"Generationsbrücke Deutschland" im Hans-Roser-Haus in Roth

„Jung und Alt miteinander in Kontakt bringen, Begegnungen ermöglichen und gegenseitige Wertschätzung, Verbundenheit und Freude erleben“, das ist das Konzept der „Generationsbrücke Deutschland“, einer bundesweiten Initiative zur generationsübergreifenden Zusammenarbeit.


Im Hans-Roser-Haus von Diakoneo in Roth wird das Konzept der Generationsbrücke seit 2016 umgesetzt.


Hilde Schiexl, Kunstfotografin, Autorin und begeisterte Netzwerkerin aus Roth, war im Jahr 2015 auf das Angebot der Generationsbrücke gestoßen, hatte sich mit Bodo Steinheimer, dem Leiter des Seniorenheims Hans-Roser-Hauses in Verbindung gesetzt und ihn von der Idee überzeugt. Bei ihm war sie auf offene Ohren gestoßen und er hatte ihre Initiative gerne aufgegriffen.

Hilde Schiexl und Bodo Steinheimer
Hilde Schiexl, Kunstfotografin, und Bodo Steinheimer, Leiter des Hans-Roser-Hauses, verbinden mit der "Generationenbrücke" die Kinder der städtischen KiTa und die Senioren im Hans-Roser-Haus. © Englmann

Wie kam es zu dem Projekt und was ist daraus geworden ist?

Hilde Schiexl: Jung und Alt – das war mir schon immer ein Herzensanliegen und so bin ich durch eine Recherche zu Generationsprojekten im Internet auf die Generationsbrücke aufmerksam geworden. Ich war sofort von dem Konzept fasziniert und dann machte ich mich auf die Suche nach Einrichtungen in Roth, die sich daran beteiligen würden. Im Hans-Roser-Haus und in der städtischen KiTa traf ich auf Interesse. Ich bin manchmal schon recht beharrlich und auf eine gute Weise nachdrücklich …

Bodo Steinheimer: Wir waren sehr dankbar für den Hinweis von Frau Schiexl. Es blieb auch nicht nur bei einem Hinweis. Frau Schiexl engagiert sich seither hier auch ganz enorm. Aber zurück zur Generationsbrücke: Dabei handelt es sich um ein intergeneratives Begegnungskonzept der „Generationsbrücke Deutschland“, das Jung und Alt miteinander verbindet: Gemeinsames Singen, Spielen, Basteln und Erzählen baut Vorurteile ab und löst Berührungsängste auf. Wir haben an einer Fortbildung der Initiatoren teilgenommen und setzen das Konzept nun schon zum vierten Mal in Folge um.

Was geschieht bei diesen Treffen genau?

Bodo Steinheimer: Das Konzept schafft strukturierte Rahmenbedingungen für die Begegnungen zwischen Kindern und Senioren. Während eines ganzen Jahres treffen sie sich regelmäßig einmal im Monat in Tandems aus je einem Kind und je einem Senior oder einer Senioren. Diese Konstellation wird dann beibehalten. Da stehen die verschiedensten Aktionen auf dem Programm. So entsteht Verständnis füreinander und die jeweilige Lebenssituation. So eine Kindergruppe ist auf zehn Kinder begrenzt, sonst wird das für alle Beteiligten zu viel. Derzeit sind es zwölf Kinder und 12 Seniorinnen und Senioren.

Kinder und Senioren leben heute in ganz verschiedenen Welten. Außerdem ist das Leben heutiger Kinder nicht mehr mit dem der Kinder in der Nachkriegszeit vergleichbar und da ist es einfach gut, wenn man Unterschiede und Gemeinsamkeiten miteinander entdecken und Verständnis füreinander entwickeln kann. Kinder können lernen, dass auch das Altern und der Tod zum Leben gehören. Sie lernen Rücksicht zu nehmen und verstehen, warum alte Menschen manchmal lange für irgendetwas brauchen. Die Seniorinnen und Senioren kommen beim Umgang mit Kindern mit Emotionen in Kontakt, das fördert ihre Lebendigkeit und trägt spielerisch zur Alltagsgestaltung bei.

Hilde Schiexl: Im Schuljahr 2017/2018 beteiligte sich neben dem Städtischen Kindergarten auch eine Schülergruppe der Anton-Seitz-Mittelschule am Projekt. Die Schüler hatten ein Projekt ausgearbeitet, das sich „Zeitschenker“ nennt und im Rahmen des Unterrichts stattfand. Zusammen mit der Schulsozialarbeiterin besuchten sie einmal in der Woche für die Dauer von vier Wochen die Senioren im Hans-Roser-Haus. Am Anfang der Begegnung stand meist ein aktiver Teil, wie Sitzfußball, ein Luftballonspiel oder ein kreativer Einsatz. Da werden dann Waffeln gebacken oder etwas gebastelt. Im Anschluss daran findet eine kleine Feedbackrunde mit der Schülergruppe statt, in der Fragen gestellt und Informationen z. B. über das Krankheitsbild Demenz ausgetauscht werden können. Von der Begegnung profitieren Schüler wie Senioren gleichermaßen: Berührungsängste werden abgebaut und gegenseitige Wertschätzung entsteht. Jüngere und ältere Menschen begegnen sich auf Augenhöhe, die gemeinsamen Aktionen werden „Miteinander“ durchgeführt und nicht im „Füreinander“.

Kinder und Senioren mit Rollatoren.
Gemeinsames Singen, Spielen und Basteln baut Vorurteile ab und löst Berührungsängste auf: Bei der "Generationenbrücke" geschehen Dinge miteinander, nicht füreinander.

Außerdem geschehen bei diesen Treffen wirklich berührende Momente. So freut sich Herr M. (91 Jahre) nach einem Treffen: „Das sind ja intelligente Kinder. Eine tolle Jugend haben wir!“ Die Resonanz von Natalie (14 Jahre) lässt nicht lange auf sich warten. Sie stellt fest: „Die älteren Leute sind total lieb und die Geschichten finde ich super interessant. Das war eine ganz andere Welt früher und echt hart!“.

Gerne unterstütze ich bei diesen Treffen, dokumentiere oder fotografiere was gut funktioniert, so dass wir auch anderen Einrichtungen zeigen können, wie gut und einfach sich das Konzept in die Praxis umsetzen lässt.

Was gefällt den Kindern besonders gut? Und den Seniorinnen und Senioren?

Hilde Schiexl: Die Kinder staunen oft über das Wissen und die Erzählungen der Senioren, wie das Leben früher in deren Kindheit war. Wie zum Beispiel noch mit Holz und Kohlen geschürt wurde, um im Winter die Wohnung einigermaßen warm zu bekommen. Aber wichtig ist vor allem, dass sie auch außerhalb der Schule, Gelegenheit haben, Sozialkompetenzen zu erwerben und Mitmenschlichkeit zu entwickeln. Plötzlich sind Demenz und Tod oder die Pflegebedürftigkeit überhaupt nicht mehr abstrakte Dinge, sondern ganz real da. Das hilft den Kindern in ihrer Entwicklung und in ihrem Verständnis. Und gerade diese Dinge sind es auch, die ihnen besonders gut gefallen. Sie sind neugierig und stellen viele Fragen. Auf diese Weise verlieren die Kinder die Scheu vor so seltsamen Geräten wie einem Rollator oder Rollstuhl oder sie entdecken, wie man der Seniorin, die nur einen Arm hat, helfen kann. Daneben lernen sie auch verschiedene Berufe der Pflege kennen.

Bodo Steinheimer: Nicht nur die Kinder profitieren von den Treffen, die Seniorinnen und Senioren ja auch. Durch die leichten Bewegungseinheiten beim Spielen mit Luftballons oder Tüchern entsteht nicht nur ein Riesenspaß, sondern eben auch Bewegung. Die Kinder werden in ihrem Bewegungsdrang abgeholt und den Senioren fallen Bewegungen, die ihnen sonst schwer fallen in diesem Zusammenhang ganz leicht. Außerdem ist es für sie hilfreich, wenn sie in ein Setting kommen, das schon vorstrukturiert ist. Das motiviert zur Teilnahme am Projekt und macht die praktische Durchführung für alle Seiten leichter.

Können Sie das alleine stemmen? Welche Unterstützung erhalten Sie?

Bodo Steinheimer: Großzügig unterstützt werden wir von Beginn an von der Sparkasse in Roth. Diese hatte uns schon vor Beginn des Projektes 1.000 Euro gespendet und damit die nötigen Fortbildungen der Fachkräfte im Kindergarten und im Seniorenheim über die "Generationsbrücke Deutschland" finanziert. Diese zweitägige Fortbildung ist Pflicht, wenn nach der Methode der „Generationsbrücke Deutschland“ gearbeitet wird und sichert die Qualität der Durchführung.

Außer geringen Materialkosten, die bei den Bastelaktionen oder ähnlichem entstehen, fallen bei den Treffen gar keine weiteren Kosten an. Es lässt sich also gut durchführen. Inzwischen ist das Projekt gewaltig gewachsen und wir würden es gerne ausweiten, aber dazu müssen wir erst wieder neue Fachkräfte ausbilden. Wir sind sehr dankbar, dass uns die Sparkasse Roth auch beim zweiten Fortbildungsgang unterstützt und wieder die Fortbildung der "Generationsbrücke Deutschland" mit den neuen Tandems aus Seniorenheim und Schule finanziert.

Hilde Schiexl: Unser Anliegen ist es ja auch, dass das Projekt auch an anderen Orten in anderen Einrichtungen aufgegriffen und fortgeführt wird. Es ist wirklich einfach umzusetzen und die einzige wirkliche Investition besteht darin, die Fortbildung zu finanzieren, die zur Durchführung des Konzeptes befähigt. Interessenten geben wir gerne Auskunft über unsere Erfahrungen und die Möglichkeit bei einem Treffen teilzunehmen, um dieses tolle Generationsprojekt selbst kennenzulernen!


Mehr Inforamtionen zur "Generationenbrücke" im Hans-Roser-Haus:

 

Seniorenheim Roth

Hans-Roser-Haus
Gartenstraße 30

91154 Roth 
Tel.: +49 9171 950 300
E-Mail: info@seniorenheim-roth.de

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