“ - Wer meint, dieser heilige Weg sei ein Spaziergang, wer meint, dass die Liebe, die diesen Gang durchstrahlt, etwas Kuscheliges ist, der irrt. Wie vieles da zurechtgerückt werden wird, vielleicht schmerzhaft zurechtgerückt werden wird, sagt Jesaja deutlich: „Seid getrost, fürchtet euch nicht! Seht, da ist euer Gott! Er kommt zur Rache; Gott, der da vergilt, kommt und wird euch helfen.“

Mit guten Gründen hat die Rache heute keine gute Presse. Denn wir kennen nur die destruktive, zerstörerische, lebensfeindliche Rache. Als solche können wir sie nur hinter uns lassen und dem Bergprediger nachfolgen, der uns die Liebe sogar den Feinden gegenüber eingeschärft hat. Aber die Gerechtigkeit, die dürfen wir nicht hinter uns lassen. Wenn sich der heilige Weg öffnet, auf dem die Erlösten des Herrn gehen, dann wird mit der Liebe auch die Gerechtigkeit vor ihnen hergehen. Die Gier nach immer mehr Geld wird weggefegt sein, wenn der Herr kommt. Die Lebensbedingungen werden so verteilt sein, dass alle Menschen gut leben können. Die menschliche Kälte, die sich in dem Hass auf ganze Menschengruppen zeigt, wird weichen der Liebe, der Empathie, der Zugewandtheit gegenüber den Schwachen und Verletzlichen. Christus zeigt uns diesen Weg, weil er sich zu einem von ihnen macht: Was Ihr dem geringsten meiner Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan! Mit diesen Zusagen im Rücken und den Visionen vor uns, dürfen wir dem Wochenspruch aus dem Evangelium folgen: „Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“

Ja, mit erhobenem Kopf, ausgerichtet auf ihn, so dürfen wir in diese Adventszeit gehen. Mit erhobenem Kopf, ausgerichtet auf ihn, könnt ihr, liebe Heike Walz und liebe Simone Ziermann, in euer neues Amt im Dienst unserer Kirche gehen. Weil der Gott, der uns geschaffen hat, auf uns wartet, weil der Gott, der in Jesus Mensch geworden ist, uns mit seiner Liebe begleitet, weil der Gott, der im Heiligen Geist unser Herz berührt und uns immer wieder von neuem Kraft gibt, uns Rückenwind gibt, deswegen dürfen wir unseren Blick heben und den Weg der Freiheit der Erlösten des Herrn gehen.

Ja, „die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen.“ Was, liebe Gemeinde, was soll uns mit dieser Zusage im Rücken und dieser Vision im Blick noch passieren?!

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

AMEN

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