Peer Counseling: Was die EUTB-Anlaufstellen in Bayreuth und Kulmbach leisten

Unabhängige Beratungsstellen für Menschen mit Behinderung und deren Angehörige: Ein weiterer Schritt hin zu einer besseren Teilhabe in der Gesellschaft wird mit der Errichtung der beiden Anlaufstellen in Kulmbach und Bayreuth ermöglicht. Seit Kurzem setzt die Diakonie Neuendettelsau in Zusammenarbeit mit Regens Wagner auf der Grundlage des Bundesteilhabegesetzes das Konzept der „Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung“ (EUTB) um. Bundesweit wurden seit dem 1. Januar 2018 insgesamt 500 dieser Beratungsstellen eingerichtet. Wesentlicher Bestandteil des Konzeptes ist das sogenannte „Peer Counseling“. Die Beratung erfolgt auch durch Fachkräfte, die selbst von einer Behinderung betroffen sind. Einer von ihnen ist Thomas Odewald. 

Von Amanda Müller

Als Berater helfen Thomas Odewald seine eigenen Erfahrungen, Ratsuchenden auf Augenhöhe zu begegnen. „Man kann eigene Erlebnisse mit Behinderung in der Gesellschaft ins Beratungsgespräch einbringen und so eine tiefere empathische Kompetenz erreichen. Dass der andere weiß, wovon er spricht, dass er sich auskennt, Situationen besser nachvollziehen vermag, kann dazu führen, dass der Ratsuchende sich viel leichter öffnet“, führt Thomas Odewald aus.

Auf das „Peer Counseling“ aufmerksam gemacht wurde er von Günter Binger, Leiter der Offenen Hilfen der Diakonie Neuendettelsau in Himmelkron. Zuvor war Thomas Odewald als Mitarbeiter im Begleiteten Wohnen in Himmelkron tätig. „Neben der Beratung durch Fachkräfte, sei es mit oder ohne Behinderung, soll es in den EUTB-Stellen auch die Möglichkeit geben, dass sich Menschen mit einer Behinderung in der Beratung auf ehrenamtlicher Basis als Berater engagieren können. Dieses kann ein aktives Beispiel für Teilhabe am gesellschaftlichen Leben darstellen“, sagt Odewald.

Unterstützung in allen Bereichen

Von links: Thomas Odewald, Anja Pleiner und Katharina Buchta beraten in Zukunft Menschen mit Behinderung.

Die EUTB soll im Sinne eines niederschwelligen Angebots „Eine für Alle“ als erste Anlaufstelle für Fragen aus allen Lebensbereichen rund um die Teilhabe für Menschen mit Behinderung, von Behinderung bedrohter Menschen und deren Angehörige fungieren. Gemeinsam mit Thomas Odewald beraten Anja Pleiner und Katharina Buchta in Bayreuth und Kulmbach. Ebenfalls in Bayreuth dabei ist die Beraterin Julia Lunkenheimer von Regens Wagner, dem Kooperationspartner der Diakonie Neuendettelsau für den Landkreis Bayreuth.

Ziel der Beratung ist es auch, Teilhabeprozesse und deren Verfahrensabläufe verständlich darzustellen, damit Eigenverantwortlichkeit und Selbstbestimmung der Menschen erhalten bleiben und gestärkt werden können. „Eine Behinderung kann in unterschiedlichen Lebensphasen und den verschiedenen Lebensbereichen für den einzelnen Menschen verschiedene Fragen aufwerfen. Themen können beispielsweise sein: wie komme ich zu notwendigen Hilfsmitteln, wer finanziert einen Schulbegleiter, wofür nutzt ein Schwerbehindertenausweis und was muss ich zu Eingliederungsleistungen zuzahlen", führen Anja Pleiner und Katharina Buchta aus.

Hilfe zur Selbsthilfe

Das Konzept lebt von der Vernetzung mit anderen Beratungsinstitutionen und steht in engem Kontakt mit Ämtern, Selbsthilfegruppen und Vereinen. Die Berater zeigen beispielsweise auf, welches Amt oder welche Koordinationsstelle für welches Anliegen zuständig ist, helfen bei Verständnisfragen oder unterstützen bei rechtlichen Fragestellungen. Eine Rechtsberatung ersetzt das Angebot der EUTB allerdings nicht, vermittelt aber im Bedarfsfall an entsprechende Stellen weiter.

Den Vorteil der EUTB sehen die Fachkräfte auch vor allem darin, dass viele Menschen nicht gleich den Schritt in ein Amt wagen. Die Gespräche erfolgen vertraulich und unentgeltlich. Sie sollen eine Planungs-, Orientierungs- und Entscheidungshilfe für den Ratsuchenden oder dessen Angehörige darstellen. Zum Teil können Fragen direkt am Telefon oder per E- Mail beantwortet werden, für ausführliche Gespräche werden je nach Anliegen ein oder mehrere persönliche Termine vereinbart.

Menschen mit Behinderung und Selbsthilfegruppen, die an einer ehrenamtlichen Mitarbeit oder Unterstützung des Projektes interessiert sind, können sich bei Günter Binger (Tel. 09227 79400, guenter.binger@diakonieneuendettelsau.de) melden. Unter www.teilhabeberatung.de gibt es weitere  Informationen.




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