Zum Trinitatisfest 2018

Der Abschnitt aus dem Epheserbrief beginnt mit Lob und Dank: „Gelobt sei Gott, der der Vater, uns gesegnet hat in Christus mit allem Segen seines Geistes. Vater Sohn und Heiliger Geist in seinem Satz. So einfach ist es, vom dreieinigen Gott zu sprechen: wenn es im Lob Gottes, und im Dank geschieht, für das, was er an uns getan hat, was er tut und was er tun wird. Das heißt Gott erkennen: Seine Wohltaten erkennen, (St. Bonaventura) Gott erkennen heißt seine Wohltaten erkennen.

Der Epheserbrief beginnt mit dem Dank dafür, dass Gott uns gesegnet hat. Damit sind wir auch ganz am Ursprung, denn die Geschichte Gottes, als die Geschichte, die Gott mit uns Menschen hat, sie beginnt mit dem Segen: Ich will dich Segnen und du sollst ein Segen sein: Seit Abraham, ist Segen ist das große Thema der Geschichte Gottes mit uns Menschen. Gott wendet sich uns zu und so wird Gemeinschaft mit ihm möglich, werden Leben und Zukunft möglich. Dass wir Gemeinschaft haben dürfen mit Gott, dass wir durch ihn leben hier und heute und in der Zukunft: So erfahren wir das Geheimnis des dreieinigen, dreimal heiligen Gottes. Wir sind gesegnet.

Nun ist hier vom geistlichen Segen die Rede: Ihr seid gesegnet mit geistlichem Segen im Himmel. Segen ist eine geistliche Gabe, und die Güter und Gaben, die Gott uns schenkt, sind im Himmel. Ein geglücktes Leben, Wohlstand, eine stabile Gesundheit und Lebensfreude, eine Karriere wie aus dem Bilderbuch: Es mag sein, dass uns etwas davon widerfährt und dann dürfen wir darin Spuren des Segens sehen. Aber was Gottes Segen uns zuletzt und im Tiefsten verheißt, unterliegt nicht den Wechselfällen des irdischen Lebens: es wartet auf uns und es liegt bei Gott für uns bereit. Der Abraham und uns segnet, ist Gott, der Vater und er segnet durch den Sohn.

Alles, was zu diesem geistlichen Segen gehört, ist verbunden mit Christus. Hier nun holt der Apostel weit aus: Die Geschichte des Segens Gottes beginnt schon, bevor er die Welt erschafft. Da schon fasst Gott, der Vater den Entschluss, die Menschen zu retten. Er weiß wohl: Sie, die Menschen werden in Sünde fallen. Warum ist das so, warum verhindert Gott das nicht, wenn er doch ein guter Gott ist und das Beste für seine Geschöpfe will. Zu gerne wüssten wir es und stellen darum Spekulationen darüber an. Vielleicht hilft uns dieser Gedanke weiter: Gott hat uns als freie Menschen geschaffen; er will keine Roboter, sondern liebesfähige Geschöpfe. Das aber bedeutet, dass er ihnen auch die Möglichkeit einräumt, sich gegen ihn entscheiden und zu sündigen. Ob diese Überlegung stimmt, wissen wir nicht; die Bibel schweigt dazu. Doch eines steht lesen wir sehr deutlich: Gott wollte Menschen haben, die seine Kinder sind – Kinder, die er zum ewigen Leben gebiert und die er segnet, denen er Gemeinschaft mit sich schenkt.

Wenn wir also wissen wollen, ob und wie wir gesegnet sind, so müssen wir auf Christus schauen. An ihm sehen wir, wie Gott zu uns steht: Er nimmt uns an und macht uns durch Jesus Christus zu seinen Kindern, zu Söhnen und Töchtern Gottes. Durch Christus haben wir Gemeinschaft mit Gott. Das gilt für uns, unabhängig davon, ob wir vordergründig Erfolg haben, ob wir uns als Sünder oder als Heilige fühlen. In Christus sind wir gesegnet, wir sind Gottes Kinder und sind seine Erben.

Gott, der Vater und Gottes Sohn Jesus Christus – und nun Gott der Heilige Geist. Das Wort Geist ist in der deutschen Sprache zweideutig. Es kann geistern- und wir können begeistert sein. Wir glauben an den heiligen Geist, der Herr ist uns lebendig macht. Ein Gegenüber, einer, der uns begegnet und an uns handelt, das ist der Heilige Geist, nicht nur Kraft und Windhauch.

Ihr seid, als ihr gläubig wurdet, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist: er ist das Unterpfand unsres Erbes.“ Wann immer ein Mensch durch den Glauben und die Taufe zu Jesus Christus kommt, empfängt er den Heiligen Geist. Wo wir diese Zusage, diese Verheißung aufnehmen und ihr vertrauen, treten wir schon das Erbe an. Da öffnet der Segen Gottes den Weg in die Zukunft.

Versiegelung – in der frühen Kirche war das ein Teil der Taufhandlung. Aus dem Taufbecken herabgestiegen wurden die Neugetauften mit Öl gesalbt. Wie die Priester, Könige und Propheten im ersten Bund. Heute wird in der westlichen Kirche diese Zusage des Hl. Geistes bei der Konfirmation oder Firmung gebe. „Gott Vater, Sohn und Hl. Geist gebe dir seine Gnade, Schutz und Schirm vor allem Argen, Stärke und Hilfe zu allem Guten, das du im Glauben bewahrt werdest im Glauben zum ewigen Leben“.

Die Versiegelung mit dem Heiligen Geist ist kein spezifisches seelisches Erlebnis, keine zusätzliche Erfahrung. Das Siegel Gottes tragen wir seit unserer Taufe; den Segen haben schon empfangen, und das Erbe liegt für uns schon bereit.

Doch schon heute macht der Segen uns frei, dass wir unser Leben gestalten in der Verantwortung vor Gott, und seiner Schöpfung, in der Gemeinschaft mit Jesus Christus und in Solidarität mit unseren Mitmenschen und in der Kraft des Geistes Gottes, der uns darauf vertrauen hilft, dass unser Beten, Tun und Lieben nicht vergeblich ist. Wir stehen im Segensstrom Gottes.

Im Heiligen Abendmahl feiern wir das und danken dafür, Eucharistie heißt Danksagung. In dieser Feier danken dafür, dem Vater für den Segen, der in Christus zu uns kommt, und durch den Heiligen Geist wirksam und erfahrbar wird. Alles, was wir tun können und sollen, in unserem Leben und unserm Handeln steht unter dem Zeichen des Dankes, der Eucharistie. Wir sind gesegnet von Gott durch Christus in der Kraft des Heiligen Geistes und dieser Segen will Gestalt annehmen, ja er hat schon Gestalt angenommen. Ein ganz neuer Blick auf unser Leben. Du schenkst mir voll ein, gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar. So finden wir den Mut, unser Leben und das was uns widerfährt von Gott her und auf Gott hin zu verstehen. Wo es gelingt, da gelingt es durch Gottes Segen; wo es belastet und schwer ist, steht es dennoch unter seiner Verheißung. Ja, selbst da, wo Leben nach menschlichem Ermessen scheitert, hat es in den Augen Gottes noch eine Zukunft. Denn zuletzt wird man doch dieses Eine und Wichtigste von uns sagen können: Wir sind Gott Eigentum, zum Lob seiner Herrlichkeit – zum Lob der Herrlichkeit des Vaters, des Sohnes und des Hl. Geistes.

Amen

Pfr. Peter Schwarz, St. Laurentius, Neuendettelsau

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