Eine zweite Berufsausbildung spät im Leben wagen?

Von Isabell Schrodt


Warum sollte man sich spät im Leben, nach jahrelanger Berufstätigkeit oder der Zeit zu Hause in der Familie noch für eine Umschulung in einem sozialen Beruf entscheiden? An der Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe in Lauf (bei Nürnberg) treffen Menschen mit den unterschiedlichsten beruflichen Werdegängen aufeinander, die darauf eine Antwort haben. Ein Video gibt zusätzlich Einblick in den Ausbildungsalltag.

Zwei Umschülerinnen im Interview

Umschulung Altenpflege Erfahrung
Luane Kertzendorff (re.) und Katrin Gasparic berichten von ihren Beweggründen, eine Umschulung in der Altenpflege zu beginnen. © Schrodt


Umschulung zur Altenpflegerin nach 15 Jahren als Köchin

Katrin Gasparic ist sich sicher: „Ich empfehle den Mut zur Umschulung, auch noch später im Leben, zum Beispiel nach der Familienphase.“ Katrin Gasparic hat es gewagt: Die 31-Jährige ist Auszubildende in der Altenpflege im zweiten Lehrjahr. Sie absolviert ihre Ausbildung an Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe Lauf an der Pegnitz. Träger dieser Schule im Nürnberger Land ist die Diakonie Neuendettelsau.

Katrin Gasparic arbeitete rund 15 Jahre als Köchin in der Gastronomie, bevor sie nach einem persönlichen Schlüsselereignis in die Altenpflege startete. Zuerst war die gelernte Köchin als ungelernte Hilfskraft in einem Pflegeheim tätig, bevor Sie sich zwei Jahre später für die Ausbildung zur Altenpflegefachkraft entschieden hat.

Erst Pfarrerin, dann Altenpflegerin

Einen komplett anderen beruflichen Werdegang hat Luane Kertzendorff: Sie hat in Brasilien studiert und ist Pfarrerin. Nach dem Umzug nach Deutschland wollte die 31-Jährige nicht wieder im Pfarrberuf tätig werden, obwohl das ohne Probleme möglich gewesen wäre.
Im Interview beschreibt Luane Kertzendorff, dass ihr etwas am Pfarrberuf fehlte: Luane Kertzendorff hat sich als Pfarrerin eher als Organisatorin gesehen, ihr fehlte, dass sie selbst „mit ihren eigenen Händen“ hilft.
In ihrem Ausbildungsschwerpunkt, der ambulante Pflege kann sie nun selbst anpacken und sagt: „Es ist wie ein Adventskalender, also man macht die Tür auf und dann sieht man erst was dahinter steckt, welches Geschenk heute da ist.“
Im Laufe der dualen Ausbildung kann sie die theoretischen Inhalte aus der Schule direkt in der Praxis ausprobieren. Die Tour der Umschülerin im ambulanten Pflegedienst wird kontinuierlich an ihren Wissensstand angepasst. „Daher ist es sehr abwechslungsreich und wird nie langweilig“, so die studierte Pfarrerin.

Arbeit im ambulanten und im stationären Bereich der Altenpflege

Die beiden Umschülerinnen sind begeistert von der Arbeit mit den Senioren. Durch die vielseitigen Möglichkeiten im stationären und ambulanten Bereich zu arbeiten, besteht für die Schülerinnen und Schüler schon während der Ausbildung die Möglichkeit sich zu spezialisieren.
„Was ich am allermeisten wertschätze ist, dass man nicht nur die Krankheit, sondern den ganzen Menschen sieht“, sagt Kathrin Gasparic. Den Praxisbezug und vor allem die sehr persönliche Betreuung der Auszubildenden durch die Lehrkräfte schätzen beide Frauen sehr.

Auf die Nachfrage welchen Personen die beiden den Beruf Altenpfleger oder Altenpflegehelfer noch ans Herz legen würden, sind Sie sich einig: Die Zielgruppe ist groß. Denn wer bereits Erfahrung im Umgang mit Menschen sammeln konnte, egal ob in der Gastronomie, einer Bank oder in der Erziehung der eigenen Kinder, der hat gute Voraussetzungen.

Welches Ausbildungsangebot bietet die Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe?

  • Die einjährige, theoretische Ausbildung zum Pflegefachhelfer:
  • Zugangsvoraussetzungen:
  • Gesundheitliche Eignung
  • Abschluss der Mittelschule oder eine gleichwertige Schulbildung oder eine abgeschlossene Berufsausbildung
  • Vollendung des 17. Lebensjahres; bei hinreichender persönlicher Ausbildungsreife die Vollendung des 16. Lebensjahres

  • Zusätzlich in der Teilzeitausbildung als Altenpflegehelfer:
  •  der Bewerber unterliegt nicht mehr der Schulpflicht
  • hat eine mindestens dreijährige berufliche Tätigkeit ausgeübt oder über den gleichen Zeitraum einen Familienhaushalt geführt

  • Die dreijährige duale Ausbildung zum Altenpfleger:
  • Zugangsvoraussetzungen:
  • Realschulabschluss oder gleichwertiger Abschluss
  • Mittelschulabschluss und eine abgeschlossene zweijährige Berufsausbildung oder eine Ausbildung als Pflegefachhelfer, Kinderpfleger oder Sozialpfleger

Woher kommen die Auszubildenden an der Berufsfachschule in Lauf?

Besonders für Auszubildende aus dem Umkreis Neumarkt i.d.OPf., Lauf an der Pegnitz, Pegnitz und auch Bayreuth ist die Berufsfachschule äußerst attraktiv, so der Lehrer Klaus Wägner.

Bekomme ich während der Ausbildung zum Altenpfleger eine staatliche Förderung?

Bei einer Umschulung in der Altenpflege besteht die Möglichkeit staatlich gefördert zu werden. Bei der Umschulung zum Pflegefachhelfer besteht die Möglichkeit, Bafög zu beziehen. Eine individuelle Beratung bietet die Agentur für Arbeit.

Wo kann man die Ausbildung in der Diakonie Neuendettelsau absolvieren?

Die Diakonie Neuendettelsau führt drei Schulen für Altenpflege und Altenpflegehilfe. Neben der Schule in Lauf an der Pegnitz sind Ansbach und Roth weitere Standorte.

Einblick in den Schulalltag im Video:


Kathrin und Fabian, beide im zweiten Ausbildungsjahr an der Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe, zeigen ihre Schule und geben Einblick in ihren Schulalltag. Der Film bietet auch Informationen zu den Zugangsvoraussetzungen der Altenpflegeausbildung, und Ausbildungsdauer. Der Film informiert auch über die Frage „Was verdient man in der Altenpflege-Ausbildung?“




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