Hochkarätig besetzte Konsultation zwischen Rumänischer Orthodoxer Kirche und Diakonie Neuendettelsau im April 2008 / Ähnliches Verständnis von Diakonie bei orthodoxen und evangelischen Christen
NEUENDETTELSAU (wog) – Diakonische Arbeit verbindet Nationen und Konfessionen, weil sie im Verständnis aller großen Konfessionen zum Kernbereich der kirchlichen Tätigkeit gehört: Das ist die Haupterkenntnis der ersten internationalen theologischen Konsultation des Ökumenischen Geistlichen Zentrums (ESC) Neuendettelsau zwischen der Diakonie und der Rumänischen Orthodoxen Kirche.

Diakonie-Rektor Hermann Schoenauer und Pfarrer Mathias Hartmann, der Leiter des ESC, hatten ein hochkarätiges Gremium eingeladen: Der Metropolit der orthodoxen Rumänen für Mitteleuropa, Serafim, der Erzbischof von Tomis-Konstanza, Teodosie, der rumänische Sozialbischof Văsile Someşanul und Theologen aus Bukarest, Klausenburg (Cluj) und Hermannstadt (Sibiu) berieten mit Vertretern mehrerer Neuendettelsauer Gemeinschaften und Einrichtungen sowie dem Leiter der Evangelischen Akademie Siebenbürgen, Jürgen Henkel, über die theologische Fundierung, Perspektiven, Finanzierung und Praxis des gesamten Spektrums der diakonischen Arbeit.
Die diakonische Arbeit in Bayern und Rumänien unterscheidet sich vor allem in der Praxis: In Rumänien war organisierte Sozialarbeit der Kirchen bis zur Revolution 1989 verboten und steckt daher in weiten Teilen noch in den Kinderschuhen. Besonders leidet sie unter schwacher Finanzausstattung, so werden die Hilfsleistungen nicht vom Staat oder Sozialversicherungen bezahlt – im Gegensatz zu Deutschland. Die diakonische Tätigkeit in Rumänien ist somit ein reines Zuschussgeschäft für die Kirchen. Dennoch hat die orthodoxe Kirche in den vergangenen Jahren mehr als 100 Armenküchen, 50 Krankenhäuser und zahlreiche Einrichtungen für Kinder, Behinderte, Arme und Alte gegründet.
Völlige Übereinstimmung herrschte dagegen in der theologischen und spirituellen Begründung der diakonischen Arbeit. So sagte Metropolit Serafim: „Der Satz: >Alle Diakonie geht vom Altar aus<, den Wilhelm Löhe geprägt hat, spricht uns Orthodoxen aus dem Herzen. Das ist für uns ein orthodoxer Satz.“ Der Neuendettelsauer Rektor Hermann Schoenauer betonte: „Diakonie ist für Löhe nicht ohne Kirche denkbar und Kirche nicht ohne Diakonie.“
WOLFRAM GÖLL
Ökumenisches Geistliches Zentrum
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