Palliativ Care: Ein schützender Mantel gegen Schmerz und Angst


Jeder von uns wünscht sich ein Sterben in Würde, wenn möglich in einer ihm vertrauten Umgebung und eine optimale pflegerische und medizinische Versorgung. Diesem grundlegenden Bedürfnis trägt die Palliativmedizin Rechnung.

Schwerkranke und sterbende Menschen sollen die Möglichkeit haben, ihre letzte Lebensphase bewusst und ihren eigenen Wünschen entsprechend, möglichst ohne Schmerzen, erleben zu können.

An der Clinic Neuendettelsau gibt es seit 2007 eine Palliativstation.

  • Was ist Palliativmedizin?
  • Wer arbeitet dort?
  • Wie sieht das Angebot der Palliativstation aus?

Ulrike Englmann hat sich darüber mit  Dr. med. Stefan Dörr unterhalten, dem Chefarzt der Medizinischen Klinik II der Clinic Neuendettelsau sowie Leiter der Palliativstation.


Palliativmedizin Landkreis Ansbach
Auf der Palliativstation der Clinic Neuendettelsau ist auch einmal Zeit für ein ruhiges Gespräch.


Palliative Care – was ist das eigentlich?


Die Palliativmedizin hat es sich zum Ziel gesetzt, die Lebensqualität derjenigen Patientinnen und Patienten zu verbessern, die an einer nicht heilbaren, stark fortschreitenden Erkrankung leiden und nur noch eine begrenzte Lebenserwartung haben. Der Ausdruck Palliative Care leitet sich ab vom lateinischen Wort "Pallium", welches Mantel oder Umhüllung bedeutet. Das englische Wort "Care" meint betreuen und achtgeben. Palliative Care bedeutet daher beschützende, ganzheitliche, im wahrsten Wortsinn "ummantelnde" Behandlung und Pflege von Patienten.

Neben dem frühzeitigen Erkennen der Erkrankung, geht es auch um die Behandlung von Schmerzen und körperlichen Beschwerden. Viele schwerstkranke Menschen leiden unter unerträglichen Schmerzen oder anderen belastenden Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen oder Atemnot. Oft bestehen auch Wunden, die einer besonderen Behandlung und Pflege bedürfen. Die Palliativmedizin setzt sich dafür ein, die noch vorhandene Lebensqualität der Patienten zu erhalten oder bestmöglich wiederherzustellen. Auch die psychosozialen und spirituellen Bedürfnisse der Patienten und ihrer Angehörigen werden dabei berücksichtigt.


Die Palliativstation der Clinic Neuendettelsau – wichtiger Baustein der Palliativversorgung im Landkreis Ansbach


Der Chefarzt der Medizinischen Klinik II der Clinic Neuendettelsau, Dr. med. Stefan Dörr, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie, engagiert sich bereits seit mehreren Jahren für die 2007 gegründete Palliativstation der Clinic Neuendettelsau. Bis heute hat sich die Palliativstation zu einer entscheidenden Säule der Palliativversorgung im Landkreis Ansbach entwickelt.

„Unser Ziel ist es immer, unsere Patientinnen und Patienten nach einer palliativ-medizinischen Versorgung und Behandlung wieder zu entlassen. Manche können direkt nach Hause und werden eventuell durch das ambulante Palliativteam im Rahmen der Spezialisierten Ambulanten Palliativ-Versorgung (SAPV) weiter versorgt. Andere entlassen wir in ein Pflegeheim oder in ein Hospiz“, erläutert Dr. Stefan Dörr die Vorgehensweise.


Dr. Stefan Dörr, Palliativmediziner
Dr. med. Stefan Dörr ist Chefarzt der Medizinischen Klinik II der Clinic Neuendettelsau sowie Leiter der Palliativstation.


Multiprofessionelles Team


Im Team der Palliativstation arbeiten Fachleute wie Ärzte, Psychologen, Musiktherapeuten mit der Klinikseelsorge und den ehrenamtlichen Hospizbegleiterinnen des Hospizvereins Neuendettelsau/Windsbach Hand in Hand. Sowohl Chefarzt Dr. Stefan Dörr als auch der betreuende Stationsarzt, sind in alle Vorgänge auf der Station eingebunden und stehen jederzeit als Ansprechpartner zur Verfügung.

Unser großes Anliegen ist es, eine Versorgung zu schaffen, bei der medizinische, soziale, psychologische und seelsorgerliche Dienste gleichberechtigt zusammenwirken.

Dr. Stefan Dörr


Dabei geht es oft um den Umgang mit Schmerz, Angst, Atemnot oder Schwäche. Wir wollen aber auch den Patientinnen und Patienten dabei helfen, sich selbst und ihre persönliche Situation anzunehmen, bis hin zur Gestaltung eines würdigen Abschieds gemeinsam mit ihren Angehörigen. „Im Rahmen der Ausbildung zum Hospizbegleiter oder Hospizbegleiterin gestalten wir einen Tag zum Thema Palliativmedizin und informieren ausführlich und mit vielerlei praktischen Beispielen zu den Themen Schmerztherapie und Symptomlinderung“, so Dr. Dörr.


Das Angebot der Palliativmedizin


Die Palliativmedizin an der Clinic Neuendettelsau umfasst ein ganzheitliches Angebot an Patienten und Angehörige:

  • Schmerztherapie
  • Ernährungstherapie
  • Behandlung von Magen- und Darmbeschwerden
  • Behandlung von Angst und Depressionen
  • Wundmanagement
  • Gesprächstherapie für Patienten
  • Psychoonkologische Betreuung
  • Musiktherapie und Entspannungsübungen
  • Physio- und Ergotherapie
  • Logotherapie
  • Aromatherapie
  • Eine aktivierende Pflege
  • Seelsorge

„Die seelsorgerliche Begleitung des Patienten und eine entsprechende Betreuung und Begleitung der Angehörigen ist für unser Haus selbstverständlich“, so der Chefarzt. „Die Diakonie Neuendettelsau legt als christlicher Träger hohen Wert auf ethische Maßstäbe und Toleranz gegenüber anderen Religionen. Abschiedsfeiern können auf Wunsch auch ganz neutral gehalten und auf diese Weise zugänglich gemacht werden für Menschen mit einem anderen religiösen Hintergrund.
Gerne geben wir diesen Angehörigen auch Zeit für besondere Handlungen. Menschen mit muslimischem Hintergrund legen beispielsweise Wert auf die Möglichkeit der rituellen Waschung ihres verstorbenen Angehörigen. Wir möchten unserer ethischen und humanitären Verantwortung gerecht werden.“


Detail Palliativstation Neuendettelsau
Auf der Palliativstation herrscht eine ruhige und geschütze Atmosphäre.


Auch letzte Wünsche werden erfüllt


Die Palliativstation befindet sich in einem ruhig gelegenen, geschützten Bereich der Clinic Neuendettelsau. „Wir halten die Hektik des Klinikalltags aus dieser Station heraus und pflegen einen persönlichen Kontakt zu unseren Patienten. Wir arbeiten hier auch mit einem großzügigeren Personalschlüssel als andere Stationen der Clinic. So wird persönliche Zuwendung möglich und wir können uns auch einmal zu jemandem ans Bett setzen und ein ruhiges Gespräch führen und wirklich auf die Bedürfnisse des Einzelnen hören“, erklärt Dr. Stefan Dörr das Stationskonzept.
„Außerdem ermöglichen wir Angehörigen rund um die Uhr Zugang zu ihren Nahestehenden.“ So manchen letzten Wunsch konnte Dr. Dörr und sein Team auf diese Weise in den vergangenen Jahren erfüllen. „Einmal konnten wir einen Besuch auf einem Campingplatz ermöglichen, der so eine Art Sehnsuchtsort für den Patienten war. Ein anderes Mal stellten wir für eine Trauung ein Attest aus, damit der Standesbeamte die Trauung in der Klinik vollziehen konnte. Das sind dann schon berührende Momente.“
Dr. Dörr weiß, was er tut. Er blickt auf eine über zwanzigjährige Berufstätigkeit als Arzt zurück und konnte sich im Lauf der Jahre auch in zahlreichen externen Fortbildungen eine Professionalität erwerben, von der nicht nur seine Patienten, sondern auch sein Team in hohem Maß profitiert. Die wöchentlichen Teamgespräche und intensiven Absprachen ermöglichen es, auch mit schwierigen Situationen und Belastungen bei der Arbeit umzugehen. „Wir haben gelernt, wie wir uns gegenseitig Stütze sein können“, berichtet der Chef.


Alle drei Monate findet ein Gottesdienst in der Klinikkapelle statt. In feierlichem Rahmen werden die Namen all derer verlesen, die in den vergangenen Monaten in der Clinic verstorben sind. Für jeden von ihnen wird eine Kerze entzündet und jeder Angehörige erhält eine Rose. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Palliativstation stehen den Angehörigen im Anschluss an den Gottesdienst gerne für ein persönliches Gespräch zur Verfügung. „Viele von ihnen kommen zu diesem Gottesdienst das erste Mal wieder in unser Haus und erinnern sich an das Geschehene. Wir möchten auf diese Weise eine Möglichkeit zur Bewältigung bieten.“


Wie kann man die Palliativstation unterstützen?


Im Herbst 2018 erhielt die Palliativstation der Clinic Neuendettelsau vom Hospizverein Neuendettelsau/Windsbach eine Spende in Höhe von 20.000 Euro. „Das ist natürlich ein großer Betrag“, so der Chefarzt. „Aber wir freuen uns auch über die vielen kleineren Beträge, die wir im Lauf des Jahres erhalten. Wir konnten damit den Komfort auf unserer Station erhöhen, beispielsweise haben wir einen schönen Aufenthaltsraum gestaltet und mit gemütlichen Sofas ausgestattet. Für Getränke und Lesestoff ist gesorgt, so dass Patienten und Angehörige die Patientenzimmer auch einmal verlassen können und sich an einem neutraleren Ort aufhalten und entspannen können.“


Den Großteil der Spenden legt Dr. Dörr jedoch auf ein Sonderkonto, um den Patientinnen und Patienten auf der Palliativstation einen besonderen Wunsch zu erfüllen: Die Station soll um einen Balkon erweitert werden. „Viele unserer Patienten wünschen sich, noch einmal die Sonne und den Wind zu spüren und die frische Luft genießen zu können. Aber nicht alle sind gesundheitlich in der Lage, noch einmal nach draußen zu gelangen. Daher braucht der Balkon eine gewisse Größe, die es ermöglicht, auch im Krankenbett hinausgeschoben werden zu können.“
Natürlich freut sich die Clinic Neuendettelsau auch über zweckgebundene Spenden für dieses Anliegen.



Kontakt Palliativstation Clinic Neuendettelsau

Kontakt Palliativstation Clinic Neuendettelsau

Palliativstation Clinic Neuendettelsau

Heilsbronner Straße 44
91564 Neuendettelsau

Telefon: 09874-8-5469
Fax: 09874-8-5465

E-Mail: sekretariat.palliativ(at)diakonieneuendettsau



Spenden für die Palliativstation an der Clinic Neuendettelsau

Wenn Sie unsere Station finanziell unterstützen möchten, freuen wir uns über Ihre Spende:

IBAN: DE81 5206 0410 0002 1111 10
Evangelische Bank
BIC: GENODEF1EK1
Verwendungszweck: Palliativstation-Balkonprojekt






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