Wie digitale Anwendungen die Pflege von Seniorinnen und Senioren unterstützen


Der vorliegende Text konzentriert sich auf folgende Fragen:
  • Für wen werden die digitalen Neuerungen eingeführt?
  • Wie ist der Stand der Digitalisierung im Pflegebereich?
  • Was sind die Chancen bzw. die Risiken der Digitalisierung?
  • Was sind Beispiele für digitale Anwendungen im Pflegebereich?
  • Was muss gegeben sein, damit die Einführung von digitalen Neuerungen gelingt?
  • Welche Position vertritt die Diakonie Neuendettelsau zu diesem Thema?

Expertin zu diesem Thema ist Manuela Füller, geschäftsführende Leiterin des Bereiches Dienste für Senioren.

Chancen digitaler Pflegetechnologien
Die Anwendung digitaler Techniken im Pflegebereich birgt Chancen und Risiken. Für die Diakonie Neuendettelsau ist klar: Ein Einsatz macht nur Sinn, wenn er für Pflegepersonal und pflegebedürftige Menschen mehr Zeit für Begegnungen bietet.



Türen, die sich automatisch öffnen, Bewegungssensoren, die den Weg zur Toilette nachts automatisch beleuchten oder digitale Fieberthermometer – digitale Sensortechniken sind in der stationären Altenpflege bereits vielfach im Einsatz.


Auch darüber hinaus ist die Auswahl an digitalen Produkten auf dem Markt der Pflege sehr groß: Sei es bei der Sturzprävention, beim Kontinenzmanagement oder bei der Dekubitusprophylaxe: Überall werden digitale Produkte getestet oder sind bereits in der Anwendung.


Diese Entwicklung bietet für Pflegebedürftige und Pflegefachleute vielversprechende Chancen. Daneben birgt der Einsatz digitaler Techniken im Pflegebereich natürlich auch Risiken.

Digitale Anwendungen richten sich immer an zwei Zielgruppen:

  • Pflegebedürftige Menschen: Durch digitale Anwendungen zum Beispiel im Kontinenzmanagement oder der Dekubitusprophylaxe erhalten sie mehr Lebensqualität. So müssen sie nachts zum Beispiel nur noch geweckt werden, wenn es nötig ist, und nicht mehr, weil es ein Pflegeplan so vorschreibt.
  • Pflegende: Sie können durch den Einsatz moderner Digitaltechnik von Routineaufgabe zum Beispiel in der Pflegedokumentation entlastet werden. So bleibt ihnen mehr Zeit für den Kontakt zum pflegebedürftigen Menschen.

Eine digitale Anwendung kann nur erfolgreich sein, wenn sie den Bedürfnissen beider Zielgruppen gerecht wird. Hier ist sich Manuela Füller, Geschäftsführende Leitung der Dienste für Senioren bei der Diakonie Neuendettelsau, sicher: „Es geht darum, die Herausforderungen in der Pflege mit dem gleichen Personal zu bewältigen. Und die Herausforderungen werden immer größer.“

Wie ist der Stand der Digitalisierung im Pflegebereich?


Die Pflegebranche ist laut Manuela Füller noch ein Nachzügler bei der Technisierung. Dennoch sind moderne Technologien aus dem heutigen Pflegealltag nicht mehr wegzudenken. Nach einem Forschungsbericht der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) nutzen 97 Prozent der befragten Pflegepersonen einen PC und 94 Prozent das Internet.


Die Einstellung des Pflegepersonals zu digitalen Anwendungen war nach dieser Befragung uneinheitlich:

  • Durchweg positiv war die Einstellung, wenn die Pflegenden einen Mehrwert für ihren beruflichen Alltag erkennen konnten.
  • Als Chancen erkannten die Pflegenden eine physische und psychische Arbeitsentlastung, eine Verbesserung der Pflegequalität und neue Erkenntnisse zur Verbesserung des Pflegeprozesses
  • Tendenziell negative Einstellungen waren vorherrschend, wenn nach Ansicht des Pflegepersonals die Beziehungsqualität zu den Pflegebedürftigen durch moderne Technik beeinträchtigt wurde.
  • Als Risiko führten die Pflegenden die Gefahr auf, weniger Zeit für Zuwendung und Begegnung zu haben. Darüber hinaus führten sie die Gefahren des Datenmissbrauchs und die Angst vor dem Verlust von Arbeitsplätzen an.


Letzteres ist in der Diakonie Neuendettelsau unbegründet. Manuela Füller betont: „Es geht uns in der Diakonie Neuendettelsau bei dem Einsatz von digitaler Technik nie darum, Pflegepersonal einzusparen oder abzubauen.“ Ziel sei vielmehr immer die Entlastung, sowohl der Pflegebedürftigen als auch der Pflegenden.

Was sind Beispiele für digitale Anwendungen im Pflegebereich?


Möglichkeiten digitaler Anwendungen
Die Diakonie Neuendettelsau unterstützt die Entwicklung digitaler Pflegetechnologien wie zum Beispiel das moio.care-System. © Fotolia



  • Aktiv unterstützt
    die Diakonie Neuendettelsau die Entwicklung und Testung des moio.care-Systems: Dieses besteht aus einem extrem flachen, weichen und flexiblen Sensormodul, das mit einer Pflastertasche am Rücken des Patienten befestigt wird. Mit der dazugehörigen App können die Funktionen von moio.care abgerufen werden. Das Pflaster meldet zum Beispiel, wenn die Gefahr besteht, dass der pflegebedürftige Mensch sich wundliegt oder gestürzt ist.
  • Mehr Informationen: https://moio.care
  • Eine weitere Anwendung ist ein intelligenter Fußboden, der Stürze erkennt.
  • Intelligente technische Lösungen unterstützen auch eine bessere Vernetzung von Seniorinnen und Senioren in ihrem Quartier: Solche Systeme unterstützen zum Beispiel die Lieferung von Mahlzeiten oder Medikamenten.
  • Auch in der eigenen Wohnung von pflegebedürftigen Menschen können intelligente technische Systeme eingesetzt werden: Diese Anwendungen sorgen zum Beispiel dafür, dass ein vergessener Herd abgeschaltet wird. Sie erkennen auch, ob es im Tagesablauf eines körperlich eingeschränkten Menschen unnatürliche Abweichungen gibt. Eine Erleichterung für Angehörige, die nicht in unmittelbarer Nähe wohnen.

Langsames Herantasten an das Thema „Robotik in der Pflege“


An den Bereich „Pflegeroboter“ beziehungsweise das Thema Robotik in der Pflege tastet sich die Diakonie Neuendettelsau gerade langsam heran, so Manuela Füller. Dabei denkt sie aber nicht an einen Roboter, der zum Beispiel mit pflegebedürftigen Menschen spazieren geht. „Vorstellen können wir uns den Einsatz eines Robotik-Armes, der zum Beispiel bei der Wundversorgung oder beim Aufstehen und Hinsetzen unterstützen kann. So wird das Pflegepersonal von vielen Routineaufgaben entlastet. Darüber hinaus ist der Einsatz von Pflegerobotern in der Logistik wie zum Beispiel beim Wäschetransport denkbar.

Wann gelingt die Einführung digitaler Neuerungen im Pflegebereich?


Unerlässlich für den erfolgreichen Einsatz digitaler Technik ist nach Ansicht von Manuela Füller vor allem eins: „Die Usability muss gegeben sein.“


Pflegepersonal, Angehörige und auch Pflegebedürftige müssen die Technologien als Erleichterung ihres Arbeits- und Pflegealltags beziehungsweise als Mittel zur Verbesserung ihrer Lebensqualität erkennen.


Aus diesem Grund engagiert sich die Diakonie Neuendettelsau im „Pflegepraxiszentrum zur Integration von Zukunftstechnologien“ (PPZ) in Nürnberg. Im PPZ werden innovative Pflegetechnologien auf ihre Alltagstauglichkeit getestet.



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