
Mit dem Kompetenzzentrum Demenz in Nürnberg hat die Diakonie Neuendettelsau im Jahr 2006 ein neues Wohnkonzept für Menschen mit einer demenziellen Erkrankung eröffnet. Das Angebot verbessert die Situation von an Demenz erkrankten Menschen und ihren Angehörigen in Nürnberg und geht in der Beratung und Betreuung völlig neue Wege. Im Kompetenzzentrum Demenz bietet die Diakonie Neuendettelsau eine nahezu lückenlose Versorgungskette. Sie umfasst vorbeugende, medizinische, therapeutische sowie pflegerische Versorgung und Beratung der Betroffenen und ihrer Angehörigen.

Die besondere Architektur des Hauses gibt Anregungen und unterstützt Menschen mit veränderter Wahrnehmung. Sicherheit – Wechsel – Freiheit – Verbundenheit, an diesen Grundwerten und nicht an fixen Farbskalen oder einem Proportionskanon hat der Architekt Eckhard Feddersen (Feddersenarchitekten/Berlin) sein Schaffen ausgerichtet. Mit seinem Entwurf setzte er sich vor vier Jahren beim Wettbewerb für das Kompetenzzentrum Demenz Nürnberg durch. Feddersen setzte bei der Gestaltung des Kompetenzzentrums Demenz auf Vielfalt, auch innerhalb eines einzelnen Hauses. Bewohner und Betreuer sollen für jede Gefühlslage einen passenden Platz finden können. Deswegen gibt es etwa bei Balkons und Loggien grundsätzlich Sitzplätze in der Sonne und im Schatten. Da ein Mensch mit Demenz seine Welt nicht mehr über den Verstand, sondern über seinen Körper erfährt, fühlt er sich in Räumen wohl, deren architektonische Gestalt er instinktiv begreifen kann.

Der Architekt entwickelte im Haus ganz unterschiedliche Atmosphären: Der Patio-Typ hat einen lichten und modernen Innenhof, der Janus-Typ gibt sich als dunkle, geborgene „Wohnhöhle“, der Typ-Bauernstube interpretiert eine traditionelle und ländliche Wohnsituation. Geschossweise entstanden durch unterschiedliche Farben und Materialien acht verschiedene Wohnatmosphären. Wichtig ist, dass sich vertraute Bezüge zwischen Bewohner und Umfeld herstellen lassen, etwa durch Materialien und Texturen. So schafft der Architekt mit unterschiedlichen Materialoberflächen wie gespachteltem Wandputz im Janus Typ oder einer Holzverkleidung im Typ Bauernstube einen Erlebnisweg, der sich aus prägnanten Stimmungen zusammensetzt. Innerhalb des Hauses stellt er unterschiedliche Lebenswelten nebeneinander. Im Haus Bauernstube wurde in der Wohngruppe im Erdgeschoss das Mauerwerk sogar unverputzt stehen gelassen. Die Ziegelsteine wurden lediglich mit Leinöl einrieben. Jetzt können die Bewohner den rustikalen Geist dieser Wohngruppe im wörtlichen Sinn begreifen. Durch das moderne Betreuungs- und Architekturkonzept konnte im Kompetenzzentrum Demenz auf lange Flure verzichtet werden. Das ermöglicht Betreuungskräften und Bewohnern kurze Wege. Neben der Identität durch die Gestaltung eines Hauses findet der Bewohner sich in seinem eigenen Zimmer wieder, seinem privaten und individuellen Rückzugsraum. Es bedarf einer klar markierten Übergangszone, die den Respekt gegenüber dem Individuum ausdrückt.

Das Bad als architektonisches Sinnbild für Körperlichkeit kann ein sinnlicher Raum sein statt nur ein Ort der klinischen Hygiene. Licht und Farbe unterstützen eine warme Stimmung. Die Verbindung zwischen den Gemeinschaftsräumen im Haus und den Außenflächen des Kompetenzzentrums Demenz wird durch große Fenster hergestellt. Selbst im Winter auf einer tiefen Fensterbank sitzend oder als Bettlägeriger kann der Bewohner so die Natur erleben. Ein reiches Angebot zur sinnlichen Anregung durch Texturen und Farben bietet auch der Garten. Das Gelände lädt Bewohner mit Bewegungsdrang mit Rundwegen zum gefahrlosen Wandern ein. Mit seinem Entwurf für den Außenraum macht in Nürnberg der Berliner Landschaftsarchitekt Harms Wulf den Bewohnern sowohl Angebote zur Aktion als auch zur Kontemplation. Ein beschützter Garten mit vielseitigen Angeboten wie z.B. der Duft von Blumenbeeten, das Plätschern von Wasserläufen, das Zwitschern der Vögel oder auch nur die Änderung der Jahreszeiten. Garten und Gebäude bilden dabei ein Ganzes.
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Vielfalt als Gütezeichen
Kompetenzzentrum Demenz
