1. Korinther 2, 1-10

Der hervorgehobene Vers für die Predigt ist:

„Wir reden von der Weisheit Gottes, die im Geheimnis verborgen ist, die Gott vorherbestimmt hat vor aller Zeit zu unserer Herrlichkeit.“ (1. Kor. 2,7)

Liebe Schwestern und Brüder!

1.

Das Leben ist voller Geheimnisse. Viele Geheimnisse bleiben im Verborgenen, die kann man nicht ergründen. Aber es gibt auch Dinge im Leben, die kann man gut erklären. Viele vermeintliche Geheimnisse lassen sich so aufschlüsseln. Das ist jetzt zum Beispiel in der Politik so. Die Parteien der möglichen großen Koalition haben hinter verschlossenen Türen verhandelt. Die Ergebnisse der Gespräche waren uns nicht bekannt. Außenstehende wussten nicht, was vereinbart wurde. Es war ein Geheimnis. Erst am Ende der Gespräche wurde ein Dokument veröffentlich und so das Geheimnis gelüftet.

Zumindest hatte es den Eindruck. Ob es noch weitere geheime Absprachen gab, wissen wir nicht. Davon wurde nichts gesagt. Zumindest haben wir einige Informationen bekommen.

Jetzt gibt es aber noch geheimnisvolle Dinge im Leben, die lassen sich nicht so einfach mit einer Information klären. Zum Beispiel: Warum verliebt sich jemand in eine bestimmte Person?

Man könnte sich auch in jemand anderes verlieben, warum also gerade in eine bestimmte Person? Vielleicht verliebt man sich sogar unglücklich? Das passiert ja auch immer wieder. Oder, warum mag man jemanden besonders und freut sich über eine Umarmung? Vielleicht verliebt man sich auch gar nicht und ist einfach so glücklich. Wir wissen das nicht. So ein Geheimnis können wir nicht lüften. Vielleicht gibt es ein paar sinnvolle und gute Erklärungen – aber das Phänomen Liebe bleibt doch etwas Geheimnisvolles.

2.

Unser Glaube und das Leben der Kirche sind voller Geheimnisse. Die Taufe bei Kindern zu Beginn des Lebens oder auch bei Erwachsenen, hat etwas Geheimnisvolles an sich. Sie ist Gottes Zusage für das wachsende Leben, für den entstehenden und reifenden Glauben. Mit dem Wasser der Taufe gießt Gott seinen Heiligen Geist aus.

In der Feier des Heiligen Abendmahls begegnet uns Gott. Wir nehmen Brot und Wein zu uns, und gleichzeitig begegnet uns, darin unsichtbar, Jesus Christus. Wir bekennen sogar das Geheimnis des Glaubens und versuchen es zu deuten, und dennoch bleiben die Sakramente in der Kirche etwas Geheimnisvolles.

Nicht weniger geheimnisvoll ist auch das Geschehen der Geburt Christi. Wie kann es sein, dass Gott Mensch wird, dass er all das Menschliche auf sich nimmt, von der Geburt bis hin zum Tod? Dass sich drei Weise auf den Weg machen, ihnen ein Stern den Weg weist, Hirten und Engel zu dem Stall dazukommen und Gott danken und loben.

3.

Wir erleben im Glauben und mit Gott Dinge, die unseren Verstand übersteigen. Es sind wunderbare, geheimnisvolle Dinge. Dinge, die wir nicht erklären können, und vielleicht auch nicht erklären wollen. Es ist gut, wenn ein Geheimnis auch einmal ein Geheimnis bleibt.

Dabei spielt es auch keine Rolle, wie tief wir im Glauben verwurzelt sind, manches Geheimnis können wir schlicht nur glauben und trotzdem nicht erklären.

Karl Barth, einer der großen Theologen des 20. Jahrhunderts sprach immer davon, dass Gott der „ganz andere“ sei. Wir könnten ihn nie direkt fassen. Wir hätten zwar mit der heiligen Schrift eine gute aufgeschriebene Quelle, aber wir wüssten dennoch nie ganz genau, was Gott in seiner Weisheit eigentlich beschlossen hätte. Das könnten Menschen schlicht nicht verstehen, weil wir eben Menschen sind.

Rudolf Bultmann, ein anderer bekannter Theologen des 20. Jahrhunderts dachte in einer ganz anderen Richtung. Er versuchte die geheimnisvollen und mythologischen Erzählungen der Heiligen Schrift zu erklären, sie vernünftig aufzulösen und für die heutige Zeit zu deuten.

Ja, man kann sicher vieles aus der Heiligen Schrift vernünftig erläutern, aber man kommt nicht daran vorbei, dass z.B. Wunder ihren besonderen Charakter verlieren, wenn man versucht sie zu erklären. Sie verlieren dann ihren Zauber.

4.

Am Ende sagte auch Rudolf Bultmann, dass man am Glauben nicht vorbeikommt. Manches muss einfach geglaubt werden und wird dadurch erst schön oder bekommt erst dadurch seine besondere Bedeutung.

Gottes Handeln in dieser Welt lässt sich für uns nicht immer erklären. Wir verstehen vieles nicht. Manches ist uns sogar fremd und unverständlich oder wir lehnen es sogar ab, besonders wenn es schmerzhafte Erfahrungen sind.

Manche Geheimnisse bleiben Geheimnisse.

Das Entscheidende für mich ist aber, dass ich in allem, was ich von Gott weiß und im Glauben von Gott erfahre, ihm vertrauen kann. Ich muss nicht alles wissen. Gottes Geist wird mir geben, was ich brauche, um Gottes Handeln in dieser Welt zu verstehen.

Ich begebe mich auf eine Entdeckungsreise mit meinem Glauben. Wir machen immer wieder neue Erfahrungen mit Gott. Manches wird uns dann klar, für uns und unser Leben, anderes bleibt vielleicht unklar und verborgen.

Auf jeden Fall gilt für uns, wir können Gott vertrauen. Das Vertrauen umschließt alle Geheimnisse. Die Geheimnisse sind dann alles andere als bedrohlich und wir können uns getrost auf die Dinge einlassen, die Gott mit uns vorhat – auch wenn diese Wege für uns oft unergründlich sind.

Ich lese noch einmal unseren Vers aus dem 2. Korintherbrief:

„Wir reden von der Weisheit Gottes, die im Geheimnis verborgen ist, die Gott vorherbestimmt hat vor aller Zeit zu unserer Herrlichkeit.“ (1. Kor. 2,7)

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Pfr. Dr. Peter Munzert, 14.01.2018, St. Laurentius

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