Neue Paramente für St. Laurentius (Teil 2)

Wieder steht Beate Baberske, künstlerische Leiterin der Diakonie Neuendettelsau mit der Kirchenjahreskette vor dem Mensaaltar von St. Laurentius – ihr Publikum: das Projektteam „Neue Paramente für St. Laurentius“. Ihre Hand stoppt bei der seltensten Perlenfarbe: Schwarz. Nur zwei der Perlen – eine kleine und eine große – tragen diese Farbe.

Schwarz – die Farbe der Trauer

Stünde Baberske in einer katholischen Kirche und würde die dortige Gemeinde beraten, hätte die Kette in ihrer Hand eine einzige schwarze Perle (Karsamstag). Zwar ist auch dort Schwarz die Farbe der Trauer, die an Allerseelen und bei Begräbnissen getragen werden kann, allerdings wird sie meistens durch Violett ersetzt. In der evangelischen Kirche ist Schwarz dem Karfreitag – die große Perle, weil es sich um einen Feiertag handelt – und dem Karsamstag vorbehalten. In vielen Kirchengemeinden werden die schwarzen Paramente außerdem für Beerdigungen gehängt. Nicht so in St. Laurentius. Hier wird für Beerdigungen die Farbe Christi, der Auferstehung und des Lebens benutzt: Weiß.

Schwarze Paramente für St. Laurentius

Die Aufgabe, der sich das Team rund um Beate Baberske, u.a. Schwester Erna Biewald, Oberin der Diakonissengemeinschaft, und Pfarrer Peter Munzert, heute als erstes stellt, ist alles andere als leicht: Sie suchen nach Form und Gestaltung für die schwarzen Paramente, die 363 Tage (bzw. 364 in einem Schaltjahr) sorgfältig aufbewahrt in einem Schrank verbringen – der Tag an dem sie verwendet werden, ist einer der höchsten Feiertag im evangelischen Kirchenjahr.

Die Künstlerin, unterstützt von Rosalie Penzko, ist gut vorbereitet. Sie hat Probeparamente und -stoffe dabei, die nun auf den freigeräumten Altären, auf der Kanzel und am Rednerpult drapiert werden. Das klassische Quadrat mit dem lateinischen Kreuz an der Kanzel findet sofort Zustimmung. Viel diskutiert wird der Mensaaltar, bis er plötzlich in seiner blanken, steinernen Schönheit dasteht. Das wird der Vorschlag sein, den das Projektteam mit in die Entscheidungssitzung nehmen wird.

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Violett – die Farbe des Wartens und Bereitens, des Leidens und Fastens

Die letzte Farbe, die auf dem Programm steht, wird zugleich die sein, die zuerst als neues Parament für St. Laurentius entsteht: Violett. Sie ist ganz besonderen Wochen vorbehalten, in denen i.d.R. die Kirchenbesuchszahlen steigen: Die Passionszeit bzw. Fastenzeit vor Ostern und die Adventszeit vor Weihnachten. Während der zuletzt genannten Vorbereitungszeit auf Weihnachten, am 2. Advent, werden die neuen violetten Paramente erstmals die Kirche schmücken und in einem Gottesdienst eingeweiht.

Violett ist in der Liturgie die Farbe der Vorbereitung auf die großen (weißen) Christusfeste. Damit ist sie gleichzeitig die Farbe des Wartens, der Buße und des Gebetes. Deswegen ist sie auch am Buß- und Bettag in der Kirche zu finden. Als Symbol für den Übergang und die Verwandlung wird in der Passionszeit nicht nur wie üblich Altar, Kanzel und Pult geschmückt, sondern große violette Tücher verhüllen den Blick auf das Kreuz und den Gekreuzigten – erst die Osternacht gibt den Blick auf Jesus Christus, der durch seinen Tod zum Erlöser geworden ist, wieder frei.


Gekreuzigter violette verhüllt
Das Kreuz von St. Laurentius vorösterlich verhüllt.

In St. Laurentius zeigt sich, wie eingespielt das Team mittlerweile ist. Baberske weist auf die Referenzpunkte in der Kirche hin. Violett-Töne finden sich nur wenige. Lediglich in den Buntglasfenstern im Chor und im Seitenschiff wird die Farbe verwendet. Kleine Flächen, die die Farbentscheidung kaum beeinflussen. Der Paramenten-Ausschuss ist frei in der Wahl des Violett-Tons und der Farbintensität.

Das Team der Paramentenwerkstatt dekoriert mit verhältnismäßig schmalen horizontalen Streifen dunkelvioletten Stoffs die beiden Altäre. Pult und Kanzel werden mit langen vertikalen Stoffbahnen geschmückt. Beim Pult stößt das auf Zustimmung, anders an der Kanzel. Einwände werden laut – das Parament verdeckt den steinernen Flügelstier, das Symbol für den Evangelisten Lukas. Die Frage wird laut, ob das Parament symbolisch betrachtet das Wort der Verkündigung verdecken darf? „Wenn man etwas verschwinden lässt, sorgt man dafür, dass es, wenn es wieder auftaucht ganz neu, anders und vor allem bewusster wahrgenommen wird!“, gibt die Künstlerin zu bedenken. Letztendlich wird der Vorschlag für die Entscheidungssitzung so aufgenommen.

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Sie sind neugierig auf die neuen Paramente? Dann kommen Sie zum feierlichen Einweihungsgottesdienst am 2. Advent, Sonntag, 9. Dezember um 10 Uhr.

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