Weiterqualifizierung zur Fachkraft in Kindertageseinrichtungen: Eine Fachschülerin und ein Fachschüler berichten

Seit 2015 bietet die Fachschule für Heilerziehungspflege der Diakonie Neuendettelsau die zertifizierte Weiterbildung „Heilerziehungspfleger im Erziehungsdienst“ an. Die Weiterbildung wird inzwischen sowohl bei den Schülerinnen und Schülern der Neuendettelsauer HEP-Schule als auch von Seiten der Kindertagesstätten zunehmend nachgefragt.

Drei Experten haben Ulrike Englmann von ihren Erfahrungen berichtet:

  • Ursula Weiß, Dozentin an der Fachschule für Heilerziehungspflege und Koordinatorin der Weiterbildung
  • zwei Fachschüler aus dem aktuellen Lehrgang: Judith Geyer (24 Jahre) und Nico Bogenreuther (23 Jahre)


Fachschüler in der Weiterbildung
Judith Geyer und Nico Bogenreuther haben den theoretischen Teil der Ausbildung bereits absolviert. © Englmann

An wen richtet sich die Weiterqualifizierung zur Fachkraft in Kindertageseinrichtungen?

Ursula Weiß: Adressaten sind in erster Linie die aktuellen Teilnehmerinnen und Teilnehmer der jeweils laufenden HEP-Ausbildung. Grundsätzlich steht die Weiterbildung auch Interessenten anderer HEP-Schulen offen. Je länger wir die Weiterbildung durchführen, desto bekannter wird sie auch und desto mehr Anfragen erhalten wir sowohl von den Kindertageseinrichtungen der Diakonie Neuendettelsau als auch von Schülerinnen und Schülern anderer Träger. Der Erfolg freut uns natürlich sehr, auch wenn die Plätze aktuell auf 20 begrenzt sind.

Wie ist die Weiterbildung aufgebaut?

Ursula Weiß: An 12 bis 14 zusätzlichen Unterrichtstagen pro Schuljahr werden die theoretischen Lerninhalte in insgesamt 4 Modulen in 120 Unterrichtseinheiten vermittelt. Die Inhalte der Module sind breit gefächert. Im ersten Modul geht es um das Kind an sich. Hier wird Grundlagenwissen der Entwicklungspsychologie der 0-12-Jährigen vermittelt:

  • Wie verläuft die Entwicklung von Kindern normalerweise?
  • Wie kann Sprache spielerisch entwickelt werden?
  • Wie entsteht Freude am Sprechen und Singen?

Aber natürlich werden unsere Schülerinnen und Schüler auch zur Reflexion über ihr eigenes Kindheitsbild angeregt. Wie ist die eigene Haltung? Welches Menschenbild habe ich persönlich?

Im zweiten Modul geht es um den Zusammenhang von Bildung, Beziehung und Bindung, die Leitziele von Bildung und auch um die Erziehungspartnerschaft zwischen Kindertageseinrichtung und Eltern. Wie kann dies gestaltet werden?

Im dritten Modul lernen unsere Schülerinnen und Schüler die rechtlichen Grundlagen unserer Arbeit kennen. Dabei geht es beispielsweise um die UN-Kinderrechtskonvention oder Bestimmungen zur Aufsichtspflicht oder zum Datenschutz.

Das vierte theoretische Modul vermittelt die Grundlagen pädagogischen Handelns.

  • Wie können Bildungs- und Erziehungsprozesse angeregt und begleitet werden?
  • Nach welchen Konzepten wird in Kindertageseinrichtungen gearbeitet und wie unterscheiden sie sich?
  • Wie kann eine lernanregende Umwelt gestaltet werden?

Hinzu kommt als fünftes Modul ein Praxismodul, in dem die praktische Tätigkeit in einer Kindertagesstätte erlebt und reflektiert wird.

Das klingt nach ziemlich viel Stoff. Wie geht es Ihnen in der Ausbildung damit?

Nico Bogenreuther: Naja, das ist insgesamt schon aufwändig, auch die Unterrichtstage sind mit 8-10 Unterrichtseinheiten relativ lang. Aber inzwischen haben wir die Theoriemodule abgeschlossen und der Stoff ist doch recht gut kategorisierbar und damit auch lernbar. Außerdem wird der Unterricht vielseitig gestaltet, mit interaktiven Elementen, Filmen und Bildern oder auch Bewegungseinheiten, so dass man am Ende zwar müde ist, aber nicht völlig geschafft. Und die Themen sind auch wirklich interessant.

Judith Geyer: Oft wird der Unterricht auch in Kleingruppen organisiert und wir erarbeiten uns die Inhalte gemeinsam. Was unterscheidet beispielsweise einen Waldkindergarten vom Waldorfkonzept oder dem Situationsansatz? Das ist kurzweilig und der Stoff bleibt natürlich viel leichter hängen als bei einem Frontalunterricht. Ich finde auch, es ist insgesamt ganz gut zu schaffen!

Ursula Weiß: Außerdem sind die Module ja nicht fern von unserer HEP-Ausbildung, sondern ergänzen diese vor allem um den Bereich frühkindliche Entwicklung, der so nicht im HEP-Lehrplan vorhanden ist. Es ist also mehr ein Anknüpfen am Lernstoff, als dass etwas völlig Neues dazukommt. 


Erzieher bei der Arbeit
Die Weiterbildung qualifiziert Heilerziehungspfleger zur Arbeit in Kitas, Krippen und Horten. © Niklas

Was hat Sie beide denn zu der Ausbildung motiviert?

Judith Geyer: Für mich war es ein Anreiz, mit der Weiterbildung eine zusätzliche Qualifikation erwerben zu können. Ich kann mein Einsatzgebiet erweitern und auch einmal in einer Kindertageseinrichtung tätig werden. Auch werden in den Kitas im Zusammenhang mit der Inklusion inzwischen zunehmend Mitarbeitende gesucht, die Erfahrung in der Heilerziehungspflege haben und die Kombination ist spannend.

Nico Bogenreuther: Neben aller fachlichen Qualifikation finde ich es auch für mich selbst bereichernd, Einblicke in Kindertageseinrichtungen und Erziehungskonzepte überhaupt zu bekommen. Das wird uns allen auch einmal im Hinblick auf unsere eigenen Kinder helfen. Wir können dann beurteilen, was in so einer Kindertagesstätte passiert. Da fühle ich mich schon gut gerüstet.

Was ist das Besondere an der Weiterbildung?

Nico Bogenreuther: Vor allem ist diese Weiterbildung nicht nur so ein Zusatzkurs, sondern wir erwerben damit eine vollwertige Qualifikation als Fachkraft. Wir sind nach Abschluss unserer Ausbildung sowohl Heilerziehungspfleger für Menschen mit Behinderungen als auch Fachkräfte für alle bayerischen Kindertageseinrichtungen. Und Männer sind in Kindertagesstätten ohnehin gesucht.

Judith Geyer: Ich finde es vorteilhaft, dass die Weiterbildung bereits während der Ausbildung zum Heilerziehungspfleger angeboten wird. So verlieren wir keine Zeit und können schnell und effektiv unsere Kompetenz erweitern.

Was geschieht in dem Praxisteil?

Ursula Weiß: Im Praxisteil werden die Schülerinnen und Schüler für sechs Monate mit mindestens 50 Prozent ihrer Beschäftigungszeit in einer Kindertagesstätte tätig. Das kann eine Krippe sein, aber auch ein Kindergarten oder ein Hort. Zunächst müssen jedoch die vier Theoriemodule abgeschlossen sein. Hinzu kommen Stunden für Supervision und Intervision, Praxisberatung und kollegiale Beratung und die Hausarbeit. Aber da begleiten wir unsere Schülerinnen und Schüler natürlich – auch im Hinblick auf die praktische Kompetenzüberprüfung.

Judith Geyer: Es war allerdings nicht so leicht, einen Praxisplatz zu finden. Darum müssen wir uns nämlich selbst kümmern. Ein Einsatz von nur einem halben Jahr Dauer ist für so eine Kindertagesstätte nicht sehr viel, eigentlich wünschen sie sich dort Leute, die ein ganzes Jahr bleiben.

Nico Bogenreuther: Ja, das war nicht so einfach. Aber ich habe jetzt einen Platz in der Kita Sonnenschein in Bruckberg gefunden. Da war vor mir jemand aus einem früheren Ausbildungsgang. Die Absolventen der vorherigen Jahrgänge sind sozusagen unsere Wegbereiter.


Wie läuft diese Kompetenzüberprüfung ab?

Ursula Weiß: Bei der Kompetenzprüfung handelt es sich erstens um das Erstellen einer thematisch passenden Hausarbeit zum Arbeitsfeld Kita, zweitens um ein passendes angeleitetes Angebot für die jeweiligen Kinder in der Praxiseinrichtung mit schriftlicher Planung und Ausarbeitung des Angebotes (Spiel, Gestalten, Bewegung, Musik…), ein anschließendes Reflexionsgespräch zum Angebot und schließlich ein Fachgespräch über die erstellte Hausarbeit.

Wie hoch sind die Kosten für die Weiterbildung?

Ursula Weiß: Die Kosten für die Weiterbildung können innerhalb der Diakonie Neuendettelsau über das Fort- und Weiterbildungskontingent beantragt werden.
Theoriephase: 250,00 €
Praxisphase mit Kompetenzüberprüfung: 500,00 €
Anschaffung von Büchern: ca. 50,00 €

Wo möchten Sie denn nach Abschluss Ihrer Gesamtausbildung arbeiten?

Nico Bogenreuther: Also ich werde zunächst einmal in einer Kindertagesstätte beginnen. Ich freue mich auf den spielerischen Umgang mit den Kindern, wenn die Gedanken frei fliegen können und ich die Freude an der Kommunikation fördern und erleben kann.

Judith Geyer: Ich bin mir noch nicht so ganz sicher. Es ist natürlich schon interessant in der Heilerziehungspflege zu arbeiten. In der Kita werden keine Zuschläge für Feiertagsarbeit gezahlt, die man ja in der Heilerziehungspflege erhält. Aber das wird sich zeigen, wenn wir unseren Praxisteil dann hinter uns haben und einen besseren Einblick in die Arbeit in den Kindertagesstätten haben. 


Mehr Informationen zur Weiterbildung

 

Fachschule für Heilerziehungspflege und Heilerziehungspflegehilfe
Waldsteig 11
91564 Neuendettelsau
Tel.: +49 (0) 98 74  8 34 01
Fax: +49 (0) 98 74  8- 30 43
E-Mail: fs-hep-neuendettelsau@DiakonieNeuendettelsau.de

 

 







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