Unterwegs sein im "Abenteuerland Demenz“


Über die Attraktivität der Arbeit in der Pflege hat Sandra Patrick viel zu sagen: Langeweile zum Beispiel kommt in ihrem Berufsalltag sicher nicht vor. Heute verhandelt sie mit einem älteren Herrn darüber, ob es denn eine gute Idee sei, sich die Haare mit der Zahnbürste zu bürsten. Am nächsten Tag beruhigt sie eine Dame in den Achtzigern, die sich in ihre Pubertät zurückversetzt fühlt und Angst vor einer schimpfenden Mutter hat.

„Demenz ist ein Abenteuerland“, sagt Sandra Patrick. "Manchmal sind die Situationen erschreckend, teils sehr befreiend.“ Die 52jährige Altenpflegefachkraft liebt ihren Beruf und ist gerne im Abenteuerland Demenz unterwegs. Mit 47 Jahren hat sie die Ausbildung in der Altenpflege begonnen. Heute arbeitet sie im Kompetenzzentrum für Menschen mit Demenz in Nürnberg.


Fachkraft in der Altenpflege
"Pflege ist ein wunderschöner Beruf" sagt die Altenpflegefachkraft Sandra Patrick.


Ihr Weg dahin war nicht vorgezeichnet: "Ich wollte nie in die Altenpflege", sagt sie. Nach der Familienphase zog es die Mutter von vier Kindern aber auch nicht zurück in ihren Beruf als Arzthelferin. Deshalb arbeitete sie zunächst als Hauswirtschafterin in einem Seniorenheim.


Doch sie merkte von Anfang an, dass sie ihr Herz an die Arbeit mit älteren Menschen verloren hat. Wobei ihr erster Einsatz direkt am Menschen durchaus dramatisch war: Eine Dame verschluckte sich beim Essen, bekam keine Luft mehr. Notarzt und Krankenwagen kamen und Sandra Patrick war mittendrin: "Das hat mich trotz allem so fasziniert, dass mir klar war, ich will in dem Beruf arbeiten."

In ihrer Klasse an der Berufsfachschule für Altenpflege war sie zwar die älteste Schülerin. "Aber es waren insgesamt viele ältere Frauen dabei." Mit ihr drückten viele Mütter nach der Familienphase die Schulbank. "Ich habe die Ausbildung sehr geschätzt", sagt Sandra Patrick. "Manchmal bin ich morgens um 5 Uhr aufgestanden und habe gelernt."


An ihrem jetzigen Arbeitsplatz im Kompetenzzentrum für Menschen mit Demenz bildet die Arbeit mit dementen Menschen den Schwerpunkt ihrer Arbeit. "Dazu muss man viel Humor haben", sagt sie. "Man muss sich auf die Welt der Menschen einlassen." Und wenn jemand die Suppe heute lieber mit dem Messer isst, "dann ist das eben so." Man müsse dabei immer das Positive sehen: "Immerhin weiß der Mensch noch, was Besteck ist."


Für die Angehörigen sei es natürlich schwer, wenn ein Mensch an Demenz erkranke. Aber bisweilen sei Demenz auch sehr befreiend: "Gesellschaftliche Zwänge werden dann am Ende immer unwichtiger." Bei ihrer Arbeit in der Altenpflege spürt Sandra Patrick eine große Verantwortung: "Es hängt von uns Pflegekräften ab, wie es den Menschen geht, ob sie sich wohlfühlen und glücklich sind."


Ihre späte Berufswahl hat Sandra Patrick bis jetzt nicht bereut: "Die Pflege ist ein wunderschöner Beruf." Deshalb wünscht sie auch, dass das Image der Pflegeberufe in der Öffentlichkeit besser wird. "Es gibt so viele tolle Fachkräfte und Pflegekräfte, die sich sehr engagieren."


Sandra Patrick ist eine der Preisträgerinnen des Wettbewerbes "Ich pflege gerne". Sie beteiligte sich mit einem selbstgeschriebenen Text über ihren alltäglichen Umgang mit Menschen mit Demenz: "Ich hab´ mein Pferd in Heidelberg verloren", so der Titel ihres Beitrages.


- > Lesen Sie hier den Text: "Ich hab´ mein Pferd in Heidelberg verloren"

-> Informationen über die Ausbildung in der Altenpflege




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