Freizeitstress statt entspanntes Zusammenleben

Wenn Eltern für ihre Kinder nur das Beste wollen, heißt das nicht unbedingt, dass das für ihre Kinder auch wirklich das Beste ist. Die Eltern handeln häufig aus ihrer Sicht und nehmen ihr Kind zu wenig als eigene Persönlichkeit wahr. Natürlich müssen die Noten gut sein, damit es später möglichst für das Abitur und ein Studium reicht. Natürlich ist auch die musische Bildung wichtig: im Chor singen, Klavier oder Geige lernen, zumindest ein Instrument sollte es schon sein. Und dann ist natürlich auch die körperliche Fitness wichtig, nachdem in den Schulen der Sportunterricht immer mehr zurückgefahren wird: ein Sportverein bietet sich da an mit möglichst vielen Sparten, z. B. Tennis, Badminton, Volleyball, Handball, für die Jungs natürlich Fußball. Leistungsdruck in der Schule, Musikunterricht, Sport – das summiert sich. Und das führt zu Stress.

Kind sein dürfen statt Freizeitstress
Einfach Kind sein dürfen: Mit Freunden spielen statt Freizeitstress © Uwe Niklas

Freizeitstress bei Kindern, das ist ein Phänomen, an dem auch das Personal in den Kindertageseinrichtungen nicht mehr vorbei kommt. „Wir haben einerseits die Kinder, die vor dem Fernseher oder PC geparkt werden, weil es einfach ist. Andererseits erleben wir aber, dass die Eltern zu viel wollen und Dinge dabei auf der Strecke bleiben, die ihren Kindern wichtig sind“, berichtet Manuela Hummel, Leiterin des Kinderhortes in Roth, der zur Diakonie Neuendettelsau gehört.

Die Kinder machen das für sie vorgesehene volle Programm oft über längere Zeit mit, so die Hortleiterin. Ihnen ist gar nicht bewusst, dass sie das auf Dauer überfordert, bis dann auf einmal nichts mehr geht. Die Kinder vertrauen sich dann ihren Erzieherinnen an. Sie haben Angst, zu versagen, die ganzen Anforderungen nicht mehr zu schaffen. Ihren Eltern trauen sie sich das dann häufig nicht mitzuteilen.

Manuela Hummel empfiehlt, dass Eltern das „Programm“ ihrer Kinder immer mal wieder kritisch überprüfen. Dabei sei zu berücksichtigen, dass Zeit für Gemeinsames in der Familie bleibt: das gemeinsame Abendessen, ohne dass dabei nebenbei noch der Fernseher oder Musik läuft; gemeinsame Ausflüge, nicht in irgendwelche Freizeitparks, die wieder nur Programm bieten, sondern einfach einmal in die nähere Umgebung. „Wir haben hier im Kinderhort tolle Erfahrungen, wenn wir den Kindern immer wieder kleine Abenteuer bieten. Wir gehen mit den Kindern in den Wald, machen dort Spiele oder auch mal ein Lagerfeuer. Das kennen manche Kinder gar nicht mehr und es ist sehr schön zu sehen, wie sie fröhlich und gut gelaunt von unseren Ausflügen zurückkommen“, berichtet Manuela Hummel. Und auch im Kinderhort selbst erleben sie häufig das „totale Kontrastprogramm“ im Vergleich vom Leben daheim: kein Fernseher, kein Smartphone, kein Tablet, keine Computerspiele. In den Familien finde häufig einfach zu wenig Kommunikation statt. „Wir beobachten zum Beispiel, dass einige Eltern mit ihrem Kind sobald sie den Hort verlassen haben, schon am Handy hängen. Da können dann die Kindern nicht einmal erzählen, was sie erlebt haben“, so die Beobachtung der Leiterin des Kinderhortes. Daheim ziehe man sich dann, wenn die Kinder ins Bett gehen, vor den Fernseher zurück und es bleibt keine Zeit, noch etwas vorzulesen oder den Tag am Bett des Kindes noch einmal vorbeiziehen zu lassen.

Kinder müssten auch die Möglichkeit haben, ihre Grenzen kennen zu lernen, meint die gelernte Erzieherin. Das sei heute ja nicht ganz so einfach, weil den Eltern das Vertrauen in die Umgebung fehlt und ständig Angst hätten, dass etwas passiert. Die Unsicherheit der Eltern sei aufgrund der häufig schlimmen Berichterstattung in den Medien auch verständlich. „Aber oft ist es auch so“, meint Manuela Hummel, „dass die Eltern ihren Kindern zu wenig zutrauen. Was aber auf jeden Fall machbar sein muss, ist Freunde zu treffen, einfach mal so, ohne Programm. Auch wenn sie dabei nur rumhängen. Freunde zu haben, sich mit Gleichaltrigen austauschen zu können, das kann kein Bildungsprogramm ersetzen.“

Im Kinderhort Roth werden Kinder von der 1. bis zu 7. Schulklasse an den Nachmittagen und in den Ferien betreut. Hier finden Sie die Kontaktdaten des Kinderhortes.

Mehr lesen aus dem Magazin zum Thema Kinder
20. Juni 2018

Feinfühligkeit und enge Zusammenarbeit mit den Eltern: Der Wechsel von der Krippe in den Kindergarten ist für Kinder eine spannende Zeit mit neuen Erfahrungen und großen Veränderungen. Sie verlassen ihr vertrautes Umfeld und finden sich an einem fremden Ort wieder. Ein Prozess, den Eltern und Bezugserzieher gut vorbereiten und begleiten. Was genau zu tun ist und wie der Übergang für Kinder am besten vorbereitet werden kann, wissen Julia Seibert und Miriam Meichsner von der Integrativen Kindertagesstätte Karwendelstrolche in Nürnberg.

20. Mai 2018

Im Stadtgebiet Ansbach eröffnet im September 2018 der neue Kinderhort unter Trägerschaft der Diakonie Neuendettelsau.

16. Mai 2018

"Mir ist langweilig": Das sagen Kinder heute allzu oft. Wie Eltern ihre Kinder mit einfachen Tipps zum Spielen anhalten können, erklären erfahrene Kita-Leiterinnen.

22. April 2018

Erzieher und Kinderpfleger brauchen eine Menge Geduld und Einfühlungsvermögen auf der einen Seite, müssen sich auf der anderen Seite aber auch durchsetzen können und ein starkes Verantwortungsbewusstsein haben. Erzieher gestalten diese Zukunft direkt mit und übernehmen dadurch eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe.

Haben Sie Fragen? Wir helfen Ihnen gerne.

Wenn Sie sich näher über unser Angebot informieren möchten, können Sie gerne Ihre
bevorzugte Kontaktmöglichkeit hinterlassen.

Oder rufen Sie uns an unter unserer Service-Nummer:

+49 (0) 180 28 23 456 (6 Cent pro Gespräch)