Seit eineinhalb Jahren arbeitet der 24-jährige Juan Santiago aus Spanien als Freiwilliger in einer Wohngruppe für Kinder mit Behinderung der Diakonie Neuendettelsau. Jetzt zeigte er sechs Jungs aus den Wohngruppen „Pony“ und „Panther“ im Alter von zehn bis 15 Jahren sein Heimatland.

Die Kinder hatten Fragen: „Wo wohnst du? Warum kommst du zu uns?“, wollten sie wissen. Auch die fremde Sprache Juans machte die Jungen neugierig, erzählt Wohnbereichsleitung Ulrike Stahl. Normalerweise hätten sie aber unter anderem aus finanziellen Gründen nie die Möglichkeit, eine solche Reise nach Spanien zu unternehmen.
Thorsten Walter vom Europa-Institut der Diakonie vermittelte den Kontakt zur Organisation AGER in Granada. Sie bereitet junge Leute aus Spanien – unter ihnen Juan Santiago - auf Freiwilligendienste und Ausbildungen im Neuendettelsauer Diakoniewerk vor.

Jose Cobos, Maria Hueltes und weitere Helfer von AGER erklärten sich bereit, die Reise vor Ort zu organisieren. Finanzielle Hindernisse räumten Dr. Irmo und Sabine Paulus aus Möhrendorf sowie die Maria-Dietz-Stiftung Neustadt an der Aisch mit ihren Spenden aus dem Weg.

Zum ersten Mal im Flugzeug: Jungs aus den Wohngruppen Pony und Panther in Neuendettelsau unternahmen eine Reise nach Spanien.

Kuscheltier im Überlebensrucksack

Dann konnten Tim, Lennart, Steven, Justin, Mario und Dennis zu ihrer einmaligen Reise aufbrechen. Kurz nach vier Uhr morgens standen sie in Neuendettelsau auf. Auf dem Weg nach Malaga stiegen sie in Zürich um, so dass bei ihrer ersten Flugreise im Leben jeder mal am Fenster sitzen und die Wolken unter sich sehen durfte. Neben einem Koffer hatten alle einen selbst gepackten „Überlebensrucksack“ dabei. Während die einen Kuscheltiere oder Fußballkarten für überlebenswichtig hielten, setzten andere auf MP3-Player, ein Nachtlicht oder ein Buch.
Wochen vorher hatten sie sich über Flugzeuge und das Gastland Spanien gründlich informiert. Mit Hilfe von kleinen Aufgaben erfuhren sie spielerisch viel Neues und befestigten die Ergebnisse an einer Litfaßsäule.

Gruppenbild mit Torero: Auch eine Stierkampfarena besichtigten die Kinder aus Neuendettelsau – allerdings nicht während einer Veranstaltung.

Der Traum aller Kinder

Die spanischen Gastgeber empfingen die Besucher mit großer Herzlichkeit, auch wenn südländische Bussis links und rechts für fränkische Jungs gewöhnungsbedürftig waren. Danach wurden sie auf mehrere Autos verteilt und es ging in ein spanisches Restaurant, wo die ersten Kontakte vertieft wurden. Über die sechs Tage hinweg lernten sie viele spanische Spezialitäten kennen. Der Traum aller Kinder war aber das Schmalzgebäck in Schokoladensoße zum Frühstück.

Als Quartier bezogen sie zwei Blockhütten in einem Feriendorf in Armilla bei Granada. Von dort aus steuerten sie Sehenswürdigkeiten wie die Alhambra und eine Stierkampfarena an. Auch das Inklusionsprojekt eines Down-Zentrums besuchten sie. Zwar hatten die Jungen einige Worte Spanisch gelernt, aber zum Spielen mit den Kindern der Gastgeber brauchten sie keine Sprache: Fangen, Verstecken und Fußball kennen keine Sprachbarriere. Für einige der Teilnehmer war es auch das erste Mal, dass sie das Meer sahen und in die Wellen springen konnten.

Beim Abschied am Flughafen waren alle müde und traurig. Die Mitarbeiter von AGER hatten ihre Besucher auf allen Wegen von früh bis spät begleitet. Kein Wunder, dass die Jungs hoffen, dass die spanischen Gastgeber ihrer Einladung folgen und sie auch einmal in Neuendettelsau besuchen.

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