
Unsere Gemeinschaft hat tiefe Wurzeln im Boden der Diakonie Neuendettelsau. Seit Gründung der Diakonissenanstalt durch Wilhelm Löhe gab es schon immer Männer und Frauen die mitgearbeitet haben, ohne einer Gemeinschaft anzugehören. Was heute die Regel ist, war damals eher die Ausnahme: bei der Diakonie zu arbeiten ohne in einer diakonischen Gemeinschaft zu sein. Aus diesen Wurzeln wurde ein kräftiger Stamm, der immer noch wächst. Wenn auch nicht so rasant, aber doch kontinuierlich. Dafür sind wir Gott dankbar.
Die längsten Wurzeln haben die Brüder in der Gemeinschaft. Sie reichen zurück bis zur Gründung der Diakonie Neuendettelsau durch Pfarrer Wilhelm Löhe.
1854 kommt Johann Georg Heider nach Neuendettelsau, um für die Mission ausgebildet zu werden. W. Löhe erkannte, dass J. G. Heider besser für die Krankenpflege geeignet ist. J. G. Heider stimmte zu. Seit dieser Zeit war Br. Heider in der Diakonissenanstalt tätig. Er war auch der erste Bewohner des Mutterhauses. Er schlief in einer Kiste, um die Baustelle zu bewachen. Im Dezember 1862 kamen sechs Brüder, so nannten sie sich, zu Pfarrer Löhe. Diese sechs Männer wollten eine „christliche Brüderschaft“ gründen. Diese Bitte richteten sie an W. Löhe. Somit entstand die Brüderschaft nicht aus einem Entschluss von Löhe, sondern von den Brüdern selbst. Am 16. März 1863 war es dann soweit, die Neuendettelsauer Brüderschaft wurde gegründet. Dazu schreibt Br. Heider in sein Tagebuch: „ Heute Abend waren wir Brüder ... das erste Mal beieinander. Der Herr Konrektor leitet unseren Verein. Zum Anfang wurde der 133 und 134 Psalm gesungen, dann erklärte Herr Konrektor, warum wir uns einigen sollen und was der Zweck dabei ist usw.“ Der „Verein“ hat die Aufgabe „ Männliche Gehilfen der weiblichen Diakonie“ zu sein. Der Posaunenchor der 1868 gegründet wurde, gehörten viele Brüder an.

Die Zahl der Brüder blieb bis 1893 weitgehend konstant. Zu diesen Zeitpunkt, richtete Rektor Hermann von Bezzel, eine Diakonenschule ein und begann mit einer geordneten Ausbildung zum Diakon. 1900 errichtete Bezzel ein Brüderheim, als Wohn- und Ausbildungsstätte.
1907 bekam die Brüderschaft noch einen Brüderpfarrer an die Seite gestellt. 1914 gab es 44 Brüder.
Im 1. Weltkrieg sind fünf Brüder gefallen. Nach dem Krieg verlegte 1923 Rektor H. Laurer die Brüderschule nach Bruckberg. Dort ist eine Filiale der Diakonie Neuendettelsau mit Behinderteneinrichtungen. Dort arbeiteten die Brüder in der Pflege und den Handwerksbetrieben.

1928 wurde die Brüderschaft in die Deutsche Diakonenschaft aufgenommen. 1932 gehörten der Brüderschaft (Diakonenschaft) 65 Brüder und Probebrüder an. Im 2. Weltkrieg waren viele Brüder als Soldaten an der Front. Durch den Kriegseinsatz verlor die Brüderschaft 20% ihrer Diakone. 1946 wurde die Ausbildung in Neuendettelsau wieder aufgenommen und für die Brüder wurde 1956 ein eigenes Haus in Bruckberg gebaut, das sogenannte Brüderhaus. Es diente zur Ausbildung und zur Unterbringung der Probebrüder. 1973 gab es in Neuendettelsau die erste gemeinsame Beauftragung und Einsegnung von Diakonissen, Diakonischen Schwestern und Diakonen mit dem diakonischen Amt. Ende 1991 zählte die Diakonenschaft Neuendettelsau 55 Brüder, fast soviel wie vor dem Krieg. Die Brüderschaft war immer eine kleine, fast familiäre Gemeinschaft.
Die kürzere Wurzel unsere Gemeinschaft bildet die Verbandsschwesternschaft. Die Geschichte ist nicht so lange wie die der Brüder, doch nicht weniger umfangreich. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass es die Verbandsschwestern ohne den Kaiserswerther Verband nicht gäbe.
In Neuendettelsau begann die „Hilfsschwesternsache“, wie es zuerst hieß, 1918 durch Pfarrer Meiser und Rektor W. Eichhorn. Pfr. Meiser aus München (der spätere Landesbischof) schickte am 15. März vier junge Frauen nach Neuendettelsau zur Ausbildung als Krankenschwester. Diese vier „Fräuleins“ kamen mit einen Geleitbrief einer Münchner Oberschwester in den Händen in Neuendettelsau an. Darin steht: „Den Frühlingsboten einer neuen Bewegung, die von München nach Dettelsau hin ihre Wellen schlägt, möchte ich gerne einen Geleitbrief mitgeben: möge Gottes Segen auf diesem kleinen und armen Anfang ruhen und reiche Frucht aus ihm erwachen für die Helfenden selbst, für unser Haus und für die liebe Kirche ...“.

Natürlich waren am Anfang auch Bedenken vorhanden, eine neue Gemeinschaft neben den Diakonissen aufzubauen. Die vor allem nicht in dieser Verbindlichkeit, wie die Diakonissen, leben. Diese Entwicklung begann in allen Mutterhäuser des Kaiserswerther Verbandes und wurde zum Teil mit Sorge gesehen. Der damalige Rektor und die Oberin sahen die Notwendigkeit für die Hilfsschwestern, da es zu wenige Diakonissen für die Arbeit gab. Die Diskussion über die Schaffung einer eigenen Schwesternschaft endete am 1. März 1939 mit der Gründung der Verbandsschwesternschaft im Kaiserswerther Verband durch Verbands-Oberin Auguste Mohrmann. Damit waren alle Hilfsschwester in den Mutterhäusern des Kaiserswerther Verbandes zusammengefasst zur Verbandsschwesternschaft. Die Verbandsschwestern bekamen eine Einheitliche Tracht und die Brosche, sie waren aber weiterhin an den einzelnen Mutterhäusern gebunden. Dieser Schritt wurde notwendig, sonst wären alle Nicht-Diakonissen in die NS- Schwesternschaft zwangsintegriert worden. Die Verbandsschwestern in Neuendettelsau verloren durch den 2. Weltkrieg sieben Mitschwestern durch Bombardierung. In Neuendettelsau waren 1947, 295 Verbandsschwestern aktiv.
Ab 1951 bekam unsere Schwesternschaft einen eigenen Pfarrer an die Seite gestellt. Seine Aufgabe war unter anderen „...daß sich die Verbandsschwestern zum zweiten Weg der Mutterhausdiakonie entwickeln.“

1956 wurde eine Verbandsschwester- Ordnung durch den Schwesternrat Ausgearbeitet. In den folgenden Jahren entwickeln sich die Verbandsschwestern zu einer eigenständigen Diakonischen Gemeinschaft neben den Diakonissen. Sie bekamen auch eine Oberin aus ihren Reihen, vorher war es eine Diakonisse. 1973 war die erste gemeinsame Beauftragung und Einsegnung mit dem diakonischen Amt, von Diakonissen, Diakonen und Verbandsschwestern, in Neuendettelsau. 1987 wurde die Verbandsschwesternschaft in Diakonische Schwesternschaft umbenannt. Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts gehörten der Diakonischen Schwesternschaft 160 Schwestern an.
Seit Ende der 1980er Jahre des letzten Jahrhunderts gab es Gespräche über den Zusammenschluss der drei Gemeinschaften (Diakonissenschaft, Diakonenschaft und Diakonischer Schwesternschaft) in Neuendettelsau. Die Diakonissenschaft konnte diesen Weg nicht weiter mitgehen, aufgrund ihrer besonderen Struktur. Doch die Diakonische Schwesternschaft und die Diakonenschaft haben den Vereinigungsprozess unter Einschluss aller Mitglieder engagiert vorangetrieben. Neben der gemeinsamen Basis, dem diakonischen Auftrag, gab es in vielen Bereichen große Übereinstimmungen. 1994 erfolgte der Zusammenschluss der beiden Gemeinschaften zur Diakonischen Schwestern- und Brüderschaft. Es war die erste Fusion von zwei diakonischen Gemeinschaften, welche unterschiedlichen Dachverbänden angehörten und weiterhin angehören. Fast 10 Jahre später wurden die ersten Diakoninnen in Neuendettelsau eingesegnet. 2008 wurde mit großer Mehrheit ein neues Zeichen für unsere jetzt zusammengewachsene Gemeinschaft beschlossen.
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Diakonische Schwestern-
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