Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde!

Wofür können Sie sich begeistern? Denken Sie doch bitte kurz einmal nach, wann und wofür Sie sich vor kurzem einmal richtig begeistert haben. Vielleicht war es ein Gedanke, den Sie gehört oder gelesen haben. Vielleicht war es ein Mensch, den Sie getroffen oder von dem Sie etwas erfahren haben – Freunde, Kinder oder Enkel. Vielleicht war es ein Erlebnis, das Sie gemacht haben – ein Fußballspiel, ein Konzert, eine Theateraufführung, die Sie besucht haben. Vielleicht sind Sie im Urlaub gewesen oder an einem besonders schönen Fleckchen Erde hier in der Umgebung und haben die Sonne, den Wind und die Natur genossen, oder eine Tour mit dem Motorrad oder dem Fahrrad gemacht. Was begeistert Sie?

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Wenn mich etwas begeistert, dann bekommt das Leben ein Stück Leichtigkeit, meine Seele bekommt Flügel. Dann tue ich mich schwer damit, auf Einwände zu hören, werde unkritisch und lasse mich von der Begeisterung tragen. Manchmal stecke ich andere an mit meiner Begeisterung oder werde von anderen angesteckt. Aber früher oder später lande ich trotzdem wieder auf dem Boden der Tatsachen. Die Begeisterung ist verflogen, der Alltag hat mich wieder. Wir alle kennen das: Es ist schön, begeistert zu sein. Aber es ist meist kein Dauerzustand – manchmal ist das auch ganz gut so.

In unserem heutigen Predigttext redet Paulus vom Geist Gottes, der ihn und alle Christen begeistert. Aber das, was er zum Geist Gottes sagt, klingt etwas anders als das, was wir als Begeisterung kennen. Ich lese den Predigttext aus dem ersten Korintherbrief Kapitel 2.

-->Predigttext

Paulus unterscheidet den Geist der Welt und den Geist Gottes. Und er erklärt, was den Geist Gottes so besonders macht, gegenüber der Erfahrung, die wir auch sonst kennen.

Ich möchte über zwei Besonderheiten des Geistes Gottes mit Ihnen nachdenken, die Paulus in unserem Text nennt. Die erste Besonderheit:

1. Der Geist Gottes zeigt uns, was wir von Gott bekommen haben.

Paulus schreibt den Korinthern, dass Sie durch den Geist Gottes erfahren und begreifen können, was uns von Gott geschenkt ist. Das erinnert an die Pfingstgeschichte, die wir vorhin in der Lesung gehört haben. Da wird berichtet, dass die Menschen in Jerusalem ganz unterschiedlich reagiert haben auf Petrus und seine Predigt über Jesu Leben, Tod und Auferstehung. Manche verstanden, wovon er redete, und kamen zum Glauben. Andere reagierten verblüfft oder sogar ablehnend auf seine Worte. Der Schreiber der Apostelgeschichte, Lukas, erklärt das mit der Ausgießung des Heiligen Geistes. Und auch Paulus nimmt diesen Gedanken auf: Der Geist Gottes, der Heilige Geist schließt uns die Botschaft Jesu auf. Er ist dafür verantwortlich, dass Menschen verstehen, um was es beim christlichen Glauben geht, und dass das was mit ihnen persönlich zu tun hat. Und gleichzeitig gibt es Menschen, die diesen Geist Gottes nicht haben, die nicht von Gott begeistert sind. Dies war immer so und wird immer so sein. „Der natürliche Mensch vernimmt nichts vom Geist Gottes.“ sagt Paulus dazu.

Bedeutet das nun, dass es Menschen gibt, denen Gott seinen Geist nicht gibt und die deswegen nicht glauben können? Sind Christen vielleicht ein exklusiver Kreis von Menschen, die durch den Geist Gottes etwas erkennen, was anderen verborgen bleiben muss? Nein, ich glaube diese Schlussfolgerung ist falsch. Gottes Geist ist inklusiv nicht exklusiv – Gott schließt Menschen ein und nicht aus. Das Pfingstgeschehen gilt allen Menschen ohne Unterschied. Aber der Geist Gottes scheint nicht auf alle Menschen die gleiche Wirkung zu haben. Manche werden von ihm begeistert, manche eben nicht. Warum das so ist, das bleibt ein Geheimnis. Im Johannesevangelium wird berichtet, dass Jesus einem Mann namens Nikodemus das Wirken des Geistes mit den Worten erklärt: „Der Wind bläst wo er will und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, wo er herkommt und wohin er fährt. So ist es bei jedem der aus dem Geist geboren ist.“ (Joh. 3,8) Dass der Geist Gottes auf unterschiedliche Menschen unterschiedlich wirkt, das erlebten die Menschen zur Zeit Jesu, das erlebte Paulus und das erleben wir heute, wenn wir anderen Menschen weitersagen wollen, was uns am Glauben begeistert.

Im Vertrauen auf Gottes Geist können wir das Geschenk des Glaubens annehmen und darauf hoffen, dass sein Wirken noch vielen deutlich macht, was allen Menschen von Gott geschenkt ist.

Und und nun noch die zweite Besonderheit des Geistes Gottes aus unserem Predigttext, über die ich mit Ihnen nachdenken möchte:

2. Der Geist Gottes verbindet Menschen untereinander

Wenn der Geist Gottes etwas ist, was Christen von anderen Menschen unterscheidet – so wie Paulus das beschreibt, dann werden sie durch ihn auch zu einer Gemeinschaft verbunden. „Und davon reden wir auch nicht mit Worten, wie sie menschliche Weisheit lehren kann, sondern mit Worten, die der Geist lehrt, und deuten geistliche Dinge für geistliche Menschen.“ So steht es im Vers 13 unseres Textes. Dabei ist der Gegensatz zwischen den natürliche und den geistlichen Menschen keine Wertung. Es beschreibt nur eine Erfahrung, die Paulus macht und die wir heute auch noch machen können. Vielleicht haben Sie das selbst schon einmal erlebt: Sie treffen auf Christen aus einer anderen Region, aus einem anderen Land, von einem anderen Kontinent. Es sind vielleicht Christen, die einen anderen kulturellen Hintergrund haben und eine andere Konfession. Und trotzdem spüren Sie eine große Verbundenheit, weil es Gemeinsamkeiten gibt. Paulus würde sagen: Es ist derselbe Geist.

Ich habe diese Verbundenheit schon oft gespürt, auf internationalen christlichen Tagungen, auf Kirchentagen, bei ökumenischen Begegnungen hier in Neuendettelsau oder in anderen Teilen der Erde. Ich habe das gespürt, als wir im letzten Jahr während des Kirchentages in der Reformationskirche in Berlin-Moabit waren und dort mit einem Konvent von jungen Menschen und vielen Kirchentagsbesuchern einen Gottesdienst mit Feierabendmahl gefeiert haben. Mitten in einer textilen Installation von Beate Baberske ähnlich wie wir sie vor kurzem beim Jahresfest der Diakonie hier in der Laurentiuskirche hatten. Ganz anders, an einem ganz anderen Ort, mit ganz anderen Menschen und doch durch den Geist Gottes miteinander verbunden.

Ich habe die Verbundenheit durch Gottes Geist gespürt als ich im letzten Jahr mit Vertretern von MissionEineWelt bei lutherischen Partnerkirchen in Asien war – in Malaysia, Singapur, Hongkong, China und Südkorea. Wir haben viele ganz unterschiedliche Menschen mit ganz unterschiedlichen kulturellen Hintergründen und in ganz unterschiedlichen nationalen, politischen und kirchlichen Rahmenbedingungen getroffen. Wir haben 3 Reformationsgottesdienste gefeiert – je einen in Kuala Lumpur, Singapur und Hongkong. Und immer war da eine gewisse Fremdheit, aber auch eine ganz besondere Verbundenheit. Wir haben als Christen eine besondere Verbindung gehabt, bezeichneten uns schnell als Brüder und Schwestern. Das war für uns mit unserer manchmal etwas sachlichen deutschen Mentalität ab und an auch etwas gewöhnungsbedürftig, hatte aber trotzdem eine große Faszination und Wirkung auf uns.

Und erst vor kurzem habe ich die Verbundenheit durch Gottes Geist wieder besonders gespürt, als wir zu einer Theologischen Konsultation mit Vertretern der rumänisch-orthodoxen Kirche in Cluj-Napoca – also im siebenbürgischen Klausenburg – im Kloster Nicula und im Bistum Salaj waren. 20 lutherische Theologinnen und Theologen und Mitarbeiter der Diakonie aus Mittelfranken trafen auf rumänisch-orthodoxe Theologen, wir tauschten uns aus, diskutierten miteinander, feierten Gottesdienste und besuchten soziale Einrichtungen. Und wir spürten die große Offenheit und die Verbundenheit von Christen mit einem ganz anderen konfessionellen und kulturellen Hintergrund.

Als wir am letzten Samstagabend zurück kamen begleiteten uns der Dekan der rumänisch-orthodoxen Fakultät Professor Vasile Stanciu und 15 Theologiestudierende, die in Cluj den Chor „Psalmodia Transylvanica“ bilden. Sie haben in der letzten Woche zahlreiche Konzerte in vielen christlichen Gemeinden gegeben und wir freuen uns sehr, dass Sie gestern Abend mit uns und unseren Schwestergemeinden St. Franziskus und St. Nikolai die Pfingstvigil gefeiert haben und auch heute unsere Deutsche Messe am Pfingstsonntag mitgestalten. Das ist wirkliche ökumenische Verbundenheit unter Christen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen.

Wir leben in einer Zeit, in der Religionszugehörigkeit, religiöse Ansichten und religiöse Symbole von unterschiedlichen Menschen benutzt werden, um Menschen voneinander abzugrenzen und ganze Menschengruppen auszugrenzen. Wir tun darum gut daran, uns gegenseitig aber auch unseren Mitmenschen und unserer Gesellschaft deutlich zu machen, dass Gottes Geist nicht ausgrenzt. Gottes Geist schließt alle Menschen ein und verbindet uns untereinander, weil er uns deutlich macht, was wir alle von Gott geschenkt bekommen haben. Lassen Sie uns diese Pfingstbotschaft allen Menschen weitersagen. Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie ein gesegnetes und begeisterndes Pfingstfest.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus.

Amen.

Vorstandsvorsitzender Dr. Mathias Hartmann, St. Laurentius Neuendettelsau

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