Schoenauer: Prävention und Rehabilitation müssen mehr als bisher gestärkt werden
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| ![]() im Bild v.l.: Sozialministerin Christine Haderthauer, Rektor Prof. Dr. h. c. Hermann Schoenauer und Einrichtungsleitung Andrea Koydl |
Die Diakonie Neuendettelsau präsentiert mit dem Kompetenzzentrum Demenz in Nürnberg ein innovatives Projekt, das 2006 eröffnet wurde. Das Kompetenzzentrum verbessert die Situation von an Demenz erkrankten Menschen und ihren Angehörigen in Nürnberg erheblich. Es geht in der Beratung und Betreuung völlig neue Wege. Im Kompetenzzentrum Demenz wurden neue Versorgungsformen für betroffene Menschen entwickelt. Angebote anderer Träger, die es für an Demenz erkrankte Menschen bisher in Nürnberg schon gibt, werden im Kompetenzzentrum vernetzt, um optimale Hilfe bieten zu können. Durch die wissenschaftliche Begleitung des Projektes ist gewährleistet, dass neueste Erkenntnisse der Forschung schnell in die praktische Arbeit einfließen.
Bei ihrem Besuch in Nürnberg konnte sich Sozialministerin Christine Haderthauer ein Bild der Einrichtung machen, die nach einem Wohngruppen-Prinzip aufgebaut ist.
Dabei wies Rektor Hermann Schoenauer darauf hin, dass die Akzeptanz der besonderen Pflegesituation von dementiell erkrankten Menschen mit daraus resultieren Notwendigkeiten verbunden sei.
Eine dieser Notwendigkeiten beziehe sich etwa auf die Erhöhung des Personalschlüssels in der Betreuung dieser Personen. Auch die Anerkennung der Fachhauswirtschaft als Fachkraft sei hier ein Schritt in die richtige Richtung, denn diese Berufsgruppe leiste wichtige Arbeit in der Betreuung von Menschen mit Demenz.
Schließlich müsse mit dem Blick auf die demographischen Entwicklungen der kommenden Jahrzehnte auch die Prävention gestärkt werden. Die Diakonie Neuendettelsau blickt in den eigenen Einrichtungen bereits auf gute Erfahrungen mit den Programmen SIMA-P und Maks-aktiv, die eine Wirksamkeit nichtmedikamentöser Therapien bei Menschen mit Demenz nachweisen.
Schoenauer: „In Deutschland leiden aktuell etwa 1 Million Menschen an einer Demenzerkrankung, zwei Drittel davon sind von der Alzheimer'schen Krankheit betroffen. Jährlich treten mehr als 250.000 Neuerkrankungen auf. Experten erwarten eine Erhöhung der Zahl der demenzkranken Menschen auf mehr als 2 Millionen im Jahr 2050, sofern kein Durchbruch in Prävention und Therapie gelingt. Deshalb müssen wir auch die Ausbildung stärken.“
Rektor Hermann Schoenauer und Einrichtungsleiterin Andrea Koydl richteten den Appell an die Sozialministerin, für die Belange von Menschen mit Demenz einzutreten: „Wir müssen uns fragen, was uns Pflege und Begleitung von Menschen mit Demenz wert ist. Es ist sicherlich eine sozialpolitische, vor allem aber auch eine gesellschaftliche Frage, wie wir unsere alten Menschen begleiten. Fakt ist: Pflege muss im Lichte von Ressourcen- und Potenzialorientierung, Selbstbestimmung und Teilhabe beleuchtet werden. Zukunftsfähig ist deshalb nur ein Pflegebedürftigkeitsbegriff, der alle körperlichen, geistigen und psychischen Einschränkungen und Störungen umfasst sowie ein Bewertungssystem, das Lebens- und Bedarfslagen hilfe- und pflegebedürftiger Menschen flexibel erfasst und einen hohen Grad an Differenziertheit gewährleistet. Vor allem die Bedarfe von Menschen mit Demenz müssen endlich besser berücksichtigt, Prävention und Rehabilitation mehr als bisher gestärkt werden.“