In der Gemeinde Polsingen, insbesondere in der dortigen Einrichtung Wohnen für Menschen mit Behinderung der Diakonie Neuendettelsau, liegt die Antwort auf der Hand bzw. direkt vor Augen: Denn die Kirche Zum guten Hirten ist architektonisch einem Zelt nachempfunden – Der Herr ist mein Hirte, mir wird [in seinem Zelt] nichts mangeln.


Für die Gemeinde der Diakonie Neuendettelsau in Polsingen war der „Der Herr ist mein Hirte“ schon immer besonderer Trost und Hilfe. Als die Menschen mit Behinderung sich spontan vom damaligen Rektor Theodor Schober eine eigene Kirche wünschten, war es naheliegende diesen Psalm als Thema zur Grunde zu legen. Der Architekt Franz Gürtner aus Seefeld stellte sich der Herausforderung. Das Ergebnis können Sie heute in Polsingen bewundern.


Ein Zelt als Gotteshaus


Aus der Luft zu erkennen: stilisierter fünfzackiger Stern als Grundriss


Der Grundriss der Kirche Zum guten Hirten zeigt die Form eines fünfzackigen Sternes – ein Pentagramm: Ein Schutzsymbol, das im Laufe der Jahrtausende unterschiedlichste Auslegung erfahren hat. Für den Polsinger Stern können wir auf die Aussagen des Architekten zurückgreifen. Zum einen ist er das Sinnbild des Christus, der die Hände zum Segen erhoben hat. Zum anderen aber auch, weltlich betrachtet, das Wahrzeichen des befreiten Menschen. In Jesus Christus wird der vermeintliche Gegensatz eins: Der Gottessohn ist als wahrer Mensch auf die Erde gekommen.

Glasstern als Spitze des Zeltes: Auge und Lichte Gottes


Über dem Stern spannt sich das Zelt des Hirten, dessen Spitze ein silbern glitzernder Glasstern bildet: Auge und gleichzeitig Licht Gottes, das den Eintretenden den Blick erheben lässt und den Weg leuchtet. Die eigentliche Decke besteht aus Kiefer und erinnert an den leichten, temporären Bau, den ein Zelt eigentlich hat. Demgegenüber stehen der Boden, Altar, Taufstein und die Wände aus fränkischem Jura, der nicht nur Beständigkeit zeigt, sondern auch Schutz und die Heimat Franken symbolisiert.

Kiefer, fränkischer Jura und das Motiv des fünfeckigen Sterns prägen den Innenraum



Auch die Paramente erinnern an den guten Hirten


Wenn Sie aufmerksam durch den Innenraum gehen, werden Sie den angedeuteten fünfzackigen Stern des Grundrisses immer wieder finden. Wie ein Motiv zieht er sich durch die gesamte Ausstattung und wiederholt sich z.B. im Altar, der Kanzel, der Sichtbetonempore, aber auch in den Opferstocken oder den Türgriffen. Entdecken Sie darüber hinaus z.B. die „Engelsleiter“ (Emporentreppe), die vom Morgenstern (Fenster) beleuchtet wird und machen Sie sich auf die Suche nach der Geschichte von Fliege und Spinne. Oder betrachten Sie im Eingangsbereich die scheinbar willkürlichen Lichtpunkte. Sie sehen das Sternenbild, das vor über 2.000 Jahren die Weisen aus dem Morgenland an die Krippe geführt hat.


Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser


Der gute Hirte deckt seinen schützenden Mantel am Eingang über die Schafe


Der Hirte und seine Schafe finden sich nicht nur in den liebevollen Paramenten, die in der Paramentenwerkstatt in Neuendettelsau extra für Polsingen entworfen und gefertigt wurden. Sondern der mächtige Hirte wirft über dem Eingangstor seinen schützenden Mantel um seine verängstigten und gleichzeitig vertrauensvollen Schafe. Von dort fällt der Blick auf den Brunnen, der den Kirchplatz ziert: Er […] führet mich zum frischen Wasser. / Er erquicket meine Seele.


Von außen fällt auch eine weitere Besonderheit der Kirche Zum guten Hirten auf: Sie hat keinen Kirchturm. Anstatt dessen ist ihr für das Zweier-Geläut ein dreifüßiger Glockenträger zur Seite gestellt, der bei Freilichtveranstaltungen als Predigtstuhl verwendet wird.

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