Am Anfang zieren sich die Hühner noch etwas. Während sie in einer Ecke picken, bekommen die Besucher erst einmal Tee. So können die Jungen und Mädchen vom Sonderpädagogischen Förderzentrum Johann-Heinrich-Pestalozzi-Schule in Ansbach in Ruhe auf dem Freizeitpark von Georg Ziegler im Lehrberger Ortsteil Schmalenbach ankommen.

Nachdem die Schüler sich auf Strohballen gesetzt haben, wagt sich ein neugieriges Huhn in die Runde und interessiert sich für die Kekse, die es zum Tee gibt.

„Können Hühner eigentlich fliegen?“, will Rafael wissen, während ein anderer in der Runde sich dafür interessiert, wie viele Eier die Hennen eigentlich so legen. Georg Ziegler steht dabei als Experte für die Tiere gerne Rede und Antwort.

Die wichtigste Frage ist jetzt aber, wie man sich verhalten muss, damit die Tiere näher kommen: Blickkontakt aufnehmen, das Huhn ansprechen und dann vorsichtig die Hand ausstrecken, lautet die Regel. Mit Bildern und Karten erklären die Lehrerinnen Christine Karch und Bärbel Bremm-Schuster, wie man mit Tieren umgeht. Ganz schön viel Geduld, aber auch Mut, brauchen die Kinder, bis die Hühner Vertrauen fassen und Salatblätter sowie Getreidekörner aus der Hand der Schüler picken. Die meisten der jungen Gäste trauen sich auch, die Hennen zu streicheln.

Nach einem erfolgreichen Pilotprojekt ist es den Lehrerinnen Christine Karch und Bärbel Bremm-Schuster gelungen, die tiergestützte Förderung nun regelmäßig zu organisieren. Immer montags fahren sie mit 14 Kindern nach Schmalenbach, um dort mit Kaninchen, Ziegen, Ponys und eben auch Hühnern zu arbeiten.

"Wir machen dabei gute Erfahrungen und haben das Gefühl, dass die Kinder sehr davon profitieren."

Christine Karch, Lehrerin und Fachkraft für Tiergestützte Pädagogik

Die Lehrkräfte Bärbel Bremm-Schuster und Christine Karch, am Institut für soziales Lernen mit Tieren ausgebildete Fachkräfte für Tiergestützte Pädagogik, setzen in ihren eigenen Klassen bereits die Schulhunde Ben und Konrad ein. Nun haben sie eine weitere Form der tiergestützten Förderung entwickelt, von der auch Schüler aus anderen Klassen profitieren können.

Die Nähe zu Tieren fördert die emotionale und soziale Entwicklung.

Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten

Gemeinsam mit den Klassenlehrern werden Schüler für die Tiergestützte Förderung ausgewählt. Einmal in der Woche besuchen die Schüler mit den beiden Fachkräften in einer altersgemischten Kleingruppe die Ponys, Ziegen, Hühner und Kaninchen von Georg Ziegler. Im Umgang mit den Tieren bieten sich den Schülern unterschiedlichste Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten. Gemeinsam mit den Klassenlehrern wird für jeden Schüler ein eigenes Förderziel formuliert. Dieses wird über ein Vierteljahr in ungefähr zehn Besuchen durch entsprechende Aktivitäten mit den Tieren verfolgt. Die Förderziele der Schüler betreffen oft ihre emotional-soziale Entwicklung. Beispielsweise soll das Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen eines Schülers durch die Zuwendung der Tiere aber auch durch die Fürsorge für die Tiere gestärkt oder die Fähigkeit zur Aufnahme und Gestaltung von Kontakten durch den Umgang mit den Tieren verbessert werden. Immer wieder liegen Förderziele aber auch im Bereich Sprache. Hier soll beispielsweise der Wortschatz in Gesprächen über die Tiere erweitert oder die Kommunikationsfähigkeit im Umgang mit den Tieren geschult werden.

Die Besuche bei den Tieren haben einen festen Ablauf, den die Kinder schnell verinnerlichen. So können sie sich ganz den Tieren selbst widmen. Bei jedem Besuch steht eine Tierart im Mittelpunkt. Über ein Wunschplakat werden die Kinder im Vorfeld in die Planung der Aktivitäten mit den Tieren einbezogen. Hühner und Kaninchen dürfen von den Kindern gestreichelt und gehalten werden. Die größeren Tiere, Ponys und Ziegen, werden mit auf die Weide genommen und dort von den Kindern geputzt und geführt. Die Tiere haben stets die Möglichkeit sich zurückzuziehen, was sie aber nur selten in Anspruch nehmen.

Georg Ziegler (rechts) zeigt Kindern gern, wie man mit seinen Tieren richtig umgeht.

Persönliches Erinnerungssäckchen

Zum Abschluss findet immer eine Reflexionsrunde statt. Dabei sammeln die Kinder bunte Steinchen für Edelsteinmomente, das heißt besonders schöne Erlebnisse mit den Tieren, in einem Glas. Sie zerknüllen aber auch mal ein Blatt Papier und werfen es weg, wenn etwas passiert ist, was ihnen nicht gefallen, sie geärgert oder erschreckt hat. Jeweils am Ende einer Sequenz dürfen die Kinder verschiedene Andenken an die Tiere, zum Beispiel Federn, Stroh, Haare oder Körner, sammeln und sich damit ihr persönliches Erinnerungssäckchen füllen.

Die Lehrkräfte Bärbel Bremm-Schuster und Christine Karch haben Freude an den Besuchen mit den Schülern bei den Tieren, auch deshalb weil die Zusammenarbeit mit Georg Ziegler so unkompliziert ist, sehr gut gelingt und sie sich mit den Schülern im Freizeitpark Ziegler immer willkommen fühlen. Bei den Kindern ist die Teilnahme an der Tiergestützten Förderung im Freizeitpark Ziegler sehr gefragt und auch Eltern bitten hin und wieder darum ihr Kind bei der Tiergestützten Förderung zu berücksichtigen. Für die Eltern entstehen keine Kosten, Ziegler stellt seine Tiere kostenlos zur Verfügung und die Busbeförderung ist dank großzügiger Spender möglich.

In eigenen Beobachtungen und im Austausch mit den Klassenlehrern können die Fachkräfte häufig positive kleinere und größere Veränderungen bei den Kindern in Bezug auf ihr individuelles Förderziel feststellen. Für viele Schüler wäre allerdings ein länger andauernder und noch intensiverer Kontakt zu und Umgang mit den Tieren wichtig, um die gemachten Lern- und Entwicklungsfortschritte sichern und ausbauen zu können. Deshalb stellen die Fachkräfte derzeit Überlegungen zur Haltung von Tieren auf dem Schulgelände der Einrichtung der Diakonie Neuendettelsau in Ansbach an. So wäre es den Schülern möglich, mehr Zeit mit Tieren zu verbringen. Dies ist jedoch auch mit erheblich mehr Aufwand verbunden und muss von der gesamten Schulfamilie gut durchdacht, geplant und organisiert werden.

Zur Johann-Heinrich-Pestalozzi-Schule Ansbach

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