Zu viel durchgeplante Freizeit


„Mir ist langweilig.“ – Wenn Kinder das zu Erzieherinnen in der Kita sagen, dann werden sie hellhörig. Denn Kindern fällt eigentlich immer etwas ein, was sie spielen können. Doch viele Kinder bekommen mittlerweile in ihrer Freizeit von den Eltern ein komplettes Programm geliefert, so dass sie selbst keine Kreativität und Fantasie mehr entwickeln können.

„Freies Spiel“ ist das Zauberwort in guten Kitas. Die pädagogische Methode wird gezielt eingesetzt, damit Kinder selbst 

aktiv und kreativ werden. „Bei uns bekommen die Kinder viel Raum für freies Spielen, sowohl im Außen- als auch im Innenbereich“, berichtet Marion Selz-Fleischer von der Kita „Sonnenschein“ in Bruckberg (Landkreis Ansbach). Es komme schon mal vor, so die Kita-Leiterin, dass Eltern zu uns sagen: „Die Kinder spielen ja nur, die machen ja gar nichts.“ Doch gerade im Freien Spiel lernen die Kinder eine ganze Menge, z. B. andere Kinder näher kennen lernen, erste Freundschaften entwickeln, Konflikte lösen, eigene Fähigkeiten einschätzen, sich auf kleine Abenteuer begeben. Und es sind oft ganz einfache Dinge. „Ein Kind muss selbst die Fähigkeit entwickeln, einen Kletterturm zu erklimmen, dann wird es auch nicht runterfallen. Wenn ich es hochhebe und sage, das kannst du schon, dann fällt es bestimmt runter“, erklärt Marion Selz-Fleischer. „Das Freie Spiel in der Kindertagesstätte wird von Eltern in seiner Bedeutung für die Entwicklung der Kinder häufig unterschätzt“, so die Leiterin des Bereiches Dienste für Kinder, Petra Hinkl.

Es ist keineswegs so, dass die Kinder dabei einfach nur spielen. Viel mehr finden dort grundlegende Lern- und Entwicklungsprozesse statt, die in unseren Einrichtungen möglich gemacht werden.


Kinder nicht zu sehr behüten

Kreativität fördern beim freien Spielen
Beim freien Spielen lernen Kinder, Konflikte zu lösen. © Salomon


Für das Kita-Team bietet das freie Spielen auch gute Möglichkeiten die Entwicklung eines Kindes gut einzuschätzen: 

Geht es auf andere Kinder zu, wie bewegt sich das Kind, kann es einen Ball werfen oder fangen, kann es sich gegenüber anderen Kindern durchsetzen. Diese Beobachtungen werden für die Dokumentation gebraucht, um einen stimmigen Entwicklungsbericht erstellen zu können.

Viele Eltern müssten heute wieder lernen, loszulassen, Vertrauen in die Fähigkeiten ihrer Kinder zu entwickeln, weil sie

 selbst oft sehr überbehütet mit durchgeplanter Freizeit aufgewachsen sind. Die ältere Generation ist da ganz anders. „Omas und Opas berichten uns immer wieder, dass sich manchmal, zum Beispiel in den Ferien, den ganzen Tag niemand um sie gekümmert hat“, so die Bruckberger Kita-Leiterin und sie ergänzt: „Gewiss, die Zeiten haben sich geändert, aber gewisse Freiheiten brauchen die Kinder. Und sie lernen auch, wie sie damit umgehen können, ohne dass sie sich permanent selbst gefährden.“

Gerade jetzt, in der wärmeren Jahreszeit, macht es Kindern richtig Spaß, draußen zu sein. Und es gibt viele 

Möglichkeiten, auch mit einfachstem Material ihre Fantasie anzuregen und sie „in Bewegung zu setzen“. Dafür reicht oft Material, das in der Natur vorhanden ist und ganz spontan in das Spiel einbezogen werden kann.

Hier einige Tipps von Kita-Leiterinnen aus der Diakonie Neuendettelsau:


  • Körperkonturen z. B. mit Steinen um das Kind herum legen
  • Unterschlupf für Igel oder andere Tiere aus Blättern bauen
  • Balancieren auf umgefallenen oder gefällten Bäumen
  • Blumenkränze flechten
  • Regenwürmer beobachten, wie sie sich eingraben
  • Windrichtung mit Blättern oder ähnlichem herausfinden
  • Traumfänger aus Naturmaterial basteln
  • Spiel mit Bäumen (wer ist am schnellsten bei einer Buche, Fichte, Kiefer etc.)
  • Fühlmemory aus Naturmaterial (immer zwei gleiche Gegenstände in einem Säckchen, z. B. zwei Kiefernzapfen, zwei Blätter, zwei kleine Äste, zwei Samen, zwei Steinchen). Bevor die Gegenstände aus dem Säckchen geholt werden, ist zu erraten, was es für ein Gegenstand ist.
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